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Macho-Mamas

Titel: Macho-Mamas
Autoren: Michèle Binswanger , Nicole Althaus
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selbstverständlich eine Schweinerei, aber keine, die wir am eigenen Leib zu spüren bekommen hatten. Chauvinismus kannten wir als anzügliche Bemerkungen oder Blicke. Aber im Grunde bestand der erlebbare Nachteil für unser Geschlecht nur noch in der Tatsache, dass sich vor den Frauentoiletten immer Schlangen bildeten. Es ist nur folgerichtig, dass sich die Generation Golf in den Neunzigern an den Universitäten und in den Gleichstellungsbüros auf die Reinigung der Sprache vom generischen Maskulin konzentrierte. Außer dem großen I gab es für die StudentInnen nicht mehr viel zu erobern.
    Wie hat man uns doch eingebleut: Gute Mädchen kommen in den Himmel. Böse überall hin. Also waren wir ein bisschen böse und kamen tatsächlich überall hin: In die teuren Bars, auf interessante Posten in den Glaspalästen der Wirtschaft. Wir studierten und arbeiteten, wir lebten wie die gleichaltrigen Männer. Keine Generation Frauen zuvor konnte das von sich behaupten. Alles sah ganz danach aus, als könnten wir auf Manolo-Blahnik-Stilettos elegant und lässig den Weg abschreiten, den unsere Großmütter und Mütter in Latzhosen und gröberem Schuhwerk für uns vorgetrampelt hatten.
    Dass wir nicht mit anderen Umständen gerechnet hatten, merkten wir, als wir mittendrinsteckten. Als Mutter standen wir plötzlich im Abseits. Von nun an mussten wir unser gewohntes Leben verteidigen. Und zwar an allen Fronten gleichzeitig.
    Sicher, wir hatten alles durchdiskutiert damals, auf unseren Brockenhaus-Stühlen in den Wohngemeinschaften. Wir hatten genau ausgetüftelt, wie wir der Mutterfalle entgehen würden: Ausbildung, Berufserfahrung, Stillpause, Karriere, wenn nötig in Teilzeit. Theoretisch war das alles kompatibel. In der Praxis aber standen wir plötzlich ähnlich hilflos da wie beim Versuch, eine Apple-Datei auf einem PC zu öffnen. Wir hatten nur an den Inhalt der Dateien gedacht, dabei waren die Systeme unvereinbar. Ehrgeiz und Selbstverwirklichung waren nicht systemkonform mit der Idee der perfekten Mutter. Die Gleichberechtigung war uns auf dem Silbertablett serviert worden, nun mussten wir als Mütter schauen, dass wir sie nicht als leeres Versprechen durch die Wohnung trugen. Kurz: Wir hatten nie ernsthaft kämpfen müssen, doch jetzt, wo wir ahnten, dass noch lange nicht alles erreicht war, verbrauchten wir all unsere Energie im Spagat zwischen Mutterschaft und Selbstbestimmung.
    Darauf hat uns niemand vorbereitet. Auch nicht die Feministinnen. Sie hatten einen großen Bogen gemacht um das leidige Thema Mutterschaft. Das lässt sich schon daran festmachen, dass es kaum namhafte Feministinnen mit Familie gibt. Betty Friedan hatte Kinder, und Elisabeth Badinter ist Mutter. Das dürfte es an berühmten Namen schon gewesen sein.
    Der Feminismus hatte den Bauch der Frau entweder konsequent ignoriert oder zum Manifest erhoben. Er hatte eloquent die Abtreibung verteidigt und die Frau von der Mutterschaft als Schicksal befreit. Aber er ist an der Frage gescheitert, wie man emanzipiert Kinder bekommt. Die Feministinnen hatten nie in Betracht gezogen, dass das Problem Mutterschaft sich nicht damit erledigt, es nicht als Schicksal hinzunehmen. In Wahrheit ist Mutter zu sein für die Mehrheit der Frauen ein Bedürfnis. Aber bloß eins unter vielen. Und nur ein Lebensabschnitt, sogar ein relativ kurzer. Aber einer, der dann zum Problem wird, wenn er die Frau wieder in eine Einheitsbiographie zwingt.
Die Mutter – das Stiefkind des Feminismus
    Ein kleiner feministischer Exkurs ist an dieser Stelle nötig: Auch wenn der Begriff Feminismus trotz seiner derzeitigen Wiederbelebung wenig sexy ist. Daran haben auch ausgedehnte Spaziergänge durch die Feuchtgebiete zwischen Frauenschenkeln sowie Slutwalks auf der Straße, für die sich viele Frauen neuerdings freiwillig ins Mieder werfen, wenig geändert. Feminismus muss auch gar nicht sexy sein, da haben Alice Schwarzer und Co. recht. Doch Töchter rebellieren. Sie feiern und stellen den Körper aus, der im feministischen Weltbild unter Verschluss gehalten wurde. Sie sehen im Körper weit mehr als bloß den Träger eines klugen Kopfes, das Geschlecht nicht nur als soziales Konstrukt. Nur: bei dieser Rebellion droht etwas Wichtiges vergessen zu gehen: Sowohl die feministische Intellektualisierung des Körpers als auch seine gegenwärtige Rückeroberung haben die Frau befreit. Aber nicht die Mutter.
    Die derzeitige Konjunktur des Feminismus hat deshalb weniger mit der Rückbesinnung auf

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