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Reisen und Abenteuer des Kapitän Hatteras

Reisen und Abenteuer des Kapitän Hatteras

Titel: Reisen und Abenteuer des Kapitän Hatteras
Autoren: Jules Verne
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des Bassins-Meeres, das zum Theil fest gefroren war, also auf dem Wege nach Europa. Drei Meilen von der Küste ab brandeten die eisfreien Wogen mit Getöse an den Spitzen des Eisfeldes.
    Man mußte auf das zufällige Vorüberkommen eines Wallfischfahrers warten, und wie lange konnte dies dauern? …
    Aber der Himmel erbarmte sich der Unglücklichen, denn am folgenden Tage gewahrte Altamont deutlich ein Segel am Horizont.
    Man weiß, welche angstvolle Spannung herrscht, wenn ein Schiff sich zeigt, welche Furcht vor einer Täuschung dieser Hoffnung! Das Fahrzeug scheint bald näher zu kommen, bald sich wieder zu entfernen, in schrecklichem Wechsel von Hoffnung und Verzweiflung, und es geschieht nicht selten, daß ein am Horizont erblicktes Schiff wieder in der Ferne verschwindet.
    Der Doctor und seine Gefährten hatten alle diese Prüfungen zu bestehen; sie waren, indem sie sich einander trugen und schoben, am westlichen Ende des Eisfeldes angelangt, und sahen allmälig das Schiff wieder verschwinden, ohne daß es ihre Anwesenheit gewahrt hatte. Sie riefen es an, doch vergebens!
    Da kam dem Doctor zum letzten Mal ein sinnreicher Gedanke, wie sie diesem erfinderischen Kopf bisher so oft zu Statten kamen.
    Ein Eisblock, der in der Strömung trieb, stieß wider das Eisfeld.
    »Dieser Eisblock!« rief er, und wies mit der Hand darauf hin.
    Man verstand ihn nicht.
    »Fahren wir auf ihm! Fahren wir mit!« rief der Doctor.
    Es war ein Hoffnungsstrahl für Alle.
    »Ach! Herr Clawbonny, Herr Clawbonny!« rief Johnson, und drückte dem Doctor die Hände.
    Bell eilte mit Hilfe Altamont’s zum Schlitten, holte daraus einen Pfosten, steckte ihn wie einen Mast auf den Eisblock und band ihn mit Stricken fest; aus dem abgerissenen Zeltdach machte man wohl oder übel ein Segel. Der Wind war günstig; die armen Verlassenen stürzten sich auf das zerbrechliche Fahrzeug und fuhren in’s weite Meer hinaus.
    Schon nach zwei Stunden unerhörter Anstrengungen wurden die letzten der Mannschaft des Forward an Bord des dänischen Wallfischfahrers Hans Christian , welcher nach der Davis-Straße zurückkehrte, aufgenommen.
    Der Kapitän empfing diese Gespenster, welche kaum noch wie Menschen aussahen, als ein Mensch von Gemüth; beim Anblick ihrer Leiden begriff er ihre Geschichte; durch die sorgfältigste Pflege gelang es ihm, sie am Leben zu erhalten.
    Zehn Tage darauf stiegen Clawbonny, Johnson, Bell, Altamont und der Kapitän Hatteras zu Korsör, auf Seeland, in Dänemark, an’s Land; ein Dampfboot brachte sie weiter nach Kiel; von hier begaben sie sich über Altona und Hamburg nach London, wo sie am 13. desselben Monats ankamen, nachdem sie sich kaum von ihren langen Prüfungen erholt hatten.
    Vor allen Dingen erbat sich der Doctor von der königlich Geographischen Gesellschaft zu London die Erlaubniß, ihr eine Mittheilung zu machen; in der Sitzung des 15. Juli wurde ihm diese Gelegenheit zu Theil.
    Man denke sich das Erstaunen dieser gelehrten Gesellschaft, welche nach Verlesung der Urkunde Hatteras’ enthusiastischen Beifall spendete.
    Diese Reise, einzig in ihrer Art, die in den Annalen der Geschichte ihres Gleichen nicht hatte, begriff alle früheren, in den Polarregionen gemachten Entdeckungen in sich; sie verband miteinander die Expeditionen von Parry, Roß, Franklin, Mac Clure; sie vervollständigte zwischen dem hundertsten und hundertfünfzehnten Meridian die Karte der hohen Nordlande, und endlich, sie führte bis zu dem bisher unzugänglichen Punkte des Erdballs, dem Pol selbst.
    Niemals, noch niemals hat eine so unerwartete Neuigkeit das staunende England überrascht.
    Die Engländer haben eine leidenschaftliche Empfänglichkeit für so große geographische Thatsachen; man begrüßte sie mit Theilnahme und Stolz, vom Lord bis zum Cockney, vom größten Kaufmann bis zum Arbeiter der Docks.
    Blitzschnell verbreitete sich die große Entdeckung mittels der Telegraphendrähte durch das Vereinigte Königreich; die Journale verehrten an der Spitze ihrer Spalten den Namen Hatteras’ als eines Märtyrers, und England erhob ihn mit gerechtem Stolz.
    Der Doctor und seine Gefährten wurden mit öffentlichen Festen geehrt, und sie wurden vom Lord-Kanzler in feierlicher Audienz Ihrer Königlichen Majestät vorgestellt.
    Die Regierung bestätigte die Benennungen: Königin-Insel für den Felsen des Nordpols, Hatteras-Berg für den Vulkan, und Altamont-Hafen für den Hafen Neu-Amerikas.
    Altamont trennte sich nicht mehr von den Genossen seines
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