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Unendlichkeit

Unendlichkeit

Titel: Unendlichkeit
Autoren: Alastair Reynolds
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Eins
    Mantell, Nord-Nekhebet, Resurgam, Delta Pavonis-System, 2551
    Ein Schmirgelsturm war im Anzug.
    Sylveste stand am Rand der Ausgrabungsstätte und wusste nicht, ob seine Arbeit die Nacht überstehen würde. Die Grabung bestand aus einer Reihe von tiefen, quadratischen Schächten, die durch glatte Erdwälle voneinander getrennt waren: ein klassisches Wheeler-Gitter. Die Schächte waren zwanzig bis dreißig Meter tief, durchsichtige Kästen aus Hyperdiamant, so genannte Caissons, schützten die Wände. Erdschichten, entstanden in einer Million Jahre geologischer Entwicklung, drückten von außen gegen die Caissons. Und ein einziger größerer Staubeinbruch – oder ein schwerer Schmirgelsturm – konnte die Schächte bis zum Rand füllen.
    »Bestätigung, Sir.« Einer seiner Mitarbeiter stieg aus einem niedrigen Fahrzeug, dem ersten Schlepper. Die Atemmaske dämpfte seine Stimme. »Cuvier hat soeben eine dringende Sturmwarnung für die gesamte Landmasse von Nord-Nekhebet ausgegeben. Allen Teams, die an der Oberfläche arbeiten, wird empfohlen, den nächsten Stützpunkt aufzusuchen.«
    »Soll das heißen, wir müssen zusammenpacken und nach Mantell zurückfahren?«
    »Es wird ein schlimmer Sturm, Sir.« Der Mann trat von einem Fuß auf den anderen und zog sich den Jackenkragen höher. »Soll ich den Befehl zur allgemeinen Evakuierung geben?«
    Sylveste sah auf die Grabung hinab. Die Schachtwände glänzten im hellen Licht der ringsum aufgestellten Scheinwerfer. Pavonis stieg in diesen Breiten nie hoch genug, um ausreichend Licht zu spenden; jetzt stand sie, von dichten Staubwolken verhüllt, dicht über dem Horizont, ein matter, rostroter Fleck, auf den sich das Auge nur mit Mühe einstellen konnte. Bald würden die ersten Sandhosen wie wild gewordene Spielzeugkreisel über die Ptero-Steppe jagen, gefolgt von einem himmelhohen, schwarzen Amboss, der Hauptsäule des Sturms.
    »Nein«, sagte er. »Wir brauchen nicht wegzugehen. Der Platz ist gut geschützt – die Felsen zeigen kaum Erosionsspuren, falls Sie das noch nicht bemerkt haben sollten. Sollte der Sturm zu heftig werden, können wir uns in die Schlepper flüchten.«
    Der Mann warf einen Blick auf die Felsen und schüttelte den Kopf, als traue er seinen Ohren nicht. »Sir, eine solche Warnung gibt Cuvier nur alle ein bis zwei Jahre heraus – sie liegt eine volle Dringlichkeitsstufe höher als alles, was wir je erlebt haben.«
    »Das ist Ihre Ansicht«, sagte Sylveste. Er hatte wohl bemerkt, wie der Mann ihm unwillkürlich in die Augen sah und den Blick verlegen wieder abwandte. »Und jetzt hören Sie mir genau zu. Wir können uns nicht leisten, die Grabung aufzugeben. Verstanden?«
    Der Mann schaute zum Gitter zurück. »Wir könnten alles, was wir freigelegt haben, mit Planen schützen. Und Transponder versenken. Dann finden wir die Stätte hinterher wieder, auch wenn der Staub alle Schächte zugedeckt haben sollte, und können weitermachen.« Ängstlich flehten die Augen des Mannes hinter der Schutzbrille. »Nach unserer Rückkehr können wir über dem gesamten Gitter eine Kuppel errichten. Wäre das nicht besser, Sir, als hier zu bleiben und Menschenleben und Material aufs Spiel zu setzen?«
    Sylveste trat einen Schritt auf den Mann zu und zwang ihn damit, zum nächsten Schacht zurückzuweichen. »Wir gehen folgendermaßen vor. Sie teilen allen Teams mit, dass die Arbeit bis auf weiteres fortgesetzt wird. Eine Rückkehr nach Mantell kommt nicht in Frage. Vorerst werden nur die empfindlichsten Instrumente in die Schlepper gebracht. Verstanden?«
    »Und die Menschen, Sir?«
    »Die Menschen werden tun, wozu sie hier sind. Sie werden weitergraben.«
    Sylveste sah seinen Untergebenen so vorwurfsvoll an, als warte er förmlich darauf, dass der Einwände erhöbe, doch der Mann zögerte nur einen Moment, dann machte er auf dem Absatz kehrt und hastete, die Wälle routiniert überspringend, über das Gitter davon. Die empfindlichen Gravitationsscanner, die wie Kanonen mit abwärts gerichteten Rohren um das Gitter herum postiert waren, schwankten leicht im auffrischenden Wind.
    Sylveste wartete, dann nahm er den gleichen Weg, bog aber nach einigen Schächten seitlich ab. Etwa in der Mitte der Grabung hatte man vier Felder des Gitters zu einem einzigen großen Schacht mit dreißig Metern Seitenlänge und etwa gleicher Tiefe verbunden. Die Wände waren gefliest. An einer Seite war eine Leiter angebracht, auf der Sylveste nun rasch in die Tiefe stieg. Er war diese

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