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Bujold, Lois McMaster - Die magischen Messer 2

Bujold, Lois McMaster - Die magischen Messer 2

Titel: Bujold, Lois McMaster - Die magischen Messer 2
Autoren: Der magische Dolch
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den. Dag meinte, dass sie es bis zum späten Nachmittag bis zum See schaffen könnten.
    Gegen Mittag öffneten sich die Wälder zu einem schmalen Streifen Weideland entlang eines Flüsschens. Der Weg war breit und ausgefahren, und Fawn konnte wieder neben Dag einherreiten. »Du meintest mal, du würdest mir die Geschichte von Utau und Razi erzählen, wenn du entweder betrunkener oder nüchterner wärst. Im Augenblick siehst du ziemlich nüc h tern aus. «
    Er lächelte kurz. »Tue ich das? Nun, meinetwegen. «
    »Wie soll ich eine Vorstellung von dem gewinnen, was auf mich zukommt, wenn du nie über deine Leute sprichst? «
    »Ich bin mir nicht sicher, ob Utaus Geschichte dir in dieser Hi n sicht viel helfen kann. «
    »Vielleicht nicht. Aber wenigstens dürfte es mir dabei helfen, nicht aus Unkenntnis etwas Dummes zu sagen. «
    Er zuckte die Achseln, auch wenn er einwandte : »Aus U n kenntnis, vielleicht. Aber gewiss nicht aus Dum m heit. «
    »Warum auch immer: Peinlich wäre es trotzdem. «
    »Du siehst entzückend aus, wenn du rot wirst. Aber vermutlich hast du Recht. Gut. Also: Zehn Jahre, nac h dem Utau mit Sarri Otter die Bänder getauscht hatte, waren immer noch keine Ki n der da. So was kommt mitunter vor, und selbst das Essenzg e spür der Seenläufer kann nicht sagen, woran es liegt. Ihre be i den Familien setzten sie unter Druck, die Bänder wieder zu durchschneiden und es mit einem anderen Partner zu versuchen …«
    »Augenblick mal! Man kann seine Bänder durc h schneiden?
    Was bedeutet das, und wie geht es? « Fawn hielt schü t zend die rechte Hand über das linke Handgelenk und legte sie dann ha s tig auf den Oberschenkel zurück. Sie stieß die Fersen in Holdes rundliche Flanken und spornte sie an, mit Feuerschopfs läng e ren Beinen mitzuhalten.
    »Je nach Paar kann es die unterschiedlichsten Gründe geben, um die Bänder zu durchschneiden. Aber das Fehlen von Ki n dern, wenn man es über einen langen Zei t raum hinweg versucht hat, wird als ehrenhafter Grund für eine Trennung angesehen. Wenn nur ein Partner den Schnitt möchte, ist es schwieriger. Der Streit darüber kann dann auf die Zelte beider Familien übergreifen und viel Unfrieden stiften. Oder ermüdend wirken, wenn man allen Beteiligten immer wieder zuhören muss.
    Aber wenn beide Partner einverstanden sind, gleicht die Zer e monie sehr dem Tausch der Bänder, nur ist es umgekehrt. Die Hochzeitsschnüre werden abgenommen und erneut um die A r me beider Partner gewickelt, doch mit entgegengesetzter Dr e hung. Dann werden sie verkn o tet, und der Einsegner nimmt ein Messer und schneidet den Knoten auseinander. Jeder der Par t ner nimmt dann sein eigenes Stück Schnur zurück. «
    Fawn fragte sich, ob auch dieses Messer aus Knochen g e schnitzt wurde.
    »Die Essenzen fließen zu ihrem Ursprung zurück, und, nun, das war es dann. Normalerweise werden die leeren Bänder hinte r her verbrannt. « Er blickte zur Seite und bemerkte ihr Stirnru n zeln. »Werden Ehen unter Landle u ten niemals gelöst? «
    »Manchmal schon, denke ich, aber nicht oft. Das Land und die Familien halten die Paare beisammen. Und ein Scheitern ist stets auch mit Schande verbunden. Manc h mal packen die Leute ihre Sachen und hauen ab, die Männer oder die Frauen, aber das ist eher so, als würde man sich ein Bein abtrennen, um der Falle zu entko m men. Du musst so vieles zurücklassen, so viel Arbeit. Und so viele Hoffnungen, nehme ich an. «
    Nach einer Weile fügte sie noch hinzu: »Auch wenn ich mal von einer Ehe gehört habe, irgendwo südlich vom Dorf, die nach nur zwei Wochen wieder auseinanderging. Die Braut wurde einfach mitsamt ihrer Sachen z u rück zu ihrer Familie gekarrt, nachdem sie sich kaum auf dem neuen Hof eingerichtet hatte, und der Eintrag im Familienstammbuch wurde durchg e strichen.
    Niemand wollte mir je den Grund dafür erklären, o b wohl die Zwillinge und Fletch darüber gekichert haben. Also nehme ich an, es könnte mit Problemen im Bett zu tun haben. Sie war j e denfalls nicht von einem anderen Mann schwanger, oder so e t was. Trotzdem wurde alles ziemlich schnell geregelt, ohne j e den Streit, also muss wohl jemand einen ziemlich guten Grund gehabt haben, sich zu entschuldigen. «
    »So hört es sich an. « Dag runzelte die Stirn, während er über diesen Vorfall nachdachte, vermutlich eher m ü ßig als ernsthaft. »Wie auch immer. Utau und Sarri lie b ten einander, trotz aller Schwierigkeiten, und sie wollten sich nicht trennen. Beide w a

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