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Ringwelt 04: Brennans Legende

Ringwelt 04: Brennans Legende

Titel: Ringwelt 04: Brennans Legende
Autoren: Larry Niven
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KAPITEL EINS
     
     
    Er saß vor einem acht Fuß durchmessenden Rund aus durchsichtigem Twing und starrte unablässig hinaus in die alles andere als aufregende Leere.
    Noch vor zehn Jahren waren die Sterne bloß eine Wolke aus dunkelroten Punkten in seiner Kielspur gewesen. Wenn er damals nach vorn blickte, hatten sie in einem höllischen Blau geleuchtet, hell genug, um in ihrem Licht zu lesen. Zu den Seiten waren die größten von ihnen sichtbar flach gedrückt gewesen. Doch jetzt waren sie nur noch ganz gewöhnliche Sterne, weiße Punkte, die spärlich über einen größtenteils schwarzen Himmel verteilt funkelten. Es war ein einsamer Himmel. Staubwolken verbargen die strahlende Helligkeit der Heimat.
    Das Licht im Zentrum des Ausblicks war kein Stern. Es war so groß wie eine Sonne, dunkel im Mittelpunkt und an den Rändern grell genug, um Löcher in die Netzhaut eines menschlichen Auges zu brennen. Es handelte sich um das Licht eines Staustrahltriebwerks, eines Bussard-Ramjets, der kaum acht Meilen entfernt arbeitete. Alle paar Jahre verbrachte Phssthpok einige Zeit mit der Beobachtung des Antriebs, nur um sicherzugehen, daß er gleichmäßig brannte. Vor langer Zeit hatte er ein langsames, periodisches Flackern bemerkt, gerade rechtzeitig, um zu verhindern, daß sein Schiff sich in eine winzige Nova verwandelte. Doch diesmal hatte sich das blau-weiße Licht des Antriebs in all den Wochen, die er es nun beobachtete, nicht verändert.
    Den größten Teil eines langen, langsamen Lebens war der Himmel an Phssthpoks Bullauge vorbeigekrochen. Und doch erinnerte er sich nur schwach an die Reise. Die Zeit des Wartens war zu arm gewesen an Ereignissen, um seinen Verstand zu reizen. Für das Protektor-Stadium der Pak ist es ganz typisch, daß die angenehmen Erinnerungen aus der Vergangenheit stammen, aus der Kindheit oder der Zeit danach, dem Dasein als Brüter, als die Welt noch neu und strahlend und von jeglicher Verantwortung frei war. Nur eine Gefahr, die ihm selbst oder seinen Nachkommen droht, vermag einen Protektor aus seiner normalen verträumten Mattigkeit zu reißen und ihn in eine kämpfende Furie zu verwandeln, die unter denkenden Lebewesen ihresgleichen sucht.
    Phssthpok saß träumend auf seiner Desasterliege.
    Die Umweltkontrollen der Kabine befanden sich unter seiner linken Hand. Wenn er hungrig wurde, was einmal alle zehn Stunden der Fall war, griff seine knotige Hand, die aussah wie zwei Hand voll zusammengeknüpfter schwarzer Walnüsse, in einen Schlitz zu seiner Rechten und kam mit einer verdrehten, fleischigen gelben Wurzel von der Größe einer Süßkartoffel wieder zum Vorschein.
    Einige irdische Wochen waren verstrichen, seit Phssthpok zum letzten Mal die Desasterliege verlassen hatte. In der ganzen Zeit hatte er nichts anderes außer den Händen und den Kiefern bewegt. Seine Augen hatten nicht einmal geblinzelt.
    Davor hatte es eine Periode intensiver Körperertüchtigungen gegeben. Ein Protektor verspürt einen unüberwindlichen Zwang, sich fit zu halten.
    Sogar dann, wenn es niemanden gibt, den er beschützen könnte.
    Der Antrieb brannte stabil, jedenfalls stabil genug, um Phssthpok zufrieden zu stellen. Er bewegte die knotigen Finger, und der Himmel drehte sich um ihn. Phssthpok beobachtete, wie ein zweites helles Licht in das Bullauge rückte. Als es genau im Zentrum stand, hielt er die Rotation an.
    Sein Ziel war bereits heller als jeder andere Stern ringsum – noch immer zu dunkel, um mehr als das Zentralgestirn zu erkennen, doch heller, als Phssthpok erwartet hatte. Er wußte, daß ihm die Zeit durch die Finger geglitten war. Er hatte zu viel geträumt. Kein Wunder: Er hatte den größten Teil der letzten zwölfhundert Jahre auf dieser Liege verbracht und sich kaum bewegt, um Nahrung zu sparen. Ohne die relativistischen Effekte hätte die Reise dreißigmal länger gedauert.
    Obwohl der Protektor aussah wie der schlimmste Fall von Arthritis in der Geschichte der Medizin und obwohl er Wochen wie gelähmt dagesessen hatte, kam ohne jegliche Verzögerung Bewegung in ihn.
    Die Antriebsflamme des Schiffes wurde schwächer, expandierte und kühlte sich ab. Das Herunterfahren eines Bussard-Ramjets ist fast so kompliziert wie der Start. Bei Ramjet-Geschwindigkeiten besitzt auftreffender interstellarer Wasserstoff die Energie von Gammastrahlen. Man muß ihn mit Hilfe magnetischer Felder ableiten, selbst dann, wenn er nicht als Treibstoff verbrannt wird.
    Der Protektor hatte die

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