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Der schwarze Joker

Der schwarze Joker

Titel: Der schwarze Joker
Autoren: Boris Pfeiffer
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Schrottkünstler
    Â»Wunderbar! Einfach wun-der-bar! Wirklich, Mr Jonas, Sie sind der wunderbarste Gebrauchtwarenhändler aller Zeiten! Wie Sie das gemacht haben, das ist einfach …«
    Â» … wunderbar«, ergänzte Peter Shaw grinsend den Satz der grell geschminkten Dame, die gerade einen Freudentanz mitten auf dem Schrottplatzaufführte und ihren Satz in diesem Moment genau so beendete, wie Peter es vorhergesagt hatte: » … wuuun-der-bar !«

    Justus Jonas und Bob Andrews verkniffen sich das Lachen. Die drei ??? waren gerade dabei, für Justus’ Tante Mathilda aufzuräumen. Das gehörte wahrhaftig nicht zu ihren Lieblingsaufgaben. Seit über zwei Stunden schleppten Peter und Justus riesige alte Sofas und andere Einrichtungsgegenstände in eine Ecke, während Bob kistenweise Geschirr auf einen Verkaufstisch stapelte. Die letzten Minuten allerdings waren äußerst unterhaltsam gewesen. Die grell geschminkte Dame, Mrs Penelope Miller, war eine der ältesten Stammkundinnen von Onkel Titus und außerdem eine bekannte Schneiderin in Rocky Beach. Sie nähte für sämtliche Teilnehmerinnen ihres Kaffeekränzchens, für den Kuchenbackklub und überhaupt für nahezu jede ältere Dame des kalifornischen Küstenstädtchens schicke Kleider. Und wenn Mrs Miller gerade nicht hinter ihrer Nähmaschine saß, war sie immerauf der Jagd nach originellen Stoffen, die ihren Kundinnen gefielen. Diese suchte sie auch gerne im Titus’ Jonas Gebrauchtwarencenter , wie Justus’ Onkel seinen Schrottplatz offiziell nannte.
    Diesmal hatte sich Onkel Titus selbst übertroffen und mit einem besonderen Fund selbst Mrs Miller für eine halbe Minute zum Schweigen gebracht. Er hatte nämlich in einer Baumwollfabrik mehrere Ballen herrlich geblümter Stoffe aufgetan, welche die Schneiderin in ungebremstes Entzücken versetzten. Mit känguruartigen Sprüngen hüpfte sie über den Schrottplatz und rief: »Also, diese Bluuuumenmuster ! So etwas Köstliches! Und sooo gute Qualität! Die findet man heute ja gar nicht mehr. Einfach wunderbar, wunderbar, wunderbar !«
    Onkel Titus strahlte die rundliche Dame an. »Ja, und ich habe die Stoffe auch besonders günstig erwerben können. Für zehn Dollar pro Ballen gehören sie Ihnen.«
    Mrs Miller zückte sofort ihr Portemonnaie. »Abgemacht! Ich nehme alle zwölf Stoffballen. Aber wie soll ich die nur nach Hause schaffen? So viel kann ich beim besten Willen nicht alleine tragen.«
    Justus setzte ruckartig das Sofa ab, das Peter und er gerade trugen und sah seine Freunde hoffnungsvoll an. »Das ist die Gelegenheit, uns aus dem Staub zu machen«, flüsterte er. »Tante Mathilda hat bestimmt nichts dagegen, wenn wir für meinen Onkel den Stoff wegbringen. Und wenn wir uns auf dem Rückweg Zeit lassen, müssen wir heute nicht mehr weiter hier schuften.«
    Das ließ sich Peter nicht zweimal sagen. »Super Plan«, verkündete er und ließ das Sofa ebenfalls auf den Boden plumpsen, sodass eine Staubwolke aus den alten Polstern auffuhr. »Mir kommt der Staub sowieso schon aus den Ohren.«
    Aber Bob deutete auf mehrere Stapel alter Kaffeetassen und Teller vor sich. »Freunde, ich möchte mein modernes Kunstwerk hier ungerne alleine lassen. Seht doch nur, diese wunderbar aufgestapelten Teller und Tassen. Sehen sie nicht aus wieeine Nachbildung der Rocky Mountains aus Blümchengeschirr?«

    Peter riss den Mund auf. »Bist du irre? Was redest du denn da? Ab durch die Mitte, aber flott!«
    Doch Bob nahm in aller Seelenruhe seine Brille ab und legte einen Bügel zwischen die Lippen. »Aber Peter, ich werde eines Tages ein berühmter Schrott- und Scherbenkünstler sein, und du stehst hier gerade vor meinem ersten Werk.« Er legte die Stirn in nachdenkliche Falten und murmelte: »Allerdings müsste der Tellerturm dort hinten links zwei Teller höher sein. Und dahinter würde sich eine alte Waschmaschine sehr gut machen. Hast du vielleicht eine gesehen, Peter, die du schnell mal holen könntest?«
    Jetzt starrten Peter und Justus ihren Freund mit großen Augen an. Ȁh, Bob? Das ist doch wohl nicht dein Ernst?«, fragte Justus entsetzt.
    Bob setzte sich seine Brille wieder auf und grinste breit. »Reingefallen, Freunde! Ich kann das Geschirrzeug schon lange nicht mehr sehen. Und wisst ihr was? Wir könnten auf dem

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