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VILLA DER LEIDENSCHAFT

VILLA DER LEIDENSCHAFT

Titel: VILLA DER LEIDENSCHAFT
Autoren: Lynne Graham
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die zierliche schlanke Gestalt gefallen, erkannte er sie. Irritiert blieb er stehen. Das regennasse rote Haar und das blasse herzförmige Gesicht rührten etwas in seinem Inneren. Erinnerungen stiegen in ihm auf. Er dachte daran, wie Sonnenstrahlen durch ein von Regentropfen benetztes Fenster ihr Haar zum Leuchten gebracht und ihre Augen in einem irisierenden Grün hatten funkeln lassen. Einer der Sicherheitskräfte stellte sich ihr routiniert in den Weg, gerade als eine Horde Paparazzi mit gezückten Kameras in der Straße hinter ihr auftauchten.
    „Hinein, Boss“, drängte Cyrus, der Leiter des Sicherheitsteams, als Alexandros zögerte. „Paparazzi und ein obdachloses Mädchen … Könnte eine Falle sein!“
    Mit einem einzigen großen Schritt überwand Alexandros die Stufen und verschwand im Inneren der Bank. Eine Falle? Ein obdachloses Mädchen? Cyrus konnte nur Katie gemeint haben. Warum zog sie sich immer noch wie eine Studentin an? Und warum war sie überhaupt gekommen? Er glaubte nicht, dass ihre Anwesenheit ein Zufall war. Was wollte sie von ihm? Warum versuchte sie, sich ihm in der Öffentlichkeit zu nähern? Hatten die Paparazzi darauf gewartet,dass er sie wiedererkannte, damit sie irgendeine Falle zuschnappen lassen konnten?
    Harsch befahl er dem Sicherheitschef, jeden von Katies Schritten zu beobachten. „Ihr Name ist Katie Fletcher. Lassen Sie sie nicht aus den Augen!“, warnte Alexandros ihn auf Griechisch. „Folgen Sie ihr. Ich will wissen, wo sie lebt.“
    Als Alexandros den wartenden Aufzug betrat, waren alle Gedanken an den Vorfall vergessen. Er war Profi genug, sich sofort wieder mit den Zahlen und Fakten zu beschäftigen, die in der Pressemitteilung über die bevorstehende Fusion erscheinen sollten. Jede weitere Erinnerung, die versuchte, aus seinem Unterbewusstsein an die Oberfläche zu drängen, schob er rücksichtslos beiseite.
    Doch am Ende des ersten Meetings musste er feststellen, dass er ein K auf den vor ihm liegenden Block gekritzelt hatte. Und das Wissen um den kurzen Kontrollverlust, um die unbewusste Schwäche, die ihn überlistet hatte, machte ihn wütend.
    Katie fühlte sich verloren. Ein Sicherheitsmann hatte sich ihr in den Weg gestellt, dann war sie von einer Reportermeute beiseite gedrängt worden. Alexandros hatte sie gesehen. Aber hatte er sie auch erkannt? Hatte er den Sicherheitsmann geschickt, um sie aufzuhalten? Hätte er mit ihr gesprochen, wenn keine Journalisten dort gewesen wären?
    Sie glaubte es nicht. Er hatte weder gelächelt noch irgendwie gezeigt, ob ein freundliches Willkommen im Bereich des Möglichen lag. Vielleicht ist er doch der miese Kerl, für den Leanne ihn hält, dachte sie, als ihr bewusst wurde, dass ihr Plan gescheitert war. Doch dann stieg rebellischer Mut in ihr auf. Sie marschierte auf den Vordereingang zu, betrat die Bank und ging direkt auf die Rezeption zu.
    „Ich möchte mit Mr. Christakis sprechen“, sagte sie.
    Die Rezeptionistin musterte Katie skeptisch und schien entscheiden zu wollen, ob die Frau mit den nassen Haaren und der abgetragenen Kleidung sie auf den Arm nahm oder nicht.
    „Ich notiere Ihren Namen“, erwiderte die elegante Frau hinter dem Pult mit professioneller Kühle. „Aber ich muss Sie warnen. Mr. Christakis ist außerordentlich beschäftigt. Seine Termine sind normalerweise Monate im Voraus ausgebucht. Vielleicht könnten Sie mit jemand anderem sprechen?“
    „Ich möchte zu Alexandros Christakis. Bitte sorgen Sie dafür, dass er meinen Namen erhält. Er kennt mich.“ Ungläubiges Schweigen folgte auf ihre Erklärung. So würdevoll wie möglich schlenderte sie zu den Sesseln hinüber, die für wartende Kunden bereitstanden. Sie beobachtete, wie die Rezeptionistin mit zwei Kollegen sprach. Einer unterdrückte ein Kichern. Katies Gesicht brannte vor Scham, und sie widmete sich scheinbar völlig interessiert den Zeitschriften aus der Finanzwelt, die vor ihr auf einem niedrigen Tisch auslagen. Du wirst langsam paranoid, schalt sie sich selbst. Niemand redete über sie. Und ebenso simpel war die Erklärung für das, was draußen passiert war. Alexandros hatte sie einfach nicht erkannt.
    Unvermittelt hob sie die Hand und löste ihren Pferdeschwanz. Sie holte einen Kamm aus ihrer Handtasche und kämmte durch die feuchten Locken. Warum sie das tat, war ihr allerdings nicht ganz klar – er würde sie sowieso nicht empfangen.
    Während sie wartete, fiel ihr plötzlich etwas ein. Hatte er überhaupt ihre Briefe bekommen?

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