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Macho-Mamas

Titel: Macho-Mamas
Autoren: Michèle Binswanger , Nicole Althaus
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    Vorwort
     
    Nach vierzig Jahren Emanzipation sind die Frauen scheinbar am Ziel: Sie haben die gleichen Rechte wie die Männer, sie sind genauso gut – wenn nicht besser – ausgebildet, sie sind in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen selbstverständlich aktiv, sie haben in vielen Staaten politische Schlüsselstellen erobert und erste Risse in die gläserne Decke der Wirtschaft geschlagen. Ja, vierzig Jahre nach der Frauenbewegung wird sogar einer der wichtigsten feministischen Kampfbegriffe in einigen europäischen Ländern ganz nüchtern als politisches Steuerungsinstrument diskutiert und sogar eingesetzt: die Frauenquote.
    Dürfen wir uns also zurücklehnen und auf die Eigendynamik wirtschaftlicher Effizienz vertrauen? Darauf, dass eine sich international durchsetzende Frauenquote die Damen schon nach oben befördern wird? Weil wir endlich darin übereingekommen sind, dass Frauen nicht nur das Büro herausputzen, sondern auch den Umsatz?
    Leider nein. Denn modernen Frauen stehen nicht mehr die Männer im Weg, sondern der gefühlte oder eingelöste Kinderwunsch. Die Biologie aber lässt sich nicht durch eine Frauenquote überwinden. Während kinderlose Frauen heute genauso Karriere machen können wie kinderlose Männer und Väter, gelingt das den Müttern praktisch nicht.
    Es ist eine ernüchternde Erkenntnis: Wir Frauen der Generation Golf studierten und arbeiteten, wir verdienten Geld und Titel, wir schliefen, wo und mit wem wir wollten, wir verhüteten und trieben ab. Gerade schritten wir noch im Gleichtakt mit den Männern vorwärts. Dann wurden wir Mütter. Und mit einem Schlag glich unser Alltag demjenigen unserer Großmütter – und nicht mehr dem der Väter unserer Kinder.
    Die Emanzipation hat zwar die Frauen aus ihrem kollektiven Lebenskorsett befreit, nicht aber die Mütter. Die Feministinnen haben die Büstenhalter verbrannt, aber die Still-BHs ignoriert oder sie noch ein bisschen enger geschnallt. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil Kinderkriegen sich nicht wie der Lohn oder die sonstige Gleichbehandlung per Gesetz festlegen lässt. So können Frau und Mann sich heute nebeneinander entfalten, solange sie ein Paar bleiben und keine Familie werden. Mit den Kindern ziehen auch die Geschlechterideologien ins traute Heim, und vieles bleibt beim Alten: Mama bügelt öfter daheim und Papa im Büro.
    Es ist deshalb Zeit, den Fokus vom Geschlecht weg und auf den Nachwuchs zu richten. Denn im Genderdiskurs bleibt die Mutter unsichtbar. So unsichtbar wie im Büro und in den Diversity-Programmen der Unternehmen.
    Wenn die Wirtschaft heute nach mehr Frauen ruft und sich wundert, warum sich so wenige für eine Karriere anwerben lassen, dann hat das vorab damit zu tun, dass die meisten Frauen Mütter werden und Mütter sein wollen. Und dass fast alle davon überzeugt sind, eine Karriere lasse sich mit Mutterschaft nicht vereinbaren.
    Dieses Buch rückt deshalb die Mütter ins Zentrum der Debatte. Und mit ihnen die Väter. Es zeigt, warum Frauen sich vom Ideal der omnipotenten Mutter befreien müssen. Warum beide Geschlechter gewinnen, wenn Väter nicht bloß für gleiche Rechte in der Familie kämpfen, sondern auch die gleichen Pflichten übernehmen. Warum Politik und Wirtschaft anfangen müssen, über die Familienverträglichkeit beruflicher Karrieren für beide Geschlechter zu diskutieren, statt in der Genderdebatte zu verharren. Und nicht zuletzt warnt dieses Buch davor, mit den Müttern das eigentliche Problem unserer Gesellschaft zu unterschlagen: nämlich die hohen und einseitig verteilten Kosten des Nachwuchses. Ohne eine Umverteilung dieser Kosten wird sich weder die Gebärfreude noch der Karrierehunger der nachrückenden Generationen von Frauen ankurbeln lassen.

 
     
    Prolog
     
    Dieses Buch heißt Macho-Mamas . Aber eigentlich handelt es von der Familie und davon, was Frauen in sie hineingeben. Davon, wie sehr Mutterschaft sie prägt – bis ins Arbeitsleben hinein. Und wie wenig die Arbeitswelt diese Tatsache bislang beachtet hat. Es handelt von einer der wichtigsten Ideen des 20. Jahrhunderts, der Emanzipation, und es spielt dort, wo diese mit den banalen kleinen Hindernissen des Alltags kollidiert, wo Frauen sich selber immer wieder behindern und behindern lassen: Es geht um Ehrgeiz, Körper, Mutterschaft, Macht. Und darum, dass man Mütter dazu ermuntern muss, manchmal ein bisschen mehr Macho gegen sich selbst und andere zu sein.
    Um das zu veranschaulichen, soll hier die Geschichte

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