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Der Bewacher - Swierczynski, D: Bewacher - Fun & Games

Der Bewacher - Swierczynski, D: Bewacher - Fun & Games

Titel: Der Bewacher - Swierczynski, D: Bewacher - Fun & Games
Autoren: Duane Swierczynski
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Ihr Magen fühlte sich ganz rau an.
    Sie war im Gespräch für einen Film gewesen, der eine todsichere Sache zu sein schien: Produzenten, Regisseur, Autor und Hauptdarsteller waren bereits an Bord, das Ja des Studios war nur noch reine Formsache. Es war zwar nur eine Nebenrolle, doch so einen prestigeträchtigen Film hatte sie seit Jahren nicht mehr gedreht. Mit so einer Rolle würden die Leute wieder auf sie aufmerksam werden: Wow, da spielt sie mit? Ich hab mich schon gefragt, was aus ihr geworden ist. Und dann hatte sich alles in nicht mal einer Stunde zerschlagen.
    Fast die ganze letzte Woche hatte sie in ihrem Apartment in Venice verbracht, vor sich hingebrütet, hatte kaum etwas gegessen und getrunken, und auch den Fernseher nicht eingeschaltet  – Gott bewahre, wenn eine ihrer Scheißproduktionen liefe, oder, noch schlimmer, irgendeine Scheißproduktion, für die man sie nicht hatte haben wollen.
    Also war sie heute Abend zu einer langen nächtlichen Spazierfahrt aufgebrochen. Genug gegrübelt. Sie hoffte, dass die Meeresluft ihre trüben Gedanken fortfegte. Ja, am besten den Großteil der letzten drei Jahre …
    Da tauchten die Scheinwerfer wieder auf. Sie kamen auf sie zugeschossen, klebten förmlich an ihrer Stoßstange.
     
    Anzahl der Autounfälle pro Jahr: 43 200.

     
    Sie trat aufs Gaspedal und riss das Lenkrad herum und schaffte mit qietschenden Reifen  – knapp  – die nächste Serpentine.
    Der Mistkerl blieb direkt hinter ihr.
    Am schlimmsten war, dass sie jenseits ihrer Scheinwerfer kaum etwas erkennen konnte und blitzschnell eine Entscheidung nach der anderen treffen musste. Es gab keine freie Fläche, um rechts ranzufahren und ihn vorbeizulassen. Falls er überhaupt vorhatte, sie zu überholen.
    Sie fragte sich, warum sie annahm, dass es sich um einen Mann handelte.
    Und dann fiel es ihr wieder ein. Na klar.
    Sie wusste, dass die Decker Canyon Road irgendwo den Mulholland Highway kreuzte. Ja, dort stand sogar ein Stoppschild. Dort würde sie liebend gerne halten und ihm beide Stinkefinger zeigen, während er vorbeifuhr.
    Wie weit war es bis dahin noch? Sie konnte sich nicht erinnern. Es war Jahre her, dass sie auf der Straße unterwegs gewesen war.
    Die Fahrbahn schlängelte, wand und krümmte sich und stieg weiter an, die Reifen klammerten sich an den Asphalt, so gut sie konnten, während die Scheinwerfer hinter ihr auf und ab tanzten und hin und her schlingerten, als würde sie von einer gigantischen elektrischen Wespe verfolgt werden.
    Schließlich wurde die Straße flacher  – etwas, an das sie sich jetzt wieder erinnerte. Von hier verlief sie vierhundert Meter gerade durch ein Tal, dann folgten erneut mehrere halsbrecherische Kurven, hinauf ins nächste Tal. Kurz nachdem sie die ebene Strecke erreicht hatte –

    … trat sie aufs Gas …
    100, 110, 120
    … die elektrische Wespe fiel weiter zurück …
    130
    Ha, fick dich!
    Sekunden später erreichte der Lexus die nächsten Serpentinen; sie musste jetzt nur noch durch die Kurven schlingern und den Abstand vergrößern. Sie trat auf die Bremse, aber nur leicht  – denn sie wollte nicht an Schwung verlieren.
    Doch mitten in der Kurve tauchten die elektrischen Augen wieder auf.
    Verdammt!
    Er blieb direkt hinter ihr, in jeder Kurve, bei jedem Wendemanöver. Es schien, als machte der Wagen da hinten sich über sie lustig. Was du auch tust, ich kann es besser.
    Als sie in der Ferne schließlich das rot schimmernde Stoppschild am Mulholland Highway erblickte, sagte sie sich, scheiß drauf. Setzte den Blinker. Drosselte das Tempo. Und bog auf den schmalen Randstreifen, der jetzt neben der Straße auftauchte. Los, fahr vorbei. Ich halte. Halte und schreie vielleicht ein bisschen, mir reicht’s. Vielleicht merke ich mir auch dein Kennzeichen. Und rufe doch noch die Highway Patrol an, du rücksichtsloses Arschloch.
    Rutschend kam sie mit dem Lexus zum Stehen. Zum ersten Mal seit sie den Pacific Coast Highway verlassen hatte, was ihr wie eine Ewigkeit vorkam.
    Der Wagen, der sie verfolgt hatte, hielt neben ihr.
    Scheiße .
    Sie griff nach ihrem Handy und drückte gleichzeitig die
Zentralverriegelung. Offensichtlich handelte es sich bei dem anderen Wagen um einen beschissenen Chevy Malibu, ausgerechnet. In irgendeinem hellen Farbton  – das konnte man in der Dunkelheit nicht genau erkennen. Der Fahrer stieg aus, sah über sein Dach hinweg zu ihr herüber und forderte sie mit einer Geste auf, das Fenster runterzulassen.
    Mit dem

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