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Tod Eines Engländers

Tod Eines Engländers

Titel: Tod Eines Engländers
Autoren: Magdalen Nabb
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rechnen sei – im Polizeirevier Pitti passierte ohnehin nichts… Carabiniere Bacci konnte den Wacht m eister nicht leiden. Vor alle m , weil er ein S izilianer war und er ihn im Verdacht hatte, wenn nicht der Mafia anzugehören, so doch m i t ihr zu s y m pathisieren, und er wußte, daß d e r Wacht m ei s ter seinen Ar g wohn k a nnte, ihn darin sogar bestärkte. Offe n bar fand er das ko m isch. Er m ochte den Wacht m e ister aber auch deswegen n i cht, weil er s o dick war und ein peinliches – für Carabiniere Bacci peinliches – Augenleiden hatte, denn bei Sonnens c hein m ußte er heftig weinen. Und da er ständig darüber kla g te, wie sehr er seine Frau und sei n e Kinder ver m ißte, die in S y r a kus wo h nten, h atten seine Tränen oft genug etwas unangene h m Realistisches – unan g enehm für Carabiniere Bacci. Der Wacht m eister selbst pflegte unbeeindru c kt davon seine Sonnenbrille hervorzuholen, die im m er in einer seiner g roßen Tasc h en steckte, und allen Leuten zu erklären: » K e ine Sorge! Es ist bloß ein Augenleide n . Im m er wenn die Sonne scheint, fän g t es an. «
    Er beschloß, den Wach tm eister nicht zu wecken. Die Via Maggio lag gleich um die Ecke. Er konnte in zehn Minuten wieder zurück sein und den Wacht m eister dann aufwecken, wenn es no t wendig schi e n. Er ging nach draußen u nd schloß hinter sich ab .
    Der A n rufer hatte recht – der Morgen kündigte sich sch o n an. Ein schwerer, feucht e r Deze m ber m orgen. Dichter, gelber Nebel lag ü b er dem Arno, drang dur c h die sch m alen Straßen und verschluckte die Schritte Carabiniere Baccis, a ls er unter dem dunklen steinernen Torbogen h e raustrat und den leicht abschüssigen Platz vor dem Palaz z o Pitti überquerte. Die wenigen geisterhaft an m u tenden Autos, die die ganze Nacht dort gestanden hatten, waren mit einer f e inperligen Tauschicht überzogen. Er überquerte die ruhige Piazza und kam zu einer Gasse, die sich wie ein Schnitt durch die hohe Häuserzeile zwischen P i azza Pitti u n d Via Magg i o zog. Ihn fröstelte in seinem dicken Mantel bei der Vorstellung, daß die ganze Stadt hinter g eschlossenen Fensterläd e n schlief. Die Straßenlaternen brannten noch; da aber nur eine La m pe an jedem Ende der Gasse stand, m ußte Carab i niere Bacci sich vorsichtig bewegen, sich an der unver m eidlic h en Reihe von unerlaubt abgestellten Mopeds vorbeidrück e n, die Nase leicht erhoben wegen des Ka n alisationsgestanks im früh m orgendlichen Nebel, den erst der Berufs v erkehr m it seinen Abgaswolken verdrängen würde. In der Mitte der Gasse, d ort, wo es am dunkelsten war, stieß er gegen eine Coca-Cola-Dose, so d a ß sie aufr e izend laut über die unebenen S t einplatten rollte. Als er auf die V i a Maggio hinaustrat, blieb er stehen und überle g te, in welche Richtung er gehen sol l te. Nach rechts führte d i e Straße m it den hohen Renaissance-Palästen in Richtung Arno, zur San t a-Trinità- Brücke hin u nter, die im Nebel jetzt nicht zu sehen war. Nach links führte ein kürzerer Straßenabschnitt zu einem kleinen dreieckigen Platz und t r af dort auf die Straße, die v o m Palazzo Pitti herka m . Nachdem Carabiniere Bacci eingehend die roten und schw a rzen Haus nu m m ern studiert hatte, wandte er sich nach links, in Richtung Piazza, und ging auf die andere Straßenseite – 52 … 106 rot … 108 rot … die roten Nu m mern, blaß und alt, waren im grauen Halbdunkel kaum zu entziffern, während die gro ß en schwarz e n auf den weißen Schildern deutlich zu erkennen waren. Er suchte nach einer schwarzen Nu mm er … 54 … 1 10 rot … 56 … 58. In Höhe des ersten Stockwerks sch m ückte ein unkenntliches Steinwappen die Fass a de. Die h o hen eisenb e schlagenen Türen reichten bis unter das Wappen, und in allen drei Obergesc h ossen waren die Fensterläden geschlossen. Nirgends ein Lichtschein, der ihm a n gezeigt hätte, von wo der Anruf gekom m en war, und Car a biniere Bacci fiel jetzt ein, daß er v ergessen hatte, nach dem Na m en zu fragen. Im Erdgeschoß des Haus e s befanden si c h eine Bank und ein Geschäft, dessen m etallene Rolläden heruntergelassen ware n . Hier an diesem Haus endete die Via Maggio, und der Laden sah auf die kleine Piazza hinaus. Jetzt erinnerte er sich – ein Engländer – irgendwo h atte er es gelesen … » a nation of shopkeeper s « … mit einem weißbehandschuhten Finger fuhr er am polie r ten Messin g klingelschild herunter und studierte die Na

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