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Conan-Saga 47 - Conan das Schlitzohr

Conan-Saga 47 - Conan das Schlitzohr

Titel: Conan-Saga 47 - Conan das Schlitzohr
Autoren: John Maddox Roberts
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1. K APITEL
     
    Der kleine Mann
     
     
    Der Becher aus gehärtetem Leder knallte auf die Tischplatte, die von Weinflecken übersät war und überall Kerben und Spuren von unzähligen Kneipenschlägereien aufwies. Die Hand, die den Becher hielt, war ebenfalls stark vernarbt. Um das kräftige Handgelenk lag ein korallenbesetztes breites Bronzearmband, das nicht nur ein Schmuckstück war, sondern auch als Waffe dienen konnte. Die Hand hob den Becher. Jetzt sah man vier Würfel, auf jedem war ein verschiedenes Bild: Schlange, Hund, Totenschädel und Dolch.
    »Der Bettler!« krähte ein Mann und nannte die niedrigste Möglichkeit beim Würfeln. »Du hast verloren, Cimmerier!«
    »Set!« stieß der Verlierer wütend hervor und betrachtete mit finsterer Miene die vier Elfenbeinwürfel. »Alle Götter sollen euch verfluchen und das Tier, aus dessen Zähnen ihr geschnitzt seid!«
    Der Sieger war ein Mann mit scharfen Zügen und kurz geschnittenem roten Haar. Jetzt raffte er seinen Gewinn zusammen, einen Haufen Silberlinge, unter denen man beim Schein der Fackeln aber auch einige Goldmünzen aus Nemedien funkeln sah. Heller noch glänzten die vielen Goldketten um den Hals des Rothaarigen und die Juwelen an seinen Fingern, alles Trophäen aus einer langen Glückssträhne.
    »Damit bin ich blank«, sagte der Verlierer und blickte verbittert in den leeren Würfelbecher. Die wulstige Innenseite garantierte, daß die Würfel richtig wirbelten. Es gab kein Anzeichen, daß jemand da manipuliert hatte. Und er wußte, daß die Würfel ehrlich waren – soweit man sagen konnte, daß Würfel ehrlich waren. Der Mann, der Conan gegenüber saß, war ein harter Bursche, aber er war nicht so dumm, den Cimmerier zu betrügen, den das Glück in letzter Zeit offenbar im Stich ließ.
    Der Cimmerier stellte den Becher auf den Tisch, lehnte sich an die hölzerne Säule und brütete über die vielen Gemeinheiten des Schicksals nach. Er hatte mit seinen Freunden als Söldner bei einem kleineren Kriegszug an der Grenze mitgemacht, als ein Satrap sich gegen den König von Nemedien empört hatte. Beim Sturm auf die Zitadelle des Satrapen hatten sie in vorderster Reihe gekämpft und waren mit wenig Verlusten, aber großer Beute daraus hervorgegangen.
    Mit prallen Börsen waren sie hierher nach Belverus gekommen und hatten sich im Schwert und Zepter niedergelassen, um ihre Beute mit Saufen, Huren und Spielen zu genießen. Einer nach dem anderen hatte seine Beute verloren und war allein mit dem Schwert weitergezogen, um neue Arbeit zu suchen. Schließlich waren nur noch Conan und der Rothaarige übrig, der Ingolf hieß und jetzt der endgültige Sieger war.
    »Du hast noch dein Schwert«, meinte Ingolf. »Willst du es für einen Wurf einsetzen? Alles oder nichts?«
    Conan berührte die Waffe, die in der Scheide an der Säule lehnte. Es war eine lange, breite Klinge, Hilt und Kreuzstange aus Stahl, der Griff aus Knochen, ohne jegliche Verzierung, so schlicht und streng in der Form, wie der Cimmerier seine Waffen liebte.
    »Nein, denn damit werde ich mehr Gold erbeuten, als du hast!«
    Ingolf zuckte mit den Schultern. »Wie du meinst. Laß mich dir noch einen letzten Krug Ale kaufen, ehe du aufbrichst, um dein Glück in der weiten Welt zu machen.« Das war Gepflogenheit unter Spielern, deshalb nickte der Cimmerier.
    Die Schankmaid, die das Ale brachte, hatte Conan in den letzten Tagen überreichlich ihre Gunst geschenkt, doch jetzt, als der Cimmerier pleite war, hatte sie nicht einmal ein Lächeln für ihn übrig. Hingegen behandelte sie Ingolf, als sei er ihr sehnlichst erwarteter Geliebter, der endlich aus dem Krieg zurückgekommen war.
    Wie der Würfelbecher war auch der Becher fürs Ale aus Leder. Er roch noch etwas nach dem Harz, mit dem seine Innenseite wasserdicht gemacht war. Der Cimmerier lehnte an der Säule, hatte einen Daumen in den breiten, mit Metallplättchen besetzten Gürtel gehakt und setzte den Becher an die Lippen. Die ärmellose Weste ließ seine muskulösen Arme sehen und den Hals, an dem die Sehnen wie dicke Schiffstaue hervortraten. Die knielangen ledernen Beinkleider und die mit Pelz besetzten Stiefel zeugten von langem Gebrauch. Außer dem Schwert waren sie jetzt der einzige Besitz des Cimmeriers. Vor wenigen Tagen hatte er Roß und Sattel verspielt, dazu auch den Bogen, Pfeile, die Lanze, den Schild und sogar seinen Dolch. Das ließ ihn jedoch kalt. Conan genoß liederliche und großzügige Zeiten. Er war sicher, mit seinen

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