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Bujold, Lois McMaster - Die magischen Messer 2

Bujold, Lois McMaster - Die magischen Messer 2

Titel: Bujold, Lois McMaster - Die magischen Messer 2
Autoren: Der magische Dolch
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erschließen. Auch das war eine Form der Essenzmanipulation. Dag blinzelte, um diese verwirrende Vorstellung loszuwerden, bevor er Kopfschmerzen bekam.
    »Das war also das zweite Mal «, stellte Fawn fest und folgte dem Gedanken weiter: »Also kann es, äh, zumi n dest mehr als einmal geschehen. Und wie es aussieht, musst es dir nicht einmal schlecht gehen, damit du es z u wege bringst. Das ist doch schon mal vielverspr e chend. «
    »Ich bin mir nicht sicher, ob ich es wieder tun kann. «
    »Das wäre eine Schande «, merkte Fawn in nachdenklichem Tonfall an, aber ihre Augen funkelten vergnügt. »Also versuch es beim nächsten Mal wieder, und dann werden wir ja sehen, hm? Und wenn es nicht geht, probieren wir einfach etwas and e res. Dir bleibt ja immer noch dein Einfallsreichtum zwischen den Decken. Das wird auch gut sein. « Sie nickte, kurz und en t schieden.
    »In Ordnung «, erwiderte Dag, und ihm schwirrte der Kopf. »Dann ist das ja geklärt. «
    Fawn ließ sich wieder auf die Decke plumpsen, schmiegte sich eng an ihn und umarmte ihn. »Darauf kannst du wetten. «
     
    Sie verweilten noch bis spät am nächsten Morgen auf der Lic h tung und versuchten, einige der Übungen vom Vo r abend zu wiederholen. Manches mit Erfolg, anderes nicht. Dag konnte seine Geisterhand nicht wieder herbe i rufen, womöglich, weil er zu entspannt war. Er selbst war darüber enttäuscht und erleic h tert zugleich, und wie Fawn angenommen hatte, fand er andere Möglichkeiten, um sie zufrieden zu stellen. Sie hatte allerdings das G e fühl, dass er sich ein bisschen zu sehr anstrengte. Das bereitete ihr Sorgen und half ihr überhaupt nicht dabei, sich zu entspannen.
    Sie fütterte ihn noch mit einem herzhaften, guten Frü h stück, und dann saßen sie wieder auf und gelangten gegen Mittag zurück auf die Flussstraße. Am späten Nachmittag ließen sie endlich das Tal hinter sich, und Dag folgte e i nem nicht gekennzeichneten Pfad Richtung Westen.
    Sie durchquerten ein ausgedehntes Stück Waldland, mitunter hintereinander auf gewundenen Trampelpfaden und manchmal nebeneinander auf breiteren Wegen. Fawn hatte bald vollko m men die Orientierung verloren – nun, wenn sie sich nach Osten hielt, würde sie bald g e nug wieder auf den Fluss stoßen. Also hatte sie sich g e nau genommen wohl nicht verlaufen, sondern wusste einfach nur nicht mehr, wie es weiterging. Aber Dag ha t te in dieser Hinsicht anscheinend keine Probleme.
    Zwei Tage lang schlugen sie sich durch diese stets gleich auss e henden Wälder. Aber womöglich war schl u gen sich auch zu drastisch ausgedrückt, wenn man b e dachte, wie früh sie Halt machten und wie spät sie mo r gens wieder aufbrachen. Zwei Mal konnte Dag seine Geisterhand wieder erscheinen lassen, zu ihrer Überraschung und zu ihrem Entzücken, und zwei Mal schaffte er es nicht. Weder für den einen noch für den anderen Fall gab es einen erkennbaren Grund, was ihn zutiefst verwirrte.
    Fawn fragte sich, warum er für diese Essenzfähigkeit eine so unheimliche Bezeichnung gewählt hatte. Und ob es nun klappte oder nicht, er sorgte sich in beiden Fällen gleichermaßen. Es war wohl schon eine Weile her, dass er nicht in jedem Auge n blick seines Lebens ganz genau wusste, was er tat. Vermutlich hatte er bereits vergessen, wie es sich anfühlte, wenn man sich in der Dunkelheit den Weg ertasten musste. Daher schnaubte Fawn nur über seine Probleme und hatte Mühe, das gebotene Mi t gefühl an den Tag zu legen.
    Allmählich wurde ihr bewusst, dass er die Reise ve r zögerte, trotz aller Sorge, dass seine Patrouille vor ihm am Hickory-See ankam, und das nicht nur aus dem offensichtlichen Grund he r aus, mehr gemeinsame Zeit unter den Decken für sie herausz u schlagen. Sie selbst wu r de immer neugieriger darauf, was wohl vor ihr lag, und i m mer begieriger, schneller voranzukommen. Allerdings dauerte es bis zum dritten Morgen, ehe sie wirklich die Reise beschleunigten, und das auch nur wegen eines dr o henden Wetterwechsels.
    Hohe, zerfranste Wolken, die sowohl bei den Landle u ten als auch bei den Seenläufern »Rührei « genannt wu r den, waren über Nacht von Westen herangetrieben und hatten bereits den indigofarbenen Abendhimmel mit großartigen rosa Streifen ve r ziert. Außerdem war die Luft schwer und dunstig, und beides waren Zeichen eines heranziehenden Sturms. Wenn er sich ausgetobt hatte, würde er vermutlich einen klaren und strahle n den Tag hinterlassen – aber vorher würde es ziemlich rau we r

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