Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Vor dem Urknall

Vor dem Urknall

Titel: Vor dem Urknall
Autoren: Brian Clegg
Ads
Schöpfung – bestrebt ist, die Funktionsweise der kleineren Dinge um uns herum nach logischen, wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu gestalten; wir haben keinen Grund zu der Annahme, dass der Herr die Entstehung des Universums in anderer Weise in Angriff nahm.
    Der Schritt, Religion und das Wesen des Universums in seiner Deutung zu trennen, beruht ausschließlich auf wissenschaftlichen Erkenntnissen (scientia auf Lateinisch), was sich am augenfälligsten in dem relativ unvermittelten Aufkommen einer erklärenden Philosophie in der alten griechischen Zivilisation im 6 . Jahrhundert v.Chr. niederschlug. Dies führte nicht zwangsläufig zu einer plötzlichen und vollständigen Abkehr von dem Bild der Schöpfung, wie es von Mythen gepflegt wird. So findet sich zum Beispiel in der mythologischen Kosmologie der alten Griechen aus jener Zeit die Version, das Universum sei aus einem formlosen Chaos hervorgegangen, das ein Feuermeer war.
    Als Anaximander, ein griechischer Philosoph aus Milet in Anatolien (heute Türkei), der in der ersten Hälfte des 6 . Jahrhunderts v.Chr. lebte, mit einer «wissenschaftlichen» Kosmologie aufwartete (wissenschaftlich in dem Sinne, dass er behauptete, physikalischen Gesetzen unterliegende Kräfte und nicht etwa die Götter hätten das Universum geschaffen), hielt er zwar an der Existenz des Universalfeuers der Schöpfung fest, stellte sich jedoch das heutige, geordnete Universum als eine Art Schutzschild vor, der uns vor dem Feuer bewahrte. Dieser Schutzschild wies verschiedene Löcher auf – ein großes, aus dem die Sonne entstand, sowie mehrere kleinere für die Sterne. Licht und Wärme gingen also aus dem urzeitlichen Feuermeer hervor, in dem unser Universum wie eine Insel schwebte.
    Die Trennung zwischen dem physikalischen Gesetzen unterliegenden Wesen der Natur und den Göttern stieß in Griechenland keineswegs auf uneingeschränkte Zustimmung. Wie in so vielen anderen Punkten im Weltbild der alten Griechen setzte sich auch in diesem Fall Aristoteles’ Sicht der Dinge durch und sorgte – richtigerweise – für eine derartige Trennung. Aristoteles wurde im Jahr 384  v.Chr. im nordgriechischen Stageira geboren und trat mit 17  Jahren in Platons Akademie in Athen ein, wo er 20  Jahre lang bleiben sollte. Der Begriff «Akademie» ist längst zu einem festen Bestandteil unseres Wortschatzes geworden, weshalb es durchaus erwähnenswert ist, dass es sich hierbei um das Original handelt.
    Platon, der 427  v.Chr. in Athen geboren wurde, hatte seine Philosophenschule gegründet, nachdem er – einige Jahre vor Aristoteles’ Geburt – aus dem Militärdienst ausgeschieden war. Wie so mancher, der in der Armee gedient hatte, war er von den Fähigkeiten der Politiker nicht allzu beeindruckt, und so rief er seine Schule eigens zu dem Zweck ins Leben, deren Auftreten im öffentlichen Leben qualitativ zu verbessern. Die in Athen ansässige Akademie befand sich auf dem Gelände eines Olivenhains, das einem Mann namens Akademos gehörte – daher die Bezeichnung «Akademie». Als Aristoteles auf den Plan trat, genoss die Akademie bereits hohes Ansehen. Sie sollte bis zum Jahr 529  n.Chr. ihre Pforten geöffnet haben, konnte also schließlich auf stolze 900  Jahre ihres Bestehens zurückblicken; selbst die Universitäten von Oxford und Cambridge, die ältesten Universitäten im angelsächsischen Raum, werden dieses bemerkenswerte Alter erst im 22 . Jahrhundert erreichen.
    Aristoteles war der Ansicht, die einzige Lichtquelle im Universum sei die Sonne. Die Sterne, so glaubte er, würden ebenso wie der Mond lediglich reflektiertes Sonnenlicht darstellen. Ihm war klar, dass der Mond verfinstert würde, wenn der Erdschatten auf ihn fällt, und dass dieses Phänomen bei den Sternen nicht zu beobachten war, was er jedoch nicht als Problem einschätzte. Er dachte, die Sterne würden nie vom Erdschatten verdunkelt, weil dieser Schatten sich nur bis zum Planeten Merkur erstreckte, jedoch nicht darüber hinaus, und folglich keine Auswirkungen auf diese weiter entfernten reflektierenden Lichtquellen habe.
    Es ist interessant, dass ausgerechnet der im Mittelalter lebende Protowissenschaftler Roger Bacon, der Aristoteles als eine unbestrittene Kapazität betrachtete, die Sache mit dem Sternenlicht in Frage zu stellen bereit war. Er hielt es für ausgeschlossen, dass sich Sternenlicht in dieser Weise verhielt, und so schien ihm die These, die Sterne seien von einer Sonnenfinsternis nicht

Weitere Kostenlose Bücher

Biss der Wölfin: Roman
Biss der Wölfin: Roman von Kelley Armstrong
Don Camillo gibt nicht auf
Don Camillo gibt nicht auf von Giovannino Guareschi
Komplott
Komplott von Colin Forbes
C'était de Gaulle, tome 3
C'était de Gaulle, tome 3 von Alain Peyrefitte