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Eine fabelhafte Liebesgeschichte (German Edition)

Eine fabelhafte Liebesgeschichte (German Edition)

Titel: Eine fabelhafte Liebesgeschichte (German Edition)
Autoren: Robert Gehrke
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glücklich.
     

Tortenkiste
    Es dauerte Wochen bis sich der Tiger in der ungewöhnlichen Behausung satt gesehen hatte. Wahrscheinlich verbrachte er hier mehr Zeit als in seiner eigenen Umgebung. Diese Atmosphäre durchströmte ihn und gab ihm ein glückliches Gefühl. So viel Erinnerung in jeder freien Ecke, jeder brauchbaren Wand und jedem freien Stellplatz. Diese Erinnerungen reichten gut und gerne für 4 -5 Mäuseleben.
    „Weißt du was? Du bist der beste Zuhörer den ich kenne!“ sprach die Maus.
    Der Tiger war recht wenig begeistert von diesem Kompliment.
    „Lass mich dir etwas zeigen.“
    Die Maus lief zu ihrer Marionettenpuppe und durchstöberte deren Brusttasche, unter lautem Ertönen der Glöckchen. Ein kleiner Schlüssel befand sich darin, dessen Abmessungen auf ein kleines Schloss hindeutete.
    Nun lief sie in Richtung Küche und öffnete mit dem Schlüssel eine kleine hölzerne Schublade. Zu des Tigers Überraschung befand sich darin ebenfalls ein Schlüssel, der allerdings wesentlich edler und größer war. Er hatte einige Verschnörkelungen und war offensichtlich aus hochwertigem Silber. Der Inhalt musste der Maus viel bedeuten.
    In einer anderen Schublade kramte sie eine blau angestrichene Kiste hervor. Unwillkürlich strich sie über die hölzerne Oberfläche und entfernte eine dicke Staubschicht, die der Kiste etwas Mysteriöses gab. In goldener Schrift war „Papillon Torte“ eingraviert.
    „Ich hab die Torte damals nur wegen der Kiste gekauft“ sprach die Maus und grinste.
    Mit einem Klacken öffnete sich die Kiste und ein intensiver Duft durchströmte die Luft. Dutzende Blumen, Gegenstände und Papierfetzen befanden sich darin. Die Maus roch an einer Mohnblume und legte sie anschließend wieder zwischen eine Rose und eine Butterblume zurück in die Kiste.
    „Wer ihr wohl diese Blumen geschenkt hat?“ fragte sich der Tiger.
    „Wenn du magst, zeige ich dir ein paar Dinge.“
    Ohne eine Antwort abzuwarten durchstöberte die Maus die Kiste. Sorgfältig zog sie einen grünangestrichenen Kochlöffel hervor.
    „Diesen hier hab ich von meiner Mutter bekommen. Sie besitzt ein Hotel, indem ich eine Weile mit ihr gearbeitet habe. Es war wirklich eine schöne Zeit täglich mit meiner Mutter in der Küche zu stehen.“
    Die Maus hielt den Kochlöffel ein bisschen wie einen Zauberstab während des Erzählens.
    „Gelegentlich gab sie auch Kochkurse, die sie im ganzen Land bekannt gemacht hatten. Irgendwie schafft sie es, aus jedem ein bisschen Talent herauszuholen.
    Nachdem ich weiter gezogen bin habe ich noch einige Male in anderen Lokalitäten gearbeitet. Ich liebe das Kochen wirklich, doch zusammen mit meiner Mutter war es nicht zu toppen.“
    Die Maus legte den Kochlöffel zurück in die Kiste und holte ein kleines Säckchen heraus. Einige kleinere Gegenstände waren darin, die ein bisschen wie Münzen klapperten.
    Im Säckchen befanden sich bunte Münzen. Beim genaueren Betrachten handelte es sich um Poker Chips.
    „Ich mag große Städte nicht wirklich. Aber wenn ich mir mal eine ansehe, hole ich mir immer ein Chip im Casino.“
    Zwischen goldenen Karos und Kreuzen waren die Städtenamen Tierheim, Ochsford und Aschaffenburg auf den drei bunten Chips eingeprägt.
    „Gespielt habe ich eigentlich noch nie. Mein Problem war es schon immer, dass ich die schönen Spielzüge den effizienten vorziehe. Ich kann bei einem All-in einfach meine Karten nicht weglegen. Klingt wirklich blöd, ich weiß. Ich würde nur verlieren. Bisher habe ich immer einen netten Mitarbeiter gefunden, der mir einen Chip schenkt.
    Dieser Chip ist aus der Stadt meiner Mutter!“
    Es war ein roter Chip mit blauen Karos am Rand. Schweinfurth war in goldener Schrift darauf geprägt.
    „Ich mag auch die Atmosphäre in einem Casino. Das ist wirklich noch ein Ort, an dem man vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann. Am liebsten mag ich das Klappern von Geld und die Rotation der Kugel beim Roulette. Ein sehr entspannendes Geräusch! Trotz allem hasse ich Geld und all die Reichen darin. Merkwürdig nicht?“
    Wieder erwartete die Maus keine Antwort und durchkramte weiter die Torten Kiste.
    „Ich wäre gerne Koch in einem Casino. So könnte ich den ganzen Tag das Geklapper der Münzen hören.“
    Nun griff die Maus eine kleine Zeichnung aus der Kiste. Auf dem bereits vergilbten Papier konnte man mit ein bisschen Phantasie die Umrisse eines Wasserfalls erkennen.
    „Das hier ist der schönste Platz, an dem ich jemals gewesen bin!
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