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Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker (German Edition)

Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker (German Edition)

Titel: Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker (German Edition)
Autoren: David Wong
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Also, wenn Sie wissen wollen, wie krank diese Stadt wirklich ist, hören Sie mir zu: Letzten Sommer bin ich mit meinem Freund John losgezogen, um seinen Geburtstag zu feiern. Spät nachts, als wir einigermaßen betrunken waren, fuhren wir aus der Stadt raus, hin zum alten Wasserturm, um da runterzupinkeln. Das ist eine Art Ritual und schon seit 20 Jahren fester Bestandteil von Johns Geburtstag (er hat damit angefangen, als er fünf wurde, was eigentlich mehr über seine Eltern aussagt als über John). Diesmal war es etwas Besonderes, denn der alte Wasserturm sollte, so hieß es, abgerissen werden und ein neuer, moderner gebaut werden, und es sah nicht danach aus, als wäre dort auch eine Plattform zum Runterpissen vorgesehen, denn die guten alten Zeiten sind endgültig vorbei. In dieser Welt ist kein Platz mehr für Männer. Egal. Jedenfalls war es zwei Uhr morgens, und wir pissten abwechselnd vom Turm – gleichzeitig geht nicht, wir wurden ja nicht von Wölfen großgezogen –, und als ich dran war und den unbeschreiblichen Augenblick genießen wollte, wo der lange Strahl meines Urins sich mit der Erde unter mir verband, entdeckte ich plötzlich in der Ferne das Licht von Scheinwerfern. Mehrere, drüben am Highway, nur eine Viertelmeile von da entfernt, wo ich gerade pisste. Das genügte, um meine Aufmerksamkeit zu erregen, denn das ist keine vielbefahrene Strecke, zu keiner Tageszeit, und vor allem nicht in den frühen Morgenstunden eines ganz normalen Wochentags. Als die Scheinwerferlichter näher kamen, sah ich, dass sie zu einem Konvoi schwarzlackierter Militärfahrzeuge gehörten.
    Ich blinzelte und schrie: „Ist das eine Invasion oder so was? Ich bin viel zu betrunken, um die zurückzuschlagen.“
    Hinter mir sagte John: „Schau dir mal den an. Den letzten, ganz hinten …“ Mein Strahl versiegte abrupt, weil ich auf keinen Fall pissen kann, wenn jemand mit mir redet. Mein Blick fing die hinteren Scheinwerferlichter ein, und ich sah, dass sie langsam hin und her schwenkten – der Wagen schien außer Kontrolle geraten zu sein. Dann krachte es auch schon, und das Ding verkeilte sich leise knirschend in einem Telefonmast.
    Der übrige Konvoi fuhr einfach weiter.
    Noch ehe ich den Reißverschluss zuhatte, stieg John die Leiter runter. Ich folgte ihm lallend und protestierend, und irgendwie gelang es uns, dabei nicht abzustürzen. John sprang in meinen rostigen Ford Bronco, und ich schaffte es gerade noch auf den Beifahrersitz, ehe wir schon an Maisfeldern vorbei die Straße runterrasten. John hielt den Bronco im Tarnmodus, Lichter aus.
    Wir fanden den kaputten Truck (der wie ein Geldtransporter aussah, an dem man die Nummernschilder abgeschraubt hatte) am Straßenrand. Der rauchende Kühlergrill vermittelte den Eindruck, als wolle er den Holzmast fressen. Wir waren allein, es war still, und keiner aus dem Konvoi schien nach dem verunglückten Wagen sehen zu wollen. Doch ich war damals zu betrunken, um dasseltsam zu finden. Vorsichtig näherten wir uns dem Wagen. John steuerte direkt auf die Fahrertür zu, wahrscheinlich um zu sehen, ob der Fahrer verletzt war. Er spähte von außen durchs Fenster, riss die Tür auf und blieb dann wie angewurzelt stehen.
    „Was? Was ist los, John?“
    John zeigte keine Reaktion.
    Ich sah nervös den Highway runter und fragte noch mal: „Was ist denn? Ist er tot?“
    Wieder keine Reaktion.
    Ich kam näher und schaute widerwillig auf den Fahrersitz. Jetzt war ich an der Reihe, mit offenem Mund dazustehen und den Gestank des auslaufenden Frostschutzmittels einzuatmen. Zuerst dachte ich, der Fahrersitz sei leer, was nicht allzu verwunderlich gewesen wäre – der Fahrer hätte immerhin vor unserer Ankunft benommen wegtaumeln können. Aber der Platz war nicht leer. Auf dem Fahrersitz saß G.I. Joe. Ihr wisst schon, eine dieser 15 cm großen Actionfiguren. Sie war halb verdeckt vom Sicherheitsgurt. Irgendwer hatte sie damit umwickelt.
    John und ich standen da, kämpften gegen den Wodka-Rausch an und versuchten uns beide einen Reim auf das zu machen, was wir da sahen. Aber auch nüchtern machte die Sache keinen Sinn. Hier hatte ein Fahrer seinen Truck an einen Mast gesetzt, und bevor er abgehauen war, war es ihm wichtig gewesen, einen Spielzeugsoldaten auf dem Fahrersitz zu platzieren und anzuschnallen. Warum nur? Damit die Sanitäter dachten, die Toy Story sei wahr geworden?
    John zog den Zündschlüssel ab und schloss die Fahrertür. Er blickte sich um, suchte offenbar immer noch

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