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Die Katze riecht Lunte

Die Katze riecht Lunte

Titel: Die Katze riecht Lunte
Autoren: Rita Mae Brown
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auf Rick und dich gewartet habe. Sie sagte, Ned erwartet dich in der First Virginia zum Reenactment am Oak Ridge.«
    »Ich ruf ihn an.«
    »Ich wusste gar nicht, dass du bei dem Schlachtenkram mitmachst.«
    »Mach ich auch nicht. Sie sind knapp an Leichen.«
    »Ist die Ausrüstung nicht teuer?«
    »Ja, aber darf ich mich beklagen, wo ich mir gerade einen Turbo gekauft habe?« Er lachte. »Ein paar von diesen Burschen sind ein bisschen extrem, aber ich freu mich drauf.«
    »Extrem?«, wiederholte Mrs Murphy sarkastisch, als sie in die Küche zurückging, wobei sie Harry betont mit Missachtung strafte. »Die sind plemplem.«
    »Ich find’s faszinierend.« Tucker setzte sich auf Blairs Fuß.
    »Du findest alles faszinierend, was mit Leichen zu tun hat.«
    »Tja, Hunde essen Aas. Das ist wohl ihre Aufgabe im Leben.« Pewter drückte sich an die Kühlschranktür. »Die Müllabfuhr der Natur.«
    »Menschen hängen Wild tagelang nach draußen«, gab Tucker zurück.
    »Am besten nimmt man es gleich nach dem Töten aus, sonst schmeckt es grässlich.« Mrs Murphy war nicht scharf auf Wildfleisch, aber sie aß es, wenn es in Buttermilch zubereitet war.
    Pewter bewegte sich wieder auf den Tisch zu. »Beim Reenactment gibt es gar keine Leichen, bloß Menschen, die so tun, als wären sie tot.«
    Tucker kicherte. »Wie die Dinge stehen, könnte es bei der kommenden Ausschusssitzung ein paar Tote geben.«
    Pewter wandte ihre volle Aufmerksamkeit Harry zu, die ein paar dünn geschnittene Scheiben Roastbeef aufgetischt hatte.
    »Bleib auf dem Boden.« Harry las ihre Gedanken, was unter den gegebenen Umständen nicht schwierig war.
    »Ein winziges Stückchen«, bettelte Pewter.
    »Mir auch.« Tucker hatte sich in Miss Allerliebst verwandelt.
    »Nein«, sagte Harry ohne große Überzeugung.
    »Sie wird schwach, wenn du dich neben den Stuhl setzt.« Pewter eilte auf Harrys rechte Seite.
    »Das sagst du jedes Mal.« Die Tigerkatze lachte, eilte aber an Blairs Seite, weil sie damit rechnete, dass er eher schwach werden würde als Harry.
    »Ich hatte keine Ahnung, dass Sir H. Vane-Tempest Sheriff Shaw so oft nervt.«
    »Sturm im Wasserglas, wie Miranda immer sagt.« Harry steckte ihr Messer in einen Topf mit cremigem hausgemachtem Senf. »Aber Archie legt sich mit allen an. Auch wenn es so aussieht, als wären er und H. Vane in einer Phase politischer Einigung. Er legt sich sogar mit Mim an.«
    »Sehr unklug.«
    »Sich auf die falsche Seite von Sir H. zu stellen ist auch nicht klug. Sein Nettovermögen ist höher als das Bruttosozialprodukt von Chile.«
    »Mrs Murphy, was weißt du über H. Vane?« Tucker ließ Harrys Hände nicht aus den Augen.
    »Er hat weder Katzen noch Hunde, was auf ein leeres Dasein schließen lässt.«
    Blair warf ihr eine Scheibe Roastbeef hin, die sie manierlich verzehrte.
    »Gehst du zu der Ausschusssitzung?«, fragte Harry ihren Gast.
    »Darauf kannst du wetten. Das wird die beste Show dieses Frühjahrs.«

 
4
     
    Archie Ingram, ein gut aussehender Mann Anfang vierzig, lächelte den Versammelten zu. Lediglich das Zucken in seinen Wangenmuskeln verriet seine Anspannung. Das Klassenzimmer in der Highschool von Crozet quoll über von Menschen, viele standen im Flur. An einem Anschlagbrett hinter dem Lehrerpult hing eine topografische Karte des Bezirks.
    »Ich habe Ihnen doch gesagt, wir sollten in die Aula gehen«, beschwerte sich Archie bei Jim Sanburne, dem Bürgermeister von Crozet und Mims Ehemann. Als Bürgermeister hatte er den Vorsitz über die Bezirksversammlung in seiner Stadt.
    »Archie, an diesen Versammlungen nehmen gewöhnlich drei Personen teil, die eine Nutzungsänderung für einen Wohnwagen, ein Geschäft oder ein Pflegeheim beantragen wollen. All die Leute sind einzig und allein deshalb hier, weil Sie in ein Wespennest gestochen haben.«
    »Schwachsinn«, blaffte Archie den großen jovialen Mann an.
    Jim beachtete ihn nicht weiter und winkte Reverend Herbert Jones zu.
    »Jim, ich habe meine Wünschelrute mitgebracht.« Herb hielt die hölzerne Rute in die Höhe, die sich allen Unkenrufen zum Trotz bestens bewährte.
    »Auch das noch«, murmelte Archie vor sich hin. Sein Blick schweifte forschend durch den Raum und verweilte eine Sekunde bei der schönen Sarah Vane-Tempest, bevor er schleunigst weiterwanderte.
    »Was?«, fragte Jim.
    »Wo bleibt Tommy Van Allen?«, erkundigte sich Archie. »Ich werde diese Versammlung nicht noch einmal seinetwegen verschieben.«
    »Ich weiß es nicht. Ich habe

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