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0437 - Sie müssen sterben, Mr. High!

0437 - Sie müssen sterben, Mr. High!

Titel: 0437 - Sie müssen sterben, Mr. High!
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Sechs Minuten vor zwei Uhr nachts ratterte der Wecker. Holly Bedkins rieb sich die Augen, gähnte laut und stemmte sich am Schreibtisch hoch. Mit dem Hüftgelenk stieß er gegen die Kante eines Aktenschranks. Er fluchte. In diesem verdammten Büro war kaum Platz für eine vernünftige Sitzgelegenheit.
    Bedkins war zweiundzwanzig Jahre alt und Angestellter einer Schiffahrtslinie. Er hatte die Aufgabe, im Büro des Stückgutschuppens darauf zu warten, daß die »Monte Rosa« nach zweitägiger Verspätung endlich am Pier anlegen würde. Das Schiff hatte im Nebel auf dem Atlantik Havarie gehabt und wurde jetzt in den Häfen eingeschleppt, angebliche Ankunft an Pier fünfzehn: zwei Uhr früh.
    Der junge Mann verließ den Stückgutschuppen. Eine trübe Lampe brannte über dem halb offenstehenden Schiebetor.
    »Damned«, murmelte er vor sich hin, als er in die Dunkelheit der Rampe hinaustrat. »Es regnet ja.«
    Was er Regen nannte, war ein sintflutartiger Wolkenbruch, der seit ungefähr zwanzig Minuten auf New York laerunterklatschte. Bedkins schlug sich fröstelnd den Jackettkragen hoch und machte schleunigst kehrt. Wenn die »Monte Rosa« kam, würde er sie auch vom Tor des Stückgutschuppens her noch früh genug sehen. Was sollte er im Regen an dem Pier herumlaufen oder auf der Kaistraße?
    Er stieß einen stählernen Handhaken beiseite und setzte sich auf einen Ladekasten. Nachdem er sich eine Zigarette angesteckt hatte, sah er schläfrig hinaus in die Dunkelheit, wo die beiden Portale zweier Blocksäulendrehkräne in der Finsternis noch gerade zu erkennen waren. Ihre Türme und Ausleger allerdings wurden von der dunklen Nacht verschluckt.
    Hätte er sich die Mühe gemacht, an das andere Ende des Stückgutschuppens zu gehen und durch das Tor zu blicken, so hätte er wahrscheinlich den alten Dodge entdeckt, der mit ausgeschalteten Lichtern quer über dem Gleis der Hafenbahn stand. Aber Bedkins hatte keinen Grund, nachts zwischen den aufgestapelten Ladepartien im Stückgutschuppen herumzulaufen.
    Er besah sich auch die Marken auf den gestapelten Ballen nicht. Sonst hätte er vielleicht entdeckt, daß vier Zeichen nicht einmal besonders geschickte Handfälschungen waren, und vielleicht wäre Bedkins dann am Leben geblieben, wenn er in dieser einen Nacht einmal richtig neugierig gewesen wäre und sich gründlich umgesehen hätte.
    Aber Bedkins verspürte nicht die leiseste Neigung dazu, er war müde, er fröstelte und er wünschte sich nur, daß die »Monte Rosa« endlich vom Hafenschlepper an den Pier gebracht würde.
    Die Experten konnten sich hinterher nicht darüber einig werden, ob Bedkins das leise Ticken des Zeitzünders hätte hören müssen. Vielleicht wurde sein schwaches Geräusch vom prasselnden Regen übertönt. Jedenfalls scheint er es nicht gehört zu haben.
    Denn um punkt zwei Uhr explodierten vier Ladungen-, von je sechzig Kilogramm hochbrisanten Sprengstoffs. Die Gewalt der Explosion war so stark, daß sie einen Fabriktrawler, der an dem nächsten Pier lag, mit dem Heck gegen die Kaimauer schleuderte, als wäre das Schiff nur eine leichte Nußschale. Bedkins selbst, in unmittelbarer Nähe des Explosionsherdes, wurde buchstäblich in Stücke gerissen.
    ***
    Schon von weitem sahen wir, wie eine wenigstens zehn Yard hohe Flamme in den Himmel loderte. Der immer noch prasselnde Regen schien dem Feuer nichts anhaben zu können. Ich warf einen kurzen Blick auf die Uhr: zwanzig vor drei. Wir waren von Queens herübergekommen, und wir hatten die lange Fahrt mit Hilfe von Rotlicht und Sirene in einem Rekordtempo zurückgelegt.
    Die Zufahrt zum Pier fünfzehn war abgesperrt. Es gab ungefähr sechzehn Absperrböcke, und zwischen den mittleren standen Cops in schwarzglänzenden Regenmänteln. Ich fuhr gerade auf sie zu.
    »Sie können da nicht durch«, sagte einer der uniformierten Polizisten, als ich das linke Seitenfenster ein wenig herunterkurbelte.
    »Wir müssen aber durch, FBI«, erwiderte ich und ließ mein Etui mit dem blaugoldenen Stern sehen.
    Der Cop salutierte.
    »Das ist natürlich etwas anderes«, hörte ich .gerade noch von ihm, dann traten auf seinen Wink hin die übrigen Cops auseinander, so daß wir durch die Lücke zwischen den Absperrböcken hindurchfahren konnten.
    Phil hatte unterwegs ein Nickerchen gemacht, war aber seit ungefähr fünf Minuten wieder wach, weil ich ihm keine Ruhe mehr gelassen hatte.
    »Ich verstehe nicht«, murmelte er vor sich hin, »was Mister High nachts um zwei auf einem

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