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Die vergessenen Welten 02 - Die verschlungenen Pfade

Die vergessenen Welten 02 - Die verschlungenen Pfade

Titel: Die vergessenen Welten 02 - Die verschlungenen Pfade
Autoren: R. A. Salvatore
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Schlechte Nachrichten

    Drizzt wanderte an den toten Riesen vorbei durch die Tunnel. Er hielt nur einmal an, um sich von dem großen Tisch ein Stück Hammelbraten zu nehmen. Er ging an den Stützbalken vorbei den düsteren Korridor hinunter. Den ganzen Weg lang versuchte er, seine Ungeduld zu bezähmen. Falls die Riesen ihren Schatz hier unten versteckt hatten, dann lag der Raum, in dem er aufbewahrt wurde, vielleicht hinter einer Geheimtür. Möglicherweise wurde er auch von einer Bestie bewacht, aber wahrscheinlich nicht von einem Riesen, denn der hätte sich an dem Kampf sicher beteiligt.
    Der Tunnel war recht lang und verlief schnurgerade nach Norden. Drizzt vermutete, daß er sich jetzt direkt unter Kelvins Steinhügel befand. Inzwischen war er auch nicht mehr von Fackeln erleuchtet, doch der Dunkelelf empfand die Dunkelheit als wohltuend. Den größten Teil seines Lebens hatte er in der lichtlosen, unterirdischen Welt seines Volkes verbracht, und seine großen Augen fanden sich in völliger Dunkelheit besser zurecht als in grellem Licht.
    Der Korridor endete abrupt vor einer verriegelten, eisenbeschlagenen Tür, die mit einer Metallstange gesichert und mit einer schweren Kette und einem Vorhängeschloß versehen war. Drizzt hatte auf einmal Gewissensbisse, daß er Wulfgar zurückgelassen hatte. Aber für ihn stand an erster Stelle immer der Nervenkitzel der Schlacht und dicht dahinter die Erregung beim Aufspüren einer Beute oder seiner besiegten Feinde. Es war seine Schwäche, daß er beiden schwer widerstehen konnte. Es waren jedoch nicht das Gold und die Edelsteine, die ihn bei dieser Schatzsuche reizten. Reichtum interessierte ihn nicht, und er hatte von den Schätzen, die er gewonnen hatte, kaum etwas für sich behalten. Es war einfach die Erregung, die er bei dem ersten Blick auf einen Schatz verspürte, das prickelnde Gefühl, wenn er ihn begutachtete und vielleicht ein sagenhaftes Artefakt, das seit Jahrhunderten verschollen war, oder das Zauberbuch eines uralten, mächtigen Magiers fand.
    Als er einen kleinen Dietrich aus seiner Gürteltasche zog, lösten sich seine Schuldgefühle Wulfgar gegenüber auch schon wieder auf. Zwar hatte er dieses Handwerk niemals erlernt, aber in seiner Flinkheit stand er einem Meisterdieb in nichts nach. Mit seinen geübten Fingern und seinem empfindlichen Gehör stellte das einfache Schloß für ihn keine besondere Herausforderung dar und war in Sekunden geöffnet. Zunächst lauschte er allerdings sorgsam auf Geräusche hinter der Tür. Doch als er nichts hörte, hob er die schwere Stange hoch und legte sie beiseite. Nachdem er noch einmal gehorcht hatte, zog er einen Krummsäbel, hielt erwartungsvoll den Atem an und stieß die Tür auf.
    Mit einem enttäuschten Seufzer atmete er aus. Er sah in einen kleinen Raum hinein, der von dem blassen Licht zweier Fackeln beleuchtet wurde. Er enthielt nur einen großen Spiegel mit einer Metallfassung. Drizzt wußte, daß solche Gegenstände seltsame magische Eigenschaften an den Tag legen konnten, und näherte sich dem Spiegel von der Seite, um ihn genauer zu untersuchen.
    Er war ungefähr halb so groß wie ein Mensch, aber da er auf einem kunstvoll gearbeiteten Eisenständer ruhte, befand er sich mit dem Betrachter auf Augenhöhe. Sein Rahmen war versilbert, und außerdem wurde er in diesem entlegenen Raum aufbewahrt, und aus diesen Gründen war Drizzt überzeugt, daß es kein gewöhnlicher Spiegel war. Aber trotz eingehender Überprüfung konnte er keine geheimen Runen oder Zeichen erkennen, die auf geheimnisvolle Eigenschaften hindeuteten.
    Da er nichts Ungewöhnliches feststellen konnte, trat Drizzt unbekümmert vor das Glas. Plötzlich begann rosafarbener Nebel in dem Spiegel aufzuwirbeln, so daß es schien, als könnte das flache Glas einen dreidimensionalen Raum darstellen. Eher aus Neugierde als aus Angst sprang Drizzt zur Seite und beobachtete, was geschah.
    Der Nebel wurde dichter und blähte sich auf, als würde er von einem verborgenen Feuer unterhalten. Dann lichtete er sich in der Mitte, und das Bild eines Männerkopfes wurde sichtbar. Es war ein hageres, eingefallenes Gesicht und sah aus wie in der Tradition einer der südlichen Städte gemalt.
    »Warum störst du mich?« fragte das Gesicht in den leeren Raum vor dem Spiegel hinein. Drizzt tat noch einen Schritt zur Seite, um sich vollständig aus dem Blickfeld der Erscheinung zu entfernen. Er überlegte, ob er sich dem geheimnisvollen Magier zeigen sollte, aber kam

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