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Der Bewacher - Swierczynski, D: Bewacher - Fun & Games

Der Bewacher - Swierczynski, D: Bewacher - Fun & Games

Titel: Der Bewacher - Swierczynski, D: Bewacher - Fun & Games
Autoren: Duane Swierczynski
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gefühllos. Das kam von der Kugel im Bizeps.
    Aber seine rechte Hand …
    Hardie krümmte das Gelenk, bis er mit Zeige- und Mittelfinger den Riemen berührte. Es war ein kräftiger, elastischer Riemen. Er krümmte die Hand noch weiter und schaffte es, zwei Fingerkuppen darunter zu schieben und dagegen zu drücken. Der Riemen bewegte sich ein klitzekleines Stück. Immerhin etwas. Das war ein Anfang.
    »Scheiße, ich hab’s dir doch gesagt. Sieh nur, wie sich da hinten alles staut!«
    »Keine Sorge. Das löst sich wieder auf. Wir kommen schon ans Ziel.«
    Der Riemen gab erneut etwas nach. Wenn er es schaffte, die Schlaufe zu lösen, dann konnte er vielleicht so stark daran ziehen, dass der Stift aus der Metallöse glitt …
    »Oh Mann.«
    »Entspannst du dich jetzt? Bist du überhaupt schon mal mit dem Auto durch L. A. gefahren? Ich meine, außer in Sherman Oaks, oder wo zur Hölle du wohnst?«

    »Hey. Nichts Persönliches, schon vergessen?«
    »Du gehst mir mit deinen Ratschlägen ganz persönlich auf die Nerven.«
    … und wenn er dann seinen rechten Arm freibekäme, tja, dann wäre Hardie wieder mit von der Partie. Er war nämlich neben den Kästen und Fächern auf der rechten Seite eingepfercht, und mit ausgestreckter Hand könnte er eine der Nadeln, ein Skalpell oder irgendeinen anderen scharfen Gegenstand über sich erreichen. Wenn der Sanitäter sich umdrehte, könnte Hardie ihm das Ding in den Oberschenkel rammen …nein, noch besser, es auf einen seiner Hoden richten, egal, welchen, und seinen Kollegen hinterm Steuer auffordern, rechts ranzufahren und ihm ein Handy zu geben. Andernfalls würde Hardie ihnen etwas Hoden-Schaschlik kredenzen …
    Genau in diesem Moment, als würde er plötzlich über eine Art übersinnlicher Wahrnehmung verfügen, warf der Sanitäter mit den dunkelblonden Haaren einen Blick in Hardies Richtung und zuckte unwillkürlich zusammen.
    »Scheiße, er hat die Augen geöffnet!«
    »Was?«
    »Er versucht mit seiner Hand einen der Riemen zu lösen.«
    Wer? Ich? Einen Riemen lösen? Hardie ließ seine Hand sinken und tat, als wüsste er von nichts oder wäre verwirrt … Hauptsache, es wirkte überzeugend. Mit gespielter Benommenheit verdrehte er die Augen, schluckte und fragte: »Wie spät ist es?« Alles hing davon ab, ob er sein Handgelenk freibekam …

    »Er tut was ?«, fragte der Fahrer.
    »Äh, er ist jedenfalls wach.« Der Sanitäter schnippte mit seinen Fingern vor Hardies Gesicht. »Kannst du, also … sehen, was ich hier tue?«
    »Bitte«, sagte Hardie. »Wie spät ist es?«
    Als sich der Sanitäter dicht zu ihm vorbeugte, fummelte Hardie erneut mit den Fingern seiner rechten Hand herum, und ihm wurde schwindelig. Sein Schädel hämmerte, und er sah nur noch unscharf. Vielleicht hatte man ihn nicht ohne Grund festgeschnallt. Weil er seinen Kopf nicht bewegen sollte. Drauf geschissen. Er wollte nicht im Heck eines Krankenwagens bei diesen Idioten liegen. Selbst wenn sein letztes Stündlein geschlagen hatte, gab es keinen Grund, in der Gegenwart von Arschlöchern zu sterben. Er versuchte erneut, an dem Riemen zu ziehen, er krümmte seine Hand so stark, dass es sich anfühlte, als würden seine Sehnen gleich reißen …
    Über ihm wühlte der Sanitäter in einer Kiste und nahm eine Spritze heraus, dann durchstöberte er eine weitere, bis er eine Ampulle gefunden hatte.
    »Nehmen wir noch was von dem Mittelchen«, sagte er mit Blick auf Hardie. »Glaub mir, Kumpel, egal, was passiert, du willst nicht bei Bewusstsein sein.«
    »Bitte, hör mir zu …«
    »Pssst.«
    »Hör mir zu, du beschissenes Ar…«
    Das Mittel schoss durch den Katheter, und etwas Kühles und Feuchtes rieselte über Hardies Hirn.
    Er hörte einen letzten Wortwechsel, bevor um ihn alles schwarz wurde:

    »Mann, er hätte nicht aufwachen dürfen. Auf gar keinen Fall. Bei den Unmengen, mit denen ich ihn vollgepumpt habe.«
    »In diesem Job erlebt man dauernd komische Sachen.«
     
     
    Lesen Sie weiter in:
     
    Duane Swierczynski
DER WÄRTER
    eISBN: 978-3-641-07624-5

Die Originalausgabe FUN & GAMES
erschien 2011 bei Mulholland Books,
an imprint of Little, Brown and Company.
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Vollständige deutsche Erstausgabe 11/2011
    Copyright © 2011 by Duane Swierczynski
    Copyright © 2011 der deutschsprachigen Ausgabe
by Wilhelm Heyne Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
    Satz: Leingärtner, Nabburg
     
    eISBN

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