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Vor dem Urknall

Vor dem Urknall

Titel: Vor dem Urknall
Autoren: Brian Clegg
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    1. Der Zündsatz des Urknalls
    Der Ursprung der Dinge muss im Obskuren liegen, jenseits der Grenzen der Beweisbarkeit, jedoch innerhalb derer der Spekulation oder analoger Schlüsse.
    Asa Gray (1810–1888)
    «Darwin über die Entstehung der Arten»
(The Atlantic Monthly, Juli 1860 )
    Willkommen im Universum.
    «Das Universum» ist ein phantastisches Gebilde – eines, das die offenbare Einfachheit des Begriffs konterkariert. Es umfasst schlichtweg alles, also die Gesamtheit dessen, was wir da draußen vorfinden, die Summe alles Existenten. Wir sind nur ein Teil dieses Ganzen, dennoch ignorieren wir meist alles außer unserer eigenen Existenz, diesem winzig kleinen Schnipsel des Universums, den unser Planet darstellt. Seitdem es vernunftgesteuertes Denken gibt, fragt sich der Mensch, was das Universum ist und von wo es herrührt. Wie wir später sehen werden, wurden im Laufe der Zeit alle erdenklichen Optionen in Betracht gezogen, dennoch dauerte es bis zum 20 . Jahrhundert, bis unsere derzeitige Theorie zur Entstehung des Universums – die des Urknalls – postuliert wurde, um schließlich weitgehend Anerkennung zu finden.
    Die wissenschaftliche Neugier, die uns treibt, nach dem Universum und seinem Ursprung zu fragen, scheint ein natürliches Wesensmerkmal des Menschen zu sein, auch wenn sie oftmals – bedingt durch eine Art Gruppenzwang – unterdrückt wird. Alle Kinder sind fasziniert, wenn sie die Welt um sich herum betrachten. Sie stellen Fragen nach dem Wie und Warum, und dies oftmals mit einer Hartnäckigkeit, die die Erwachsenen in den Wahnsinn treibt. Leider gilt es in der heutigen Zeit unter Teenagern als «uncool», sich für die Welt der Wissenschaft zu interessieren, weshalb viele Jugendliche diese Faszination für das, was da draußen vor sich geht, verdrängen. Dennoch ist sie zweifellos vorhanden und wartet darauf, entdeckt zu werden.
    Für diese Neugier gibt es einen guten Grund. Wie ich in meinem Buch
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beschrieben habe, waren unsere Vorfahren imstande, über den Tellerrand der Gegenwart hinauszuschauen und zu fragen: «Was wäre wenn?», um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass sie eines Tages sterben würden, was sie wiederum in die Lage versetzte, Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die über ihre angeborenen Fähigkeiten weit hinausgingen. Unsere Neugier stellt einen Teil dieser Fähigkeit dar, über den Tellerrand hinauszuschauen, und ist unserem natürlichen Überlebensinstinkt durchaus förderlich. Hören wir nachts ein Geräusch und fragen uns: «Was war das? Wodurch wurde dieses Geräusch verursacht?», sind wir möglicherweise eine Gefahr zu erkennen imstande, bevor sie bedrohliche Ausmaße annimmt. Wir verspüren den Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen, und haben nicht die Einstellung, sie einfach als gegeben hinzunehmen, wie dies bei vielen Tieren der Fall ist; wir wissen, dass es für alles einen Grund gibt, und sind bestrebt, diesen auszumachen. Dieser Drang, nach der Ursächlichkeit eines Sachverhalts zu forschen, bringt einige interessante Konsequenzen mit sich, wenn wir fragen, was vor dem Urknall war.
    Wenn Raum und Zeit mit dem Urknall entstanden, wie dies in manchen Theorien beschrieben wird, führt die Suche nach einer etwaigen Ursache zwangsläufig ins Nichts, gibt es in diesem Fall doch kein «Vorher», keinen vor dem Urknall befindlichen Zeitraum, in dem die Ursache entstanden sein könnte. Sind wir nicht in der Lage, in unserem Denken die Faktoren Raum und Zeit auszuklammern, wie dies bei theologischen Lösungsansätzen oftmals zu beobachten ist, stehen wir vor der merkwürdigen Situation, es mit einem Sachverhalt zu tun zu haben, für den es keine Ursache gibt. Dieser Fall kann durchaus eintreten, wenn wir uns mit einem derartigen Extrem wie dem Ursprung des Universums auseinandersetzen, einer Materie, die unser Gehirn, das auf Ursachenforschung programmiert ist, eindeutig überfordert.
    Der Urknall stellt die derzeit plausibelste Erklärung für die Entstehung des Universums dar, auch wenn an dieser Stelle anzumerken ist, dass auch der Urknall lediglich eine Theorie und keine erwiesene Tatsache ist. Der belgische Wissenschaftler Georges Lemaître war der Erste, der – inspiriert von dem Gedanken, dass sich das Universum ausdehnt – die Theorie des Urknalls explizit erwähnte (auch wenn er sie nicht als solche bezeichnete). Wenn das Universum immer größer wird, wovon Lemaître ausging, musste er – so sein

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