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Quellen innerer Kraft

Quellen innerer Kraft

Titel: Quellen innerer Kraft
Autoren: Anselm Gruen
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Einleitung
     
    W er erschöpften Menschen begegnet, macht immer wieder die Beobachtung: Sie sind nicht nur resigniert und mutlos, sondern im buchstäblichen Sinn auch atemlos. Sie sprechen dann davon, dass sie Zeit brauchen, um wieder Atem zu schöpfen. Und wenn ich solche Menschen begleite, höre ich aus den Gesprächen auch heraus, wie sehr sie sich danach sehnen, neue Hoffnung zu schöpfen. Offensichtlich spüren sie in ihrer derzeitigen Verfassung in sich keine Quelle mehr, aus der sie schöpfen können. Das Bild der versiegten Quelle leuchtet in diesem Zusammenhang unmittelbar ein: Das, woraus wir sonst leben, gibt plötzlich nichts mehr her. Wer erschöpft ist, der fühlt sich leer und ausgetrocknet. Er ist auch nicht mehr schöpferisch. Er hat seine Kreativität verloren. Er spürt sich selber nicht mehr, ist unzufrieden, ausgelaugt und fühlt sich oft genug wie zertreten von den vielen Menschen, die ständig etwas von ihm wollen.

    Heute spricht man nicht nur von Erschöpfung, sondern auch von burn-out oder von Ausgebranntsein. Es handelt sich dabei um die gleiche Erfahrung: Man hat keine Kraft mehr, spürt kein Leben mehr in sich. Gerade helfende Berufe leiden unter diesem Phänomen. Aber auch Menschen, die in anderen Zusammenhängen hoher Verantwortung stehen und sich hohem Leistungsdruck ausgesetzt fühlen, sind davon gefährdet: Als der Fußballtrainer Otmar Hitzfeld in einer Situation hohen öffentlichen Erwartungsdrucks gefragtwurde, ob er die deutsche Nationalmannschaft trainieren wolle, lehnte er das Angebot ab mit der Begründung, sein „Akku“ sei leer. Ein Manager meinte, er fühle sich ausgebrannt wie eine Rakete. Eine ausgebrannte Rakete kann man, wie jeder weiß, zu nichts mehr gebrauchen. Autos lassen an den Zapfstellen der Mineralölkonzerne gegen Geld wieder auftanken, wenn der Sprit verbraucht ist. Akkus lassen sich wieder laden. Doch wir sind keine Maschinen.
    Wie steht es um unsere seelischen Energien, wenn wir uns kraftlos und „am Ende“ fühlen? Wie finden wir zurück zu den Quellen unseres Lebens?

    Erschöpfte und ausgebrannte Menschen sehnen sich nach Energiequellen, aus denen sie schöpfen können. „Meine Energie-Quelle“, so warb eine Mineralwasserfirma auf großen Plakaten, eine andere verwendet den Slogan „Die Quelle reiner Kraft“ – und verbindet damit ebenso assoziativ die Werte: vital, kraftvoll, attraktiv, jung und gesund. Offensichtlich möchten sie auf die Sehnsucht der Menschen nach Frische und Lebendigkeit antworten. Bei vielen Managerkursen geht es heute vor allem darum, wieder „aufzutanken“, „den Akku aufzuladen“ und mit den eigenen inneren Kraftquellen in Berührung zu kommen. Die Psychologie spricht heute oft von seelischen Ressourcen. Das Wort stammt aus dem Französischen und bezeichnet einen Bestand, auf den man zurückgreifen, und ein Reservoir, aus dem man schöpfen kann. Es ist vom lateinischen Wort „resurgere“ abgeleitet, das „wiedererstehen“ bedeutet. Es ist das gleiche Wort, das in der Bibel für die Auferstehung Jesu verwendet wird.

    Die Ressourcen sind oft verborgen unter einer dicken Schale. Sie müssen erst entborgen werden. Wenn ich an den innerenKern heran komme, in dem – in nuce – alle Kraft gesammelt ist, dann wird genügend Energie in mein Denken und Tun fließen, dann wird etwas in mir aufblühen. In jedem von uns ist dieser innere Kern, voller Energie, voller Verheißung. Doch es braucht die Stille, um die Schale aufzubrechen, die diesen Kern umhüllt. Nur so wird er das Leben in uns zur Blüte bringen und reiche Frucht tragen.

    Viele haben heute das Gefühl, dass die Quelle, aus der sie leben, trüb geworden ist. Sie hat ihre erneuernde Kraft verloren. Oder sie ist eingetrübt durch Haltungen, die der Seele nicht gut tun, oder durch Emotionen, die von außen her eine ursprüngliche reine Quelle beschmutzen. Da sehnen sich viele Menschen nach einer Klarheit, die erfrischt und Leben schenkt. Wenn ich in Vorträgen von den Quellen spreche, aus denen wir schöpfen, vor allem von den spirituellen Quellen, dann werde ich immer wieder gefragt: Wie komme ich denn in Berührung mit dieser inneren Kraft, die ich die Quelle des Heiligen Geistes nenne?
    Ich spüre hinter solchen Fragen nicht nur die bewusste oder unbewusste Einsicht vieler in ihre krankmachende Lebenssituation. Ich spüre dahinter auch die starke Sehnsucht nach dem, was gesund macht und Kraft gibt.
    Andere haben den Eindruck, dass ihre Quelle nicht mehr

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