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Seekers - Am Großen Bärensee - Hunter, E: Seekers - Am Großen Bärensee - Seekers, Great Bear Lake

Seekers - Am Großen Bärensee - Hunter, E: Seekers - Am Großen Bärensee - Seekers, Great Bear Lake

Titel: Seekers - Am Großen Bärensee - Hunter, E: Seekers - Am Großen Bärensee - Seekers, Great Bear Lake
Autoren: Erin Hunter
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1. KAPITEL
    Lusa
    Lusa musterte den jungen Grizzly. Er war doppelt so groß wie sie. Als sie im Kampf unter seinem massigen Leib begraben worden war, hatte sie schon gedacht, dies sei ihr Ende. Doch nun, da er schwer atmend vor ihr hockte, hatte sie keine Angst mehr vor ihm. Das rötliche Licht der untergehenden Sonne schimmerte durch die Blätter und sprenkelte Toklos braunen Pelz mit rostroten Flecken.
    Lusa hatte endlich Okas vermissten Sohn gefunden!
    Ich hätte mein ganzes Leben nach ihm suchen können, ohne ihn aufzuspüren, dachte sie . Ob mich wohl die Geister geleitet haben?
    Toklo sah sie erstaunt an. »Woher weißt du, wie ich heiße?«
    »Ich … ich habe nach dir gesucht«, stammelte Lusa. »Ich bin den weiten Weg vom Bärengehege hergekommen …«
    »Bärengehege?«, fragte Toklo. »Was ist das denn?«
    »Das ist ein Ort, an dem Bären leben«, erklärte Lusa. »Schwarzbären wie ich und Grizzlys und riesenhafte Eisbären. Die Flachgesichter füttern uns und päppeln uns auf, wenn wir krank sind, und andere Flachgesichter kommen uns besuchen. Es gibt da auch noch mehr Tiere als Bären«, fügte sie hinzu. »Tiger und Flamingos und Tiere mit einer langen, baumelnden Nase.«
    Toklo unterbrach sie mit einem verächtlichen Schnauben. »Du hast mit anderen Tieren zusammengelebt?«, knurrte er. »Flachgesichter haben euch gefüttert? Kein schlechter Name für die Glattpelzigen. Aber von denen hast du dich füttern lassen? Was bist du überhaupt für ein Bär?«
    Lusas Magen krampfte sich zusammen. Toklo sah richtig zornig aus und ein zweites Mal konnte sie nicht gegen ihn kämpfen. Aber sie hatte Oka versprochen, dass sie ihrem einzigen überlebenden Jungen ihre Nachricht überbringen würde. »Die Flachgesichter haben deine Mutter ins Bärengehege gebracht. Sie … ist dort gestorben.« Sie wollte Toklo nicht noch wütender machen, indem sie ihm erzählte, dass die Trauer um ihre verlorenen Jungen Oka in den Wahnsinn getrieben hatte und sie auf ein Flachgesicht losgegangen war. »Vor ihrem Tod hat sie mir aufgetragen, dir etwas auszurichten. Sie hat gesagt …«
    Toklo wandte sich ab. »Ich will es nicht hören!«
    Verblüfft machte Lusa einen Schritt auf ihn zu. »Aber ich habe ihr versprochen …«
    »Ich habe doch gesagt, ich will es nicht hören! Ich will überhaupt nichts über diese Bärin hören. Sie hat mich im Stich gelassen. Sie ist nicht meine Mutter.« Mit diesen Worten stolzierte er davon und bei jedem Schritt raschelte das Laub unter seinen Tatzen. Neben einer knorrigen Tanne blieb er stehen.
    »Es hat ihr leidgetan«, murmelte Lusa.
    Sie zweifelte daran, dass Toklo es gehört hatte. Ohne sie auch nur anzusehen, knurrte er: »Geh zurück in dein Bärengehege!«
    Lusa stand da wie vom Donner gerührt. Sie hatte ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um Toklo zu finden und ihm Okas Worte auszurichten. Sie hatte erwartet, dass er ihr dankbar wäre, vielleicht sogar ihr Freund würde. Was hatte sie ihm nur getan, dass er so abweisend war?
    Ins Bärengehege konnte sie nicht zurück. Die Wildnis war größer, als sie es sich vorgestellt hatte, Angst einflößend und verwirrend. Aber sie war auch aufregend. Nachdem sie in den letzten Monden die Freiheit kennengelernt hatte, konnte sie sich nicht vorstellen, zu dem winzigen Flecken zurückzukehren, an dem zwei oder drei Bäume schon einen Wald ergaben. Aber wie würde Toklo sich verhalten, wenn sie bei ihnen blieb? Sie biss die Zähne zusammen, damit ihr kein Wimmern entschlüpfte. Auf keinen Fall wollte sie Toklo zeigen, wie viel Angst sie hatte.
    Lusa drehte sich zu dem anderen Braunbärenjungen um, das sie interessiert musterte. Da fiel ihr wieder ein, was sie vor ihrem Kampf mit Toklo gesehen hatte. Hatte sie nicht einen Hasen gejagt? Das Knurren in ihrem Magen erinnerte sie daran, dass sie hungriger war als je zuvor in ihrem Leben. Sie war hinter einem Hasen her gewesen, der sich in das Bärenjunge dort verwandelt hatte .
    Ihre Mutter hatte ihr nichts über Hasen erzählt, die sich in Bären oder andere Tiere verwandelten. War das nun ein Bär oder ein Hase? Würde er sich wieder verwandeln? Lusa beäugte ihn misstrauisch und wartete nur darauf, dass ihm jeden Moment lange Löffel wuchsen.
    Der junge Braunbär erhob sich und trottete zu ihr. Es war kleiner als Toklo und hatte freundliche neugierige Augen. »Ich heiße Ujurak. Du bist Lusa, stimmt’s?«
    Lusa nickte. »Bist … bist du ein Bär oder ein Hase?«, brach es aus ihr heraus.
    Ujurak

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