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Geisterkrieg

Geisterkrieg

Titel: Geisterkrieg
Autoren: Michael A. Stackpole
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Leary's Eyrie, Joppa, Helen Präfektur III, Republik der Sphäre
    13. November 3132
    Ich habe mal gehört, wie sich jemand beschwerte, dass es im Universum zwei Dinge im Übermaß gäbe: Wasserstoff und Dummheit. Aber sie sagte nicht, was von beiden vorne liegt. Legt man die ganze Materie im Universum zugrunde, wird es wohl der Wasserstoff sein, doch in Leary's Eyrie legte die Dummheit in galoppierendem Maße zu. Das war nichts Seltenes oder auch nur Ungewöhnliches, aber der dadurch erzeugte Druck schien selbst intelligente Menschen abzustumpfen und das Nervenkostüm auszufransen.
    Ich war in der Hoffnung auf eine Trivid-Bierwerbung ins Eyrie gekommen. Keine spezielle Werbung, es ging mir einfach nur um die typische Situation, die einem in diesen Spots suggeriert wird: eine schwüle Nacht, eine heiße Frau, kühles Bier, Feuchtigkeit auf dem Glas der Bierflasche und auch noch anderswo. Ich war auf der Suche nach der kompletten Fantasie, die schon Generationen von Männern ermuntert hat, das Gesöff zu schlabbern, von dem sie die Sorte Wampe bekommen, die sie mühsam einziehen, sobald eine Frau vor ihnen auftaucht, die der Werbung entspricht. Natürlich wusste ich sehr genau, dass es nicht mehr als eine Fantasie ist, aber hier draußen im Hinterland von Helen hatten wir nichts Besseres.
    Ich sah natürlich gar nicht nach einer Fantasie aus.
    Oder nach einer Werbung! Es sei denn nach einer von diesen Werbungen, die irgendwann tief in der Nacht für Produkte laufen, die garantieren, einen auf geradezu wunderbare Weise zu verjüngen und die Körperteile, die man benötigt, falls die Bier-Reklamen-Fan-tasie irgendwann mal Wirklichkeit werden sollte, auf Hochtouren zu bringen. Die Jungs und ich hatten gerade eine Achtzehn-Stun-den-Schicht hinter uns, und ich hatte doppelt so lange kein Bett gesehen, und dreimal so lange keinen Rasierapparat. Immerhin trug ich ein sauberes Hemd, auch wenn meine Jeans und Stiefel die tragende Rolle in einer Werbesendung für Wunderwaschmittel hätten spielen können.
    Oder in einer behördlichen Warnsendung über Giftmüll und un-genehmigte Verklappung.
    Wir waren oben im Wald gewesen, um Bäume zu schlagen, und hatten mächtig Stoff geben müssen, um rechtzeitig eine Schneise zu schaffen. Die örtlichen Gerichte hatten nämlich ab Mittag ein Abholzverbot erlassen, bis die Entscheidung über einen Schutzantrag für irgendeine vom Aussterben bedrohte Tierart vorlag, den die Menschen-und-Divergente-Spezies-Union eingereicht hatte. MA-DSU war der politische Arm der Gaia-Guerilla-Front, die den Gebrauch von Werkzeug aller Art gegen den Planeten oder irgendetwas auf seiner Oberfläche als rachewürdigen Anschlag betrachtete. Trotz ihrer luddistischen Zurück-zur-Natur-Friede-mit-allem-Le-ben-Philosophie waren sie aber sehr geschickt im Umgang mit Sprengstoff und anderen Waffen, wenn es darum ging, die Holz-und Bergwerksindustrie auf Helen anzugreifen.
    Rusty stand am Billardtisch und nuckelte an der Bierpulle. »Was soll'n das heißen, du glaubst nicht, dass MADSU und die GGF hinter dem Zusammenbruch des Kommnetzes stehen? Gute Güte, Mann, das ist doch wohl sonnenklar. Das Netz bricht zusammen, und diese Spinner tauchen aus allen Ecken auf und machen uns die Hölle heiß. Eins und eins gibt zwei!«
    Pep, die ihren Spitznamen der Tatsache verdankte, dass sie klein und flink war, stieß das Queue in seine Richtung, als wäre es ein Florett. »Das Problem dabei ist: Du brauchst eins und eins nicht zusammenzuzählen. Wenn das Kommnetz zusammenbricht, fällt die Republik auseinander. Es fließen keine Nachrichten mehr, also ist die Republik gelähmt. Die Menschen bekommen es mit der Angst, Opportunisten übernehmen das Ruder und Gruppen wie die GGF tauchen auf. MADSU gibt's schon ewig. Sie hat immer gegen alles Mögliche protestiert, aber friedlich. Erst jetzt, da die Ritter der Republik nicht mehr wissen, wo sie mit ihren großen BattleMech-Mauken rumstampfen sollen, formiert sich die GGF und wird bösartig.«
    »Früher hätte es so was nicht gegeben. In den guten alten Zeiten hätten sie sich so was nicht getraut.« Keira-san schaute von dem Tisch herüber, an dem er sich ein Trivid-Programm ansah. Es war die Wiederholung irgendeines Mechkampfes auf Solaris. Sah nach historischem Material aus, um die Jahrhundertwende, mit irgendeinem Knaben, der angeblich der nächste Kai Allard-Liao sein sollte. Aber das wollte natürlich jeder Kämpfer da draußen werden, und es wurde auch jeder so aufgebaut,

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