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Stiefbruder - Liebe meines Lebens

Stiefbruder - Liebe meines Lebens

Titel: Stiefbruder - Liebe meines Lebens
Autoren: Kooky Rooster
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Das Shirt meines Bruders [1999]

    Als die Tür ins Schloss fiel, wartete ich noch einige Minuten, angespannt, den Kopf ins weiche Kissen gepresst, die Beine angezogen und unter dem dicken Wulst der Decke begraben. Mein Atem ging flach und ich zählte die Sekunden. Fünf Minuten sollten reichen. Vor wenigen Tagen hatte mich mein Vater beinahe ertappt, weil er etwas daheim vergessen hatte und noch einmal zurückgekehrt war. Seitdem wartete ich lieber eine Weile, ehe ich die Decke zurückschlug, und nur mit meiner Shorts bekleidet aus meinem Zimmer schlich, über den dunklen Flur, hin zum Zimmer meines Bruders. Eigentlich war es ein Gästezimmer, das er während seines Praktikums in der Firma meines Vaters belegte. Sie fuhren jeden Morgen gemeinsam zur Arbeit.
    Vorsichtig öffnete ich die Tür, als beträte ich einen Schrein, und schloss sie hinter mir wieder sachte. In den wenigen Tagen, die Jakob hier hauste, hatte er bereits ein beachtliches Chaos erschaffen. Die Luft, die er im Schlaf geatmet hatte, drang nun tief in meine Lungen, füllte mich mit jedem Atemzug, versorgte selbst die kleinste Zelle meines Körpers mit ihm. Meine Finger ließ ich sanft über Tisch, Sessel, Lampe, Fensterbrett, Tasche und Schrank gleiten, über all die Dinge, die er berührt hatte. Nicht zu hastig! Es zelebrieren, genießen, mich langsam in sein Leben vor tasten. Das war alles was ich hatte, alles, was ich kriegen konnte. Mir blieben nur wenige Wochen, und mehr Nähe als durch seine Sachen würde ich nie erleben dürfen. Zumindest was jene leidenschaftliche Intimität betraf, nach der ich so sehnsüchtig suchte.
    Auf dem Boden lag ein achtlos dahin geworfenes Shirt. Er hatte es gestern getragen. So etwas merkte ich mir genau, konnte immer exakt angeben, wann er welches Shirt getragen hatte, falls es jemanden außer mich interessierte. Tat es aber nicht. Ehe ich es aufhob, um es an mein Gesicht zu drücken, den Duft tief einzuatmen, strich ich darüber als berührte ich damit sein schwarzes, glänzendes Haar. Der herbe Geruch seines Körpers, seines Schweißes, ließ meine Erregung weiter anschwellen. Bereits die Aussicht darauf, bald wieder in seinem Zimmer herumzuschnüffeln, hatte mir eine Erektion beschert, noch als ich in meinem Bett gelegen hatte. Nun schwoll sie stetig an, je mehr ich in sein Leben eintauchte.
    Rasch streifte ich meine Shorts ab und kuschelte mich splitternackt in sein Bett, legte mir das Shirt aufs Gesicht und stellte mir vor, er wäre hier. Hier neben mir. Er läge an meiner Seite und legte seine Arme um mich, küsste meinen Hals, leckte meine Brustwarzen, streichelte meinen Bauch. Mit
meiner
Hand ließ ich
seine
über meinen Schwanz streifen, ließ mit
meinen
Fingern
seine
meine Hoden kneten. Mit dem ersten Stöhnen schwappte auch wieder dieser ziehende, dumpfe Schmerz in meinen Bauch – die elende Qual einer heimlichen Sehnsucht. Während ich in meine Faust stieß, ließ mich die Fantasie im Stich, wie jedes Mal, und aus meinen Augenwinkeln traten Tränen. Als ich kam klang dies mehr wie ein verzweifeltes Schluchzen, als der erlösenden Schrei der Wollust.
    Warum tat ich mir das an? Weswegen quälte ich mich jeden Morgen auf dieselbe Weise? Wie jedes Mal krümmte ich mich danach zur Embryonalstellung zusammen, heulte, das Gesicht in sein Kissen gepresst, und roch darin sein schönes Haar. Dabei strich ich über die Matratze, die sich jede Nacht weich an seinen Körper schmiegen durfte, ihn sicher hielt während er schlief. Wie trostlos war ich, mir zu wünschen, ein banales Polster zu sein, ein Shirt oder eine Hose, und wenn es sein musste auch seine verschwitzten Turnschuhe.
    Als ich das Zimmer verließ achtete ich darauf, dass ich keine Spuren hinterlassen hatte, fragte mich ein weiteres Mal, ob er mich nicht eines Tages riechen würde. Was er wohl tun würde wenn er entdeckte, dass ich mich jeden Morgen auf seinem Bett, mit seinen Kleidern auf dem Gesicht, selbst befriedigte? Darüber dachte ich besser gar nicht nach.
    Nach einer ausgiebigen Dusche setzte ich mich vor meine Konsole und ballerte im abgedunkelten Zimmer auf Pixel, die Feinde darstellten, während ich mir meine Ohren mit Dark Wave und Elektropunk zudröhnte. So würde ich vermutlich meinen ganzen Sommer verbringen.
    Die meisten Leute, die ich kannte, waren irgendwohin in Urlaub gefahren oder verbrachten ihren Sommer im Freibad. In der Sonne liegen und irgendwelche Tussis im Bikini bewerten – was aktuell die Hauptbeschäftigung meiner

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