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Vor dem Urknall

Vor dem Urknall

Titel: Vor dem Urknall
Autoren: Brian Clegg
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vielleicht etwas schlecht durchdacht. Der zu jener Zeit existierende Raum war alles andere als leer; in Wirklichkeit beherbergte er die gesamte im Universum vorhandene Materie, die im Prinzip in der Lage gewesen wäre, Schwingungen zu übertragen, die dem Schall eigen sind.
    In diesem Fall ist es durchaus möglich, dass es einen Knall gab, auch wenn diesen natürlich niemand hören konnte. Manche Kosmologen stießen sich an der Bezeichnung «Urknall», fehlte es dieser aus ihrer Sicht doch schlichtweg an Pfiff (zumal sie von ihrem Erzrivalen Hoyle aufgebracht wurde); damals galt dieser Begriff als unwissenschaftlich und populistisch, heute ist er aus unserem Sprachschatz längst nicht mehr wegzudenken – ein griffiger und einprägsamer Name. Ihn als banal abzutun mutet scheinheilig an angesichts der Tatsache, dass Physiker Elementarteilchen Merkmale wie «Strangeness» und «Charm» zugeschrieben und Biologen sich für Gene Namen wie «Sonic Hedgehog» oder «Grunge» ausgedacht haben.
    Andere Wissenschaftler schlugen in die gleiche Kerbe. Wie konnte aus einem derart winzigen Pünktchen ein so gigantisches Universum entstehen? Woher stammten die Atome, aus denen heute alles besteht? Und was stand am Anfang? Dies alles sind Fragen, auf die im Laufe der Zeit zunehmend differenziertere Antworten geliefert wurden. Aber bis vor kurzem gab es eine Frage, die stets geflissentlich ignoriert wurde: Was war vor dem Urknall – wenn es denn einen gab?
    Dies ist ein Thema, das die Wissenschaft seit jeher tabuisierte, ein Thema, das uns scheinbar überforderte. Diese Sichtweise mag zu kurz greifen, aber eine der Stärken der Wissenschaft besteht darin, sich der eigenen Unzulänglichkeiten bewusst zu sein. Ist es nicht möglich, eine Theorie entgegen dem aus Experimenten oder Beobachtungen gewonnenen Datenmaterial zu verifizieren, so ist diese Theorie wohl nicht als Wissenschaft zu betrachten. Aus diesem Grund argumentieren viele Leute, dass Wissenschaft und Religion nicht allzu viele Berührungspunkte aufweisen und somit keine Notwendigkeit besteht, sich gegenseitig das Leben schwerzumachen. Es ist nicht Aufgabe der Wissenschaft, sich zu Fragen der Religion zu äußern, und im Gegenzug sollte die Religion nicht versuchen, gestaltenden Einfluss auf die Wissenschaft zu nehmen. Religiöse Weltanschauungen entstehen per definitionem, entbehren also jeder wissenschaftlichen Grundlage. Besteht keine Möglichkeit, eine Religion im wissenschaftlichen Sinne zu verifizieren oder zu widerlegen, ist es sinnlos, den Versuch zu unternehmen, sich dieser Religion von wissenschaftlicher Seite zu nähern, würde dies doch völlig ins Leere laufen.
    Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Wissenschaft die Religion nicht ernst nehmen sollte, sondern einfach, dass wissenschaftliche Methoden nicht geeignet sind, um religiöse Dogmen zu beurteilen. Ebenso war es müßig – so folgerte man –, Spekulationen darüber anzustellen, was sich vor dem Urknall abspielte, sollte dieser bei der Entstehung unseres Universums tatsächlich stattgefunden haben. Da keine Möglichkeit bestand, in die jenseits des Urknalls liegende Vergangenheit des Universums zu schauen, war es auch unmöglich, zwischen den zahlreichen Theorien zu unterscheiden, die allenthalben kursierten – ob mystische Schöpfungsgeschichte oder reine Science-Fiction-Story.
    Die Kosmologie stellt selbst bei nüchternster Betrachtung die spekulativste aller Wissenschaften dar, dennoch haben sich zunehmend empirisch überprüfbare Beweise ergeben, die verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, was sich vor dem Urknall abgespielt haben könnte. Somit ist dies nicht länger eine außerhalb der Wissenschaft angesiedelte Frage, und manche der möglichen Antworten sind in der Tat unglaublich.
    Um besser verstehen zu können, was das Universum ist und wie es zustande kam, macht es Sinn, einen Blick auf die Entwicklung zu werfen, die unser Verständnis vom Ursprung aller Dinge genommen hat. Drehen wir das Rad der Zeit einmal zurück und betrachten frühere Epochen, so wäre die Antwort auf die Frage, was vor der Entstehung des Universums war, wie aus der Pistole geschossen gekommen. In vielen Kulturen war dies offensichtlich: Das Universum ist das Werk des Schöpfers, und folglich war es ebendieser Schöpfer, der bereits vor der Entstehung des Universums existierte. Jede dieser Kulturen hatte jedoch ihre eigene Schöpfungsgeschichte, und jede dieser Schöpfungsgeschichten wies ihrerseits wiederum einen

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