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Millennium Falke

Millennium Falke

Titel: Millennium Falke
Autoren: James Luceno
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Einleitung

    Als Han das Schiff das erste Mal zu Gesicht bekam, als er zusammen mit Lando auf einer der Permabetonlandeplattformen von Nar Shaddaa stand, einige Jahre, bevor er sich der Rebellenallianz anschloss, sah er in dem ramponierten alten Raumfrachter nicht bloß das, was er war, sondern ebenso all das, was eines Tages womöglich daraus werden würde.
    Er starrte das Schiff an wie ein liebeskranker Bengel. Mit großen Augen und weit offen stehendem Mund. Dann versuchte er, sich rasch zusammenzureißen, damit Lando nicht mitbekam, was ihm durch den Kopf ging, und tat das Schiff als Schrotthaufen ab. Doch Lando war kein Narr, und mittlerweile kannte er Han gut genug, um genau zu wissen, was in ihm vorging. Lando, einer der besten Spieler diesseits von Coruscant, wusste, wenn man ihm etwas vormachte. »Es ist schnell«, hatte er mit einem Glitzern in den Augen gesagt.
    Daran zweifelte Han nicht.
    Schon damals war es leicht, Lando für all das zu beneiden, was er bereits besaß, angefangen mit seinem unverschämten Geschick, wenn es ums Geschäft ging. Doch Glück hatte damit nur wenig zu tun. Lando verdiente dieses Schiff schlichtweg nicht. Er kam ja kaum mit einem Skimmer zurecht, ganz zu schweigen von einem ultraschnellen Raumfrachter, der am besten von zwei fähigen Piloten gesteuert wurde. Er war dieses Schiffs einfach nicht würdig.
    Bis dahin hatte Han sich selbst nie als begehrlichen oder habsüchtigen Typen betrachtet, doch mit einem Mal wollte er dieses Schiff mehr, als er in seinem Leben je irgendetwas gewollt hatte. Nach all den Jahren der Knechtschaft und des Umherziehens, nach Beinahekatastrophen und in die Brüche gegangenen Partnerschaften, Liebe da, Liebe weg, in die Akademie aufgenommen, von der Akademie geworfen, selber Opfer ebenso vieler Streiche, die er anderen gespielt hatte … Möglicherweise sah er in diesem Schiff eine Chance auf eine gewisse Beständigkeit.
    Als er das Schiff umrundete, immer näher heranging, genoss er den düsteren Anblick, der sich ihm bot. Der alte Raumfrachter übte eine gewaltige Anziehungskraft auf ihn aus, so, wie es zweifellos bei allen gewesen war, die den YT geflogen und der Außenhülle, den Mandibeln und dem mannigfaltigen Technikwald auf der Oberfläche ihren eigenen Stempel aufgedrückt hatten. Er sog den Geruch des Schiffs in seine Nase.
    Je eingehender er den Raumfrachter in Augenschein nahm, desto mehr Belege fand er dafür, dass das Schiff immer wieder vor den Verheerungen der Zeit und des Raumflugs bewahrt worden war. Ausgehämmerte Beulen, mit Epoxatal ausgespritzte Risse, Lack, der über Stellen mit kohlschwarzen Brandflecken geschmiert war. Nachgerüstete Bauteile, die mit ungeeigneten Befestigungselementen fixiert oder mit wenig professionellen Schweißnähten gesichert worden waren. Der Raumfrachter war von Rost überzogen, mit Durastahlplatten geflickt, verlor Öl und andere Schmiermittel und starrte vor Dreck. Dieses Schiff hatte viel erlebt, und das lange, bevor Landos glückliches Händchen beim Sabacc es zu seinem Eigentum werden ließ. Doch Han hatte keine Ahnung, in wessen Diensten es gestanden hatte. Kriminelle, Schmuggler, Piraten, Söldner … Gewiss von allem etwas und noch mehr.
    Als Lando die Triebwerke hochfuhr, damit Han sie inspizieren konnte, setzte sein Herz einen Schlag lang aus. Und als er wenige Minuten später an den Kontrollen saß, die rasche Reaktion der Sublichttriebwerke auf Steuerbefehle genoss, ordentlich Schub gab und Lando mit seinen Flugmanövern beinahe zu Tode ängstigte, wusste er, dass er vom Schicksal dazu bestimmt war, dieses Schiff zu besitzen. Er würde die Hutts dazu bringen, es für ihn zu kaufen, oder es stehlen, falls er dazu gezwungen war. Er würde eine Rectenna in Militärqualität installieren und die leichten Laserkanonen gegen Vierlingsgeschütze austauschen. Er würde einen ausfahrbaren Repetierblaster in den Bauch des YT einbauen, der bei raschen Fluchten Feuerschutz bot. Zwischen den kastenförmigen Gabeln am Bug würde er ein paar Erschütterungsraketenwerfer anbringen …
    Ihm kam keine Sekunde lang in den Sinn, dass er das Schiff von Lando gewinnen würde. Ganz abgesehen davon, dass Lando es dank eines Bluffs verlieren würde.
    Den modifizierten SoroSuub zu fliegen, den Chewie und er von Lando gemietet hatten, hatte sein Verlangen nach diesem Schiff nur noch verstärkt. Er malte sich seine Herkunft und die Abenteuer aus, die es erlebt hatte. Ihm wurde bewusst, dass er den YT von Anfang an

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