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Das Kellerzimmer - Gesamtausgabe

Das Kellerzimmer - Gesamtausgabe

Titel: Das Kellerzimmer - Gesamtausgabe
Autoren: Lesley Marie Milton
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Teil 1
    Wenn Ingmar diesen Schmierlappen bereits vorm Frühstück sah, war seine Laune für den Rest des Tages miserabel. Wie dieser Wichtigtuer schon aussah! Er machte seinem Namen mal wieder alle Ehre – Don Fetti nannten Lisa und Ingmar ihren Nachbarn, der sich heute offenbar noch mehr Pomade als sonst ins Haar geschmiert hatte. Widerlich. Wie konnte man nur so rumlaufen? Ingmar versteckte sich auf seinem üblichen Posten schräg am Flurfenster und beobachtete Don Fetti. Der Kotzbrocken stieg in seinen Sportwagen, schaute in den Rückspiegel und rückte die Brille zurecht. Ingmar schnaubte verächtlich und murmelte „Viel Spaß in deinem feinen Büro, Herr Zielke.“ Dann ging er in die Küche und setzte sich an den ungedeckten Tisch. Was für eine Schlamperei! Es war fast sieben Uhr und die Alte war noch nicht unten. Die erwartete ja hoffentlich nicht, dass er sich sein Frühstück selbst machte.
    „Lisa! Mach mal hinne, ich brauch meinen Kaffee. Und hol die Zeitung rein!“ Ingmar würde in einer Stunde zusammen mit dem neuen Kollegen im Autohaus stehen und versuchen den Monatsumsatz in erträgliche Höhen zu treiben. Wenn das den Rest des Februars so weitergehen würde, sah er schwarz für den Familienurlaub dieses Jahr. Sie fuhren jedes Jahr an die Ostsee in eine kleine Pension direkt an der Strandpromenade. Mit vier Personen kam man da für zwei Wochen schon mal auf dreitausend Euro, wenn man alles zusammenrechnete. Das Konto war aber schon jetzt bei Tausend in den Miesen.
    Die Klassenfahrt für Julia würde er streichen; er hielt es ohnehin für eine Schnapsidee in der neunten Klasse nach Holland zu fahren. Wieso blieben die nicht in der Nähe und machten einen Schulausflug ins Heuhotel? Da könnte er dann auch jeden Abend nach dem Rechten schauen. Heimlich natürlich. Die anderen Gymnasial-Eltern fanden es offenbar total in Ordnung, dass eine fünftägige Klassenfahrt mal eben 350 Euro kostete. Nein, es war klar: Julia blieb zu Hause. Könnte Lisa ihr dann beibringen, er hatte auf das Theater keine Lust und genug mit der Arbeit zu tun.
    Lisa kam in die Küche und lächelte ihren Mann zärtlich an. Sie beugte sich zu ihm hinunter und gab ihm einen langen Kuss. Mit Zunge. Ingmar konnte ihr nie lange böse sein. Sie sah gut aus, genau genommen war sie die schönste Frau in der ganzen Straße, von der Schlampe am Ende der Veilchengasse mal abgesehen. Im Sommer würde Lisa 40 werden, aber das sah man ihr wahrhaftig nicht an. Gierig griff er ihr an den Hintern und zog sie zu sich auf die Küchenbank. Am liebsten würde er sie gleich hier nehmen, aber er hörte schon die Kinder an der Treppe streiten und raunte ihr zu: „Heute Abend bist du fällig, meine Schöne.“ Sie griff ihm einmal kurz zwischen die Beine und schnurrte leise: „Ich werde dich nicht enttäuschen.“ Gott, wie verrückt er nach ihr war. Ihn plagte sein Ständer und er fühlte sich wie ein verknallter Schuljunge, doch er musste in einer viertel Stunde los.
    „Schmier mir mal eben ein paar Brote, ich ess bei der Arbeit“, sagte er. Julia bemerkte die knisternde Erotik zwischen ihren Eltern, als sie sich mit einem verschlafenen „Guten Morgen“ an den Tisch setzte und von ihrer Mutter bedienen ließ. Die Fünfzehnjährige mochte es, dass Ingmar und Lisa immer noch so verliebt ineinander waren. In ihrer Klasse war fast jeder Zweite ein Scheidungskind, doch das würde in ihrer Familie nie passieren. Ihr Vater war total verschossen in ihre Mutter – und das konnte Julia sehr gut verstehen.
    Mama sah toll aus. Im Urlaub wurden sie dauernd für Schwestern gehalten und sie konnten immer die Klamotten tauschen. Die meisten anderen Mütter waren fett und ungepflegt, aber ihre Mama ließ sich nicht gehen. Sie passte immer noch in ihr Hochzeitskleid in Größe 36 und ging einmal im Monat zum Frisör und zur Kosmetikerin. Dafür konnte sich Julia weniger Sachen kaufen, aber nun verdiente sie ja endlich Geld mit Zeitung austragen. Hoffentlich würde Papa ihr die 120 Euro auch wirklich lassen. Da konnte man nie so sicher sein. Das Weihnachtsgeld von Oma hatte er sich einfach genommen, als sie in der Schule war und hinterher nur einen Zettel in die Holzkiste gelegt. „Bekommst du wieder, aber ohne Zinsen.“ Julia traute sich nicht, Papa daran zu erinnern, denn dann würde er bestimmt sauer werden. Ihnen ging es ja eigentlich auch wirklich gut.
    Zu dritt verließen sie das Haus. Ingmar setzte sich in seinen Firmenwagen und fuhr zur Arbeit. Sebastian

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