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Meine 500 besten Freunde

Meine 500 besten Freunde

Titel: Meine 500 besten Freunde
Autoren: Johanna Adorján
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Nadja von Stettin einen jungen Mann, und Friederike hatte seinen Auftritt verpasst. Den Hund, den er an der Leine hatte, erkannte Friederike natürlich sofort. Um seinen gedrungenen Bulldoggenhals schmiegte sich ein zierliches, mit Nieten besetztes rosafarbenes Halsband. Es wirkte wie ein Witz. Der Mann trug eine blaue Bomberjacke und war sehr blass. Als er sich auf den Platz neben Friederike setzte, wehte der Geruch einer eben zuende gerauchten Zigarette in ihre Richtung.
    Klaus sagte irgendetwas Lobendes über sein Essen, und Friederike machte ein zustimmendes Geräusch. Es fiel ihr schwer, nicht ständig nach links zu sehen. Der Mann machte keine Anstalten, seine Bomberjacke abzulegen, seine Jeans waren grau, die Schuhe konnte sie nicht sehen. Von Nahem wirkte er doch nicht mehr so jung. Er sah nach Nachtleben aus. Nadja von Stettin studierte unterdessen die Karte. Als die Kellnerin kam, hörte Friederike, wie sie sich einen Rotwein empfehlen ließ. Der Mann bestellte ein Pils und beschäftigte sich dkeitigte sann mit seinem Telefon. Nadja von Stettin stützte solange einen Ellenbogen auf den Tisch und legte das Kinn auf ihrem Handrücken ab. Irgendwann wechselte sie den Arm. Erst jetzt bemerkte Friederike, dass ihre Nägel in einem matten Korallton lackiert waren. Von welcher Marke es diese Farbe wohl gab?
    Da Klaus die Angewohnheit hatte, jeden Bissen mehrmals zu kauen, bevor er ihn schluckte, wurden die Gesprächspausen immer länger, denn Friederike verspürte keinerlei Bedürfnis, von sich aus etwas zur Unterhaltung beizutragen. Im Gegenteil. Ihr war der Gedanke gekommen, ihre Tischnachbarn könnten sie und Klaus für ein Paar halten, und diese Vorstellung war ihr so unangenehm, dass sie sogar damit aufgehört hatte, freundlich zu gucken. Klaus schien es gar nicht zu bemerken. Er hatte inzwischen zu einer Art Vortrag über eine neue Digitalkamera angesetzt, mit der sich offenbar eine sagenhafte Tiefenschärfe erzielen ließ. Friederike, die keinen Appetit hatte, was möglicherweise daran lag, dass Nadja von Stettin so dünn aussah, beschäftigte sie sich damit, das Essen auf ihrem Teller umzuarrangieren. Sie schob das Gemüse von links nach rechts, zerkleinerte den Fisch, suchte nach Gräten, wo keine waren, zerdrückte die Kartoffel zu einer zähen gelben Masse und rührte etwas Sauce hinein.
    »Schmeckt’s dir nicht?«, fragte Klaus und sah sie mitleidig an. »Doch, sehr«, sagte sie.
    Ihre Tischnachbarn hatten inzwischen ihre Getränke bekommen, die Kellnerin hatte sogar einen Napf mit Wasser für den Hund gebracht. Irgendwann hatte der Mann auch sein Telefon beiseitegelegt, seither unterhielten sie sich. Wenn Friederike sich konzentrierte, konnte sie einzelne Worte verstehen. Tonnenschwer. Harddrive. Wanderung . Es war ihr ein Rätsel, in welchem Verhältnis die beiden zueinander standen. Ein Paar schienen sie nicht zu sein, es war keinerlei Spannung zwischen ihnen zu spüren, weder im Sinne eines Flirts noch als Gereiztheit, und es gab auch keine Zeichen größerer Vertrautheit, sah man einmal davon ab, dass Nadja von Stettin einmal gähnte, ohne die Hand vor den Mund zu halten.
    Minuten, bald Viertelstunden vergingen, ohne dass etwas Außergewöhnliches passierte. Der Mann mit der Bomberjacke ging irgendwann aufs Klo, während seiner Abwesenheit putzte sich Nadja von Stettin die Nase und streichelte ihren Hund, der Mann kam wieder, sie unterhielten sich weiter, das Handy des Mannes vibrierte irgendwann, er sah aufs Display, ging aber nicht dran. Einmal gab der Hund ein seltsames Geräusch von sich, und Nadja von Stettin gähnte noch mal.
    Klaus war inzwischen auf Literatur zu sprechen gekommen. »Ich bin ja jemand, der lieber Sachbücher liest«, sagte er gerade, »aber Coelho schreibt so was von fesselnd. Man muss auch gar nicht an so was wie Reinkarnation glauben, so wie er die Sachen beschreibt, hat das schon Hand und Fuß. Und wenn man das Ganze dann noch mit der Stimme von Robert de Niro vorgelesen bekommt …« Sie sah ihn nun mit den Augen ihrer Tischnachbarn. Wie lächerlich er aussah mit seinen ausgehenden Haaren. Wie hässlich seine Brille war. Wie peinlich sein Lachen. Seine letzte Bemerkung zum Beispiel schien er selbst mal wieder irrsinnig komisch zu finden. Friederike löste eine Haarsträhne, die sie sich hinter die Ohren geklemmt hatte, und schob einen Vorhang aus Haaren zwischen sich und ihren Banknachbarn.
    Endlich, endlich kam die Kellnerin zum Abräumen.
    »Bitte noch eine Flasche

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