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032 - Seelenträger

032 - Seelenträger

Titel: 032 - Seelenträger
Autoren: Bernd Frenz
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blickte er auf die Koffer in Ahmeds Händen.
    »Damit wäre unser Teil des Auftrags erfüllt«, verkündete der Franzose erwartungsvoll.
    Ahmed lächelte mit der Herzlichkeit eines Gebrauchtwagenhändlers, wäh9 rend er einen der Koffer abstellte. Den anderen hielt er Boisset mit beiden Händen entgegen, als ob er ein silbernes Tablett mit Frühstückshäppchen präsentierte.
    Der Kampfschwimmer entledigte sich der klobigen Handschuhe und öffnete die Verschlüsse. Als der Deckel in die Höhe schnappte, fiel ihm ein Bündel USDollar entgegen.
    Die Währung des Feindes. Natürlich.Wer wollte sich schon mit wertlosen Euro auszahlen lassen?
    Mit fliegenden Fingern blätterte Boisset die Notenbündel durch, um sicherzustellen, dass ihm weder Zeitungspapier noch Blüten untergeschoben wurden.
    Die Scheine waren echt, die Summe stimmte bis auf den letzten Cent.
    Eine Million Dollar.
    Zufrieden klappte Boisset den Koffer zu.
    Ein letzter militärischer Gruß, dann eilte er zu seinen Kameraden, die schon ungeduldig auf ihn warteten. Gemeinsam kletterten die Franzosen an Bord der Suleika.
    Während die Terroristen mit dem CK-512 unter Deck verschwanden, sahen Ahmed und Wolkow der davon tuckernden Yacht nach. Gelächter hallte zu ihnen herüber, während der Sold unter den Tauchern aufgeteilt wurde. 200.000 Dollar pro Mann waren schon ein Grund zum Feiern.
    »Das Geschütz ist feuerbereit«, teilte Wolkow seinem Verbündeten mit.
    Ahmeds Lippen spalteten sich zu einem Lächeln, das die samtbraunen Pupillen nicht erreichte.
    »Nicht nötig. Die Scheine sind kontaminiert.«
    Der U-Boot-Kommandant nickte, als hätte er etwas Derartiges erwartet. »Ich hoffe, das waren keine echten Dollar.«
    »Aber natürlich! Boisset ist kein Anfänger, der auf Blüten hereinfällt.«
    Ahmeds Grinsen wurde breiter. Nun funkelten auch seine Augen. »Seit die Saudis auf unserer Seite stehen, spielt Geld keine Rolle mehr.«
    »Der begrenzte Atomschlag war wirklich ein Fehler.«
    Ahmeds Grinsen erstarrte zu einer bizarren Maske. »O ja«, keuchte er. »Die Amerikaner werden Desert Strike noch bitter bereuen.«
    An Bord der Yacht schwollen die Stimmen zu einem schrillen Chor an.
    Man musste kein Französisch verstehen, um zu hören, dass ein Streit ausgebrochen war. Gleich darauf ertönte das dumpfe Knallen einer P11. Schmerzensschreie und weitere Schüsse wehten herüber. Zwischen den fünf Tauchern brach ein Kampf auf Leben und Tod aus.
    Ahmed lächelte stolz.
    Wolkow war beeindruckt.
    Zwei Franzosen stürzten an Deck der Yacht. Einer von ihnen war Boisset, der sich mit einem großgewachsenen Mann prügelte.
    Wie besessen schlug er mit bloßen Fäusten auf den blonden Taucher ein, der ihn um zwei Köpfe überragte.
    Die Nase des Hünen war bereits zu Brei geschlagen, sein Unterkiefer stand schief zur Seite, trotzdem hielt er sich auf den Beinen.
    Fieberhaft tastete er an der rechten Wade herum und steckte einen Treffer nach dem anderen ein, als wäre er gegen die Schmerzen immun.
    Endlich bekam er den Griff seines Tauchermessers zu fassen.
    In einer Bewegung, die zu schnell für das menschliche Auge war, zog er den Stahl hervor und rammte ihn zweimal bis zum Heft in den Leib des Leutnants.
    Blut quoll aus den Stichwunden hervor, fand auf dem Neoprenanzug keinen Halt, perlte in die Tiefe.
    Boisset schien die Verletzung gar nicht zu registrieren. Unbeeindruckt setzte er seinen Angriff fort. Mit ungestümer Wucht packte er den Hünen an beiden Ohren und hämmerte seinen Kopf gegen die Reling.
    Er hatte den Schädel längst eingeschlagen, als sein Blutverlust den fälligen Tribut forderte. Boisset begann zu schwanken, knickte in den Knien ein und brach über seinem Opfer zusammen. Auf groteske Weise wirkten die Taucher wie ein eng umschlungenes Liebespaar, das sich auf dem Deck vergnügte, während die Yacht langsam weiter trieb. Nur der rote Blutstrom, der an der weißen Bordwand hinab floss, ließ ahnen, welche-Tragödie sich an Bord der Suleika abgespielt hatte.
    »Wirklich erstaunlich«, kommentierte Wolkow, bevor er hinter das Geschütz trat.
    Er wartete, bis die Yacht dreihundert Meter entfernt war, dann setzte er eine Salve direkt unter die Wasserlinie.
    Hämmernd perforierten die 15-mm-Geschosse den Schiffsrumpf, bis er der Länge nach aufgerissen war wie der Leib eines waidwundes Tieres. Die einströmenden Fluten drückten die Suleika achtern ins Meer, während sich ihr Bug einen kurzen Moment lang unnatürlich weit über die Wellen erhob. Wie
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