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Ein Schnupfen hätte auch gereicht. Meine zweite Chance

Ein Schnupfen hätte auch gereicht. Meine zweite Chance

Titel: Ein Schnupfen hätte auch gereicht. Meine zweite Chance
Autoren: Gaby Köster
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Ein kleiner Gruß aus der Küche
    So. Jetzt sitz ich hier und denke: Nun, Frau Köster – wie fängt man so ein Buch denn überhaupt an, wenn man sich ins öffentliche Leben zurückmeldet? »Genau, werden jetzt viele sagen – stimmt ja, die Köster war ja lange weg vom Fenster! Die war glaub’ ich schwer krank oder so, ne? Da hat man ja lange nix mehr von gehört, der soll es ja gar nicht gutgehen!« Doch, lieber Leser, es geht mir den Umständen entsprechend sehr gut. Welche Umstände, fragen Sie? Sehen Sie: Darum habe ich dieses Buch geschrieben. Damit ich das mal für Sie und mich selber klar kriege. Schwarz auf weiß sozusagen. Das Schwarze sind die Buchstaben, und von rechts nach links gelesen ergibt sich der Sinn. Hoffentlich. Aber ein Buch braucht natürlich auch einen Anfang. So ne Art Gruß aus der Küche. Natürlich habe ich überlegt und überlegt: Kann das nicht ein anderer schreiben? Wie immer bei Büchern dieser Art hätte ich ja einen berühmten Kollegen fragen können, ob er mir nicht ein tolles Vorwort schreiben könnte! Meinen lieben Freund Mike Krüger zum Beispiel. Oder Hella von Sinnen, die treue Seele. Mein Mitautor Till Hoheneder wäre natürlich auch eine sehr praktische Wahl gewesen – wenn er doch sowieso das Buch mit mir schreibt! Aber das alles hätte bedeutet, dass ich Tauben zum Dom getragen hätte. Möwen nach Helgoland. Oder Flip-Flops für Reinhold Messner besorgt hätte! Nein, mir wurde ziemlich schnell klar, dass ich das selber machen muss. Weil nur ich diese eine Frage beantworten kann, die ich mir selber auch immer stelle, wenn Prominente ein Buch schreiben: Warum? Also stelle ich mir mal selber diese ominöse Frage: Warum schreibe ich dieses Buch? Gute Frage, nächste Frage. Warum, warum, warum? Jetzt mal nicht sauer werden, liebe Leser, aber eins sage ich Ihnen gleich: In erster Linie schreibe ich dieses Buch für mich. Damit ich all diesen Wahnsinn, der mir widerfahren ist, besser verstehen kann. Damit ich mich nicht verliere in Selbstmitleid und Bequemlichkeit. Damit ich nicht kapituliere vor den körperlichen Handicaps. Damit ich hinterher sagen kann: es gibt keine Lauer, auf der ich nicht liege! Damit ich mein altes Leben verabschieden kann und auf dem Weg in mein neues Leben nicht den nötigen Mut verliere. Weil schon der Abschied vom alten Leben so viel Mut erfordert, dass mir manchmal angst und bange wird, ob ich das überhaupt schaffe. Die Resignation ist ein mächtiger Gegner und hat viele Verbündete und Zuspieler: Zeit, Mühe, Entbehrungen, Angst und Depressionen sind die besten Helfer der Resignation. Aber wie soll man sich von etwas trennen, wenn man sich daran nicht erinnert? Bevor man eine alte Kiste aus dem Keller zum Sperrmüll stellt, überprüft man doch auch ganz genau, ob man wirklich alles »wegwerfen« kann und will oder die Kiste gut verschlossen wieder in die Ecke stellt! Aber ich schreibe es in zweiter Linie auch für alle, die mich auf diesem Weg begleiten wollen. Weil ihnen zum Beispiel etwas Ähnliches passiert ist. Weil sie vielleicht ihre eigenen Erlebnisse mit meinen vergleichen wollen. Das mache
ich
auch gerne, das öffnet oft neue Türen und bringt neue Gedankenansätze.
    Ist das Buch also eine Art Autobiographie? Ja, vielleicht. Ich erinnere mich an mein altes Leben und begleite mich selber auf der holperigen Straße in mein neues Leben. Es ist also keine Biographie im klassischen Sinne, die mit meiner Geburt anfängt und meinem ersten Eintrag ins Tagebuch: »Bin noch ziemlich fertig von der Geburt und schlafe sehr viel.« Nein, das ist eine Biographie, die eher im »Kösterschen« Sinne klassisch ist. Also chaotisch. Springend. Widersprüchlich. Lustig. Manchmal habe ich in Erinnerungen gekramt und habe gelacht, bis mir die Tränen gekommen sind. Und habe trauernd weitergeheult, weil viele dieser Erinnerungen zwar zu meinem Leben gehören, aber zu meinem anderen Leben. Mein Herz war manchmal so schwer, weil die Erinnerungen an viele geliebte Wesen zwar noch klar und lebendig auf meiner Festplatte gespeichert waren, aber die Menschen und Tiere, die Hauptdarsteller dieser Erinnerungen schon lange tot sind.
    Aber auch die Erinnerungen können sterben. Ich habe so manches Bild mühsam wieder zusammensetzen müssen, was natürlich Fragen aufwirft, die ich mir auch gerne stelle, wenn ich persönliche Erinnerungen lese: Was ist denn jetzt wohl wahr? 95 Prozent? Oder nur 60? Und der Rest wurde schön aufgehübscht bei der Erinnerungsausgrabung

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