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Schoener Schlaf

Schoener Schlaf

Titel: Schoener Schlaf
Autoren: Gabriella Wollenhaupt , Friedemann Grenz
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Kapitel 1
    Atemlos folgte Henri Goldstein dem Verlauf der Auktion. Der große Saal bei Sotheby’s war voll besetzt. Vorn stand ein kleines Bild auf einer Staffelei, ein Scheinwerfer lenkte die Aufmerksamkeit aller darauf. Goldstein hatte erwartet, dass das Bild etwa viereinhalb Millionen Euro einbringen könnte. Als die Gebote sieben Millionen Pfund überschritten, war Goldstein so aufgeregt, dass gar nicht registrierte, dass er seine Brille unaufhörlich mit einem Tuch polierte. Bei jedem neuen Angebot zuckte er zusammen, jähe Hitzewellen führten zu Schweißausbrüchen und sein schütteres Haar klebte an der Stirn. Doch auch alle anderen ließ das Geschehen nicht unberührt, regelmäßig ging ein Raunen durch den voll besetzten Saal – das Interesse an dem Bildchen übertraf die Erwartungen aller Experten.
    Gegen zweiundzwanzig Uhr Londoner Zeit erfolgte der Zuschlag. Ein anonymer Sammler bot 24.269.380   Euro und erhielt den Zuschlag. Jan Vermeers Bild Junge Frau am Virginal war verkauft. Der neue Besitzer war nicht persönlich anwesend, er hatte sich per Telefon an der Auktion beteiligt. Bei solchen Geschäften war Diskretion ein wichtiges Sicherheitskriterium.
    Als der Hammer zum letzten Mal fiel, schloss Goldstein die Augen. Leb wohl, Baby, dachte er und seufzte.
    Wenige Minuten später schickten die Reporter ihre ersten Meldungen über die Agenturen. Über vierundzwanzig Millionen Euro für ein Bild zu erzielen, das noch nicht einmal die Größe einer Schreibmaschinenseite hatte, war eine Sensation. Natürlich wurde heftig über die Identität des neuen Besitzers spekuliert. War es wirklich der Casino-König aus Las Vegas, der alte Meister jagte? Oder steckte doch ein Museum dahinter, das irgendwann mit einem ›neuen‹ Vermeer das Publikum locken wollte?
    Henri Goldstein war zufrieden und erschöpft. Er hatte alle Interviewwünsche der Medien abgelehnt und sich in sein Büro zurückgezogen.
    Kapitel 2
    Die Landstraße war nicht beleuchtet. Nur der Mond spendete ein wenig Licht. Trotzdem fiel Matt Turner das Auto auf, das mit abgeschalteten Scheinwerfern in einer Haltebucht stand. Die Beifahrertür war geöffnet, niemand war zu sehen.
    Turner kannte den Parkplatz, der von Büschen umkränzt war. Hinter den Sträuchern fiel eine Wiese sanft ins Tal ab. Rechts am Waldrand gab es einige wetterfeste Tische und Bänke. Pärchen nutzten den Picknickplatz als Lustwiese. Matt Turner erinnerte sich daran, wie er selbst hier in jungen Jahren entdeckt hatte, wie nett Mädchen sein konnten. Aber Frauen waren im Moment wirklich nicht sein Hauptproblem.
    Turner fuhr langsam an dem parkenden Fahrzeug vorbei.Eigentlich noch ein bisschen zu kühl fürs Kuscheln im Freien, dachte er.
    Er stutzte. Das Auto kannte er doch! Nach hundert Metern wendete er und passierte die Stelle ein zweites Mal. Kein Mensch zu sehen. Die Scheinwerfer seines eigenen Wagens erleuchteten das Nummernschild des anderen. Das war Majas alte Kiste. Jähe Enttäuschung überkam ihn, Turner gab Gas, wendete erneut und fuhr nach Hause – Maja konnte ihm gestohlen bleiben.
    Zu Hause legte Turner Musik auf und goss sich ein Bier ein. Er dachte an den letzten Streit mit ihr, erinnerte sich daran, wie sie ausgerastet war und er sie aus der Wohnung geworfen hatte. Er hatte nicht den geringsten Grund, jetzt eifersüchtig zu sein. Merkwürdig nur, dass die Beifahrertür aufgestanden hatte. Die beiden hatten es wohl sehr eilig gehabt, in die Büsche zu kommen, dachte er grimmig.
    Er drehte die Musik leiser. Der Grappa zum Bier war zwar kein Beweis guten Stils, beruhigte aber seine aufgewühlten Nerven. Maja. Er sah ihr hübsches Gesicht vor sich: perfekt geschminkt, glänzende Lippen und sehr weiße Zähne. Sie kannte ihre Wirkung auf Männer und hatte keine Hemmungen, ihre Reize gezielt einzusetzen. Auch er war ihr auf den Leim gegangen. Bis sie gemerkt hatte, dass er ihre Ansprüche weder erfüllen konnte noch wollte. Nicht alle Rechtsanwälte schwimmen in Geld. Turner hatte Mühe, den Kopf über Wasser zu halten und die laufenden Kosten zu begleichen.
    Natürlich hatte er sich übernommen. Die Kanzlei befand sich in einer guten Gegend mit hohen Mieten. Das erste Jahr hatte er von seinen Reserven gelebt, das zweite Jahr seiner Anwaltstätigkeit hatte er mit einer schwarzen Null abgeschlossen. Im dritten Jahr war er dann

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