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Moerderjagd

Moerderjagd

Titel: Moerderjagd
Autoren: Manuela Lewentz
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herumgesprochen. Dann veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Sie sah nachdenklich aus, vielleicht auch traurig.
    Dann erzählte ich ihr von dem Bekennerschreiben. Ich weiß, das hätte ich nicht tun dürfen.
    Unsere Blicke trafen sich. Es konnte keine Einbildung von mir sein, sie lächelte mich erneut an, länger, als es erlaubt gewesen wäre. Ob ich ihr gefiel, fragte ich mich insgeheim. Sicherlich, ich war um einiges älter, hätte ihr Vater sein können. Aber stehen junge Frauen nicht oft auf reifere Männer? Meinen Bauch hatte ich während des Gesprächs eingezogen. Ich würde ab heute wieder mit dem Sport anfangen, nahm ich mir fest vor.
    Ob ich mir ganz sicher sei, dass es Selbstmord war, wollte sie anschließend wissen.
    »Den genauen Bericht des Pathologen erhalte ich erst am Abend. Wenn Sie aber möchten, kann ich Sie anrufen.« Ich hätte mir am liebsten auf die Lippen gebissen. Ich benahm mich gerade wie ein Teenager.
    Ihre Visitenkarte wechselte den Besitzer. Rasch ließ ich sie in meiner Hosentasche verschwinden.
    »Meine Handynummer steht auch darauf«, säuselte sie, mich anblinzelnd. »Wir könnten uns am Abend noch treffen«, fügte sie nach.
    Sie strich kurz über meine Hand, die auf dem Tisch lag. Es war ein wunderschönes Gefühl, das ich bei dieser Berührung verspürte.
    Hoffmann begegnete uns im Treppenhaus. Ich wimmelte ihn recht schnell ab. Er blickte mich verwundert an, ging kopfschüttelnd weiter.
    An der Pforte blickte Anna Sturm mich noch einmal an. Wieder sah ich die Grübchen auf ihren Wangen, das Funkeln in ihren Augen, die jugendliche Leichtigkeit. Ich blickte ihr nach, bis sie in ihrem kleinen Auto, einem Polo, saß und meinem Blick entschwunden war. Turnschuhe und Röhrenjeans hatte sie getragen, darüber ein Shirt, das mehr zeigte, als es verbarg. Mein Blick streifte über meinen Körper. So konnte ich ihr kein zweites Mal begegnen. Ich beschloss, in der Mittagspause einkaufen zu gehen.
    Später kam der Kollege Hoffmann noch einmal zu mir. Ob ich nicht wisse, wer die kleine Rothaarige sei? Nein, antwortete ich und tat so, als wäre ich uninteressiert. Er erzählte mir dann, mit einem Lächeln im Gesicht, das nur so vor Ironie triefte, sie sei mal mit Manfred Luck zusammen gewesen und ich könnte ja die Kommissarin anrufen, um mehr zu erfahren oder besser noch Manfred Luck selbst.

    Jil Augustin

    Ich habe das Gefühl, im Augenblick mehr im Büro von Kollege Schuster zu sein als in meinem eigenen. Es gab Neuigkeiten, hatte er am Telefon verkündet. Hansen und ich machten uns gemeinsam auf den Weg. Schuster stand, wie ich bereits erwartet hatte, an seinem Fenster und blickte hinaus auf den Rhein, die Hände in den Hosentaschen verschränkt.
    Versonnen blickte er sich um. Ich blieb kurz stehen, Schuster sah so anders aus.
    »Was ist denn mit Ihnen passiert, Herr Kollege?«
    Schuster räusperte sich und strich mit der Hand über sein Kinn. Wenigstens die Bewegung war mir noch bekannt. Schuster in einer Jeans, Turnschuhe, ein offen stehendes Hemd – das war neu!
    Er winkte ab, bot uns einen Stuhl an. Kaffeetassen standen schon für uns bereit, eine Kanne mit frischem Kaffee ebenfalls.
    Auf dem Tisch lag auch ein Bericht aus der Pathologie. Mike Rupp ist an den Folgen seines Suizidversuchs verstorben. Ich zog die Augenbraue hoch. Das war doch bekannt, deshalb hat er uns hierher kommen lassen? Den Abschiedsbrief hatte er uns zugefaxt, und jetzt dieses Theater? Ich gab meinem Unmut Ausdruck.
    »Er hatte bis vor einem Jahr ein Verhältnis mit Eleonora Lorenz, das steht fest.« Schuster biss in ein Hörnchen. Er sah so anders aus, aber nicht schlecht.
    »Der Mörder von Frau Lorenz scheint er aber nicht zu sein. Unter den Nägeln von Frau Lorenz waren Hautfetzen gefunden worden. Aber nicht die von Mike Rupp, das haben wir bereits überprüft. Viel mehr steht Herr Lorenz unter Verdacht. Doktor Gemmel konnte bisher ausschließen, dass Doktor Rupp etwas mit dem Mord zu tun hat.«
    Schuster biss nochmals in sein Hörnchen, ich wartete. Die neue Kleidung stand ihm enorm gut. Er wirkte um einige Jahre jünger. Ich fragte mich nur, wer für diese rasante Typveränderung verantwortlich war.
    »Ihr Doktor Gemmel macht gerne einen auf wichtig.« Schusters Bemerkung gefiel Hansen, er grinste. Vom Grunde her stimmte es auch. Das Theater von Gemmel geht mir auch oft auf die Nerven.
    »Sie haben mir doch erzählt, in Frau Lorenz’ Tasche eine Visitenkarte von Paul Weinand gefunden zu haben.«
    Ich
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