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Du stirbst zuerst

Du stirbst zuerst

Titel: Du stirbst zuerst
Autoren: Dan Wells
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auf den Eindringling beschränkt wie zuvor, sondern sie lief durch den ganzen Flur. Es schien, als sei der Raumpfleger der Ursprung der Wellen. Sie trafen auf den Angreifer, der heftig durchgeschüttelt wurde. Gleich danach erreichte die Welle die Kamera, es gab einen grellen Blitz, und die Übertragung brach ab. Auf dem Bildschirm war nur noch Schnee zu sehen.
    Die drei Männer starrten schweigend auf den Bildschirm. Nach einer Weile ergriff Agent Chu als Erster das Wort.
    »Was war das denn?«
    »Tja«, erklärte der Nachtwächter zögernd, »offensichtlich hat ein Raumpfleger einen telepathischen Schuss auf einen Serienmörder abgegeben. Das … das war doch deutlich zu erkennen, oder?«
    Agent Leonardo klappte seine Ausweishülle auf und hielt sie dem Wachmann unter die Nase. »Ich zeige Ihnen das nur, damit Sie nicht vergessen, dass ich es ernst meine. Alles, was Sie heute Abend in diesem Raum ge­sehen haben, ist ein Staatsgeheimnis. Wir beschlagnahmen die Aufzeichnung, die Kamera und alle Sicherungskopien, die möglicherweise noch existieren. Sie sprechen mit niemandem auch nur ein Wort darüber. Ist das klar?«
    Der Nachtwächter schluckte nervös und nickte. Agent Chu beugte sich vor, nahm die Maus und spulte das Video zurück. Als der schwarz gekleidete Mann zu erkennen war, der mit dem Messer in der Hand hinten im Flur hockte, hielt er an und betrachte den Eindringling aufmerksam.
    Der Killer blickte in die Kamera.



»Wer sind Sie?«
    Ich liege im Krankenhaus. Das ist leicht zu erkennen, denn das Bett hat ein Gitter, und die Leute, die sich rings um mich versammelt haben, tragen weiße Kittel. Die Köpfe bekommen im Licht der Leuchtstoffröhren Heiligenscheine und verschwimmen ein wenig, weil ich noch nicht völlig wach bin. Im Ellbogen habe ich eine Nadel, die mit einem Infusionsschlauch verbunden ist. Mir ist übel und schwindelig. Das Licht brennt in den Augen. Wie bin ich hergekommen? Und wo ist Lucy?
    »Sie sind wach«, sagt ein Mann. »Das ist gut. Sie haben uns ganz schön Angst gemacht, Mister Shipman.«
    Er kennt meinen Namen. Ich starre ihn an und warte darauf, dass ich endlich scharf sehe. Er ist schon älter, sicher über sechzig, und trägt wie die anderen einen langen weißen Arztkittel. Zwei weitere Männer und eine Frau stehen neben ihm an meinem Bett. Wahrscheinlich auch Ärzte. An der Tür ist ein Wachmann postiert. Wirklich ein Wachmann? Oder doch nur ein Pfleger? Ich weiß nicht, was hier gespielt wird.
    Mein Hals ist trocken, das Sprechen fällt mir schwer. »Warum erinnere ich mich nicht, wie ich hergekommen bin?«
    »Ich bin Doktor Murray«, sagt er. »Sie sind gestürzt. Können Sie sich an den Sturz erinnern?«
    Kann ich mich überhaupt an irgendetwas erinnern? Ich weiß noch, dass ich mich versteckt habe, und dann … eine Hetzjagd? Irgendjemand hat mich gefunden. Ja, das weiß ich ganz sicher – ich bin weggelaufen. Eine leere Stadt mit leeren Häusern, ein tiefes, dunkles Loch, vielleicht ein Brunnenschacht oder ein Bergwerk.
    Die Leute, vor denen ich weggelaufen bin, waren böse. Auch das weiß ich noch. Haben sie mich erwischt? Und was haben die Ärzte damit zu tun? Ich zögere, ich muss nachdenken.
    »Wo ist Lucy?«
    »Wer?«
    »Lucy. Meine Freundin. Sie war bei mir in … wo war ich überhaupt?«
    »Was wissen Sie noch?«
    »Ich erinnere mich an einen Schacht«, berichte ich zögernd und beobachte dabei die Gesichter. »Ich bin in einen Schacht gestürzt.«
    Doktor Murray runzelt die Stirn. Offenbar ist er der Ansicht, dass ich mich irre. Ist das wirklich so? Ich erinnere mich doch ganz deutlich an einen Schacht, und … mir tut der Kopf weh. Nein, nicht nur der Kopf, sondern das ganze Bewusstsein. Doktor Murray blättert in einer dünnen Akte und hebt ein Blatt, um das Folgende zu lesen. »Sie sind aus einem Fenster gestürzt oder gesprungen. Können Sie sich daran erinnern?«
    Ich überlege schweigend. Denk nach, Michael, denk nach!
    »Wir haben uns Sorgen gemacht, Sie könnten schwer verletzt sein«, erklärt einer der anderen Ärzte, »doch es ist nichts gebrochen.«
    »Wenn er das Gedächtnis verloren hat, ist er vielleicht stärker mit dem Kopf aufgeschlagen als angenommen«, wirft eine Frau ein.
    Ich lasse den Blick durch den Raum wandern, um mir einen Eindruck zu verschaffen, wo ich bin. Es scheint ein normales Krankenzimmer zu sein – Schränke, Vorhänge, ein Spender mit Desinfektionsmittel über dem Waschbecken. Soweit ich es erkennen kann, sind keine Computer

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