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Boerewors und Chardonnay: Ein Jahr in Südafrika

Boerewors und Chardonnay: Ein Jahr in Südafrika

Titel: Boerewors und Chardonnay: Ein Jahr in Südafrika
Autoren: Barbara Brühwiler
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Lautsprecherdurchsagen später taucht Lukas, mein Mann, wieder auf. Er hat mehr Schrammen und Dellen als sein 14-jähriger Koffer, aber egal. Wenigstens können wir jetzt den Flughafen verlassen.
    In einem Mietwagen zuckeln wir gemütlich auf der linken Spur in Richtung der sogenannten northern suburbs, der nördlichen Wohnquartiere von Johannesburg. Der Himmel ist verhangen und es nieselt. So haben wir uns den afrikanischen Sommer nicht vorgestellt! Die Millionenstadt Johannesburg befindet sich angeblich zu unserer linken Hand, doch wir sehen nicht viel davon. Manchmal tauchen ein paar Häuser auf zwischen den Bäumen und dem afrikanischen Busch. Wenn man den Hinweisschildern glaubt, müssen ganze Stadtteile im Grünen versteckt sein. Als wir die Hinweistafel mit dem Namen „Alexandra“ sehen, riskiere ich eine Halswirbelverletzung, um vielleicht einen Blick darauf zu erhaschen. War das nicht auch ein town-ship , so ähnlich wie das berühmte - oder wohl besser: berüchtigte - SOWETO?
    Am Mittag gewinnen wir einen ersten Eindruck von Dainfern, das vielleicht unser zukünftiger Wohnort wird. Man sieht nicht viel, es regnet immer noch. Ein Dorf, auf zwei Hügeln gelegen, in der Mitte ein Golfplatz, ein Fluss mäandert gemächlich dadurch. Es ist eingezäunt und nur durch zwei bewachte Tore erreichbar. Das Ganze erinnert ein bisschen an das Dorf von Asterix, nur hat es dort mehr Häuser mit Strohdächern.
    So ein eingezäunter und bewachter Ort darf sich in Südafrika estate nennen. Bewohner und Besucher unterwerfen sich einem strengen Regelwerk und werden mit maximaler Sicherheit belohnt. Das wollen wir.
    „Rund 40% der Bewohner von Dainfern sind Ausländer wie Sie“, informiert uns Annette, die Maklerin, eine halbe Stunde später. Da sitzen wir schon auf dem Rücksitz ihres Mercedes und bewundern die prächtigen Gärten. Die Gärtner scheinen eine Manikür-Ausbildung hinter sich zu haben. Die Gräser sehen aus, als wären sie akkurat mit dem Nagelknipser gekürzt worden, und die Rasenkanten müssen mit der Nagelfeile perfekt gerade getrimmt worden sein. In den makellosen Gärten stehen stattliche Einfamilienhäuser, und einige davon dürfen wir jetzt besichtigen.
    Estatesiedlungen sind momentan in Mode in Südafrika, doch Dainfern ist schon ein älterer Estate. Man kann darin bestens die südafrikanischen Architekturtrends der letzten 15 Jahre studieren: „modern“, Zementbauten mit gewagten, überflüssigen Bögen und
Spitzen, die dem mit Feng Shui vertrauten Beobachter Hühnerhaut verursachen; „viktorianisches England“, gebaut aus unverputzten Ziegelsteinen und mit vielen Rosen und Ziermäuerchen im Garten; „Toscana“, mit Mittelmeerflair, verspielten Säulen und roten Ziegeldächern; „Bali“ mit turmhohen Eingangspforten und dunklen
Holzbalken, und von Zeit zu Zeit sieht man ein afrikanisch-exotisch-rustikales Haus mit Strohdach und Kakteen.
    Alle Häuser haben ein Schwimmbad im Garten, was mir aufgrund unserer - zugegeben kurzen - Erfahrung etwas suspekt vorkommt: Wird es hier wirklich einmal warm und trocken genug zum Baden? Oder dienen die Pools als grosszügige Eiswasserbecken nach der Sauna? Unsere Gastgeber im B&B und auch Anette beteuern uns, dass dieser Dauerregen, den wir seit unserer Ankunft erleben, extrem atypisch ist für den Januar. Oder überhaupt für Johannesburg. Wir wollen ihnen ja gerne glauben.
    Annette führt uns unbeirrt durch Dainferns labyrinthartige Strassen zu unserer ersten Station: Eines der ersten Häuser im Estate, mit traumhaftem Ausblick auf den Golfplatz und sehr rustikalem Interieur. Wir erkennen schnell, dass hier andere Regeln gelten als in der Schweiz, wo man möglichst viel Licht ins Haus holen will. Das braucht man hier nicht; die Fenster sind darum wesentlich kleiner. Und die Abwesenheit von IKEA auf dem südafrikanischen Möbelmarkt ist (leider) ebenso offensichtlich: Es herrschen dunkelbraune geschwungene „Stilmöbel“ vor, gerne gepaart mit bunt geblümten und gemusterten Stoffen. Sehr englisch. Ausserdem gehören Lampen in Südafrika zum Haus wie die Haustür, und nur schon deswegen kommt das erste, das wir besichtigt haben, für uns nicht in Frage: Ich hätte Angst, dass sich diese geschwungenen, rustikalen Metallleuchter nachts auf die Jagd machen und uns womöglich im Bett erschlagen würden!
    Annette ist die liebenswürdige Unverbindlichkeit in Person; zielstrebig führt sie uns von Haus zu Haus. So eine Haussuche ist unglaublich: Obwohl wir uns

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