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1679 - Mandragoros Geisterfrau

1679 - Mandragoros Geisterfrau

Titel: 1679 - Mandragoros Geisterfrau
Autoren: Jason Dark
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mit. Sie sagte etwas, was ich nicht verstand, denn ich war voll und ganz auf die kniende Tabea konzentriert und dachte in diesem Moment, dass nicht unser Leben vorbei war, sondern sie sich auf dem Weg in den Tod befand. Noch hielt sie sich. Von einer Geisterfrau war nichts mehr zu sehen, dafür von einer Person, die nicht mehr bleiben konnte, wie man sie geschaffen hatte. Ihr Kopf ruckte nach vorn.
    Und dann schoss die grüne Masse aus ihrem Mund hervor. Nahe meiner Füße klatschte sie zu Boden und bildete dort eine Lache, die immer mehr Nachschub bekam. Alles, was sie bisher gehalten hatte, wurde sie nun los. Sie erbrach es nicht nur, sie selbst wurde äußerlich auch davon betroffen, denn jetzt konnten wir zuschauen, wie die kleinen Risse in ihrer Haut immer weiter aufbrachen und Lücken erschienen, die mit dieser ebenfalls zähflüssigen grünen Masse gefüllt waren. Das war der zweite Teil ihres Endes. Der Kopf wurde nicht verschont, zu stark war der innere Druck, und er schaffte es, das Gesicht mit einem Schlag zu zerstören. Es wurde regelrecht auseinandergerissen, doch die einzelnen Stücke, die in der Lache landeten, sahen wir nicht. Es gab nur die Masse.
    Wenig später fiel der Rest zusammen. Wie alles andere zuvor würde er auch im Boden versickern.
    Das war das Ende der Geisterfrau Tabea.
    Maxine und ich stellten fest, dass es keine Fesseln mehr gab. Die Zweige waren wieder zu dem geworden, was sie auch sein sollten, und zugleich setzten wir uns hin, schauten uns an und schüttelten die Köpfe, bis Maxine eine Frage stellte.
    »Sind wir tatsächlich gerettet?«
    »Ja, das seid ihr!«
    Nicht ich hatte die Antwort gegeben, sondern eine andere Stimme. Den Sprecher sahen wir nicht, aber ich ging jede Wette darauf ein, dass es Mandragoro war…
    Ich fragte auch nicht, sondern blieb sitzen weil mir mein Gefühl sagte, dass er noch nicht fertig war. Und richtig, wir hörten die Stimme erneut, ohne dass wir etwas sahen.
    »Ihr habt es geschafft, die Umwelt wieder zu retten. Dafür hätte euch Tabea dankbar sein müssen. Sie ist es nicht gewesen, sie wollte ihre Macht ausspielen und deshalb ist sie nicht anders als die Menschen, die sie bekämpft. Eine solche Person will ich nicht an meiner Seite haben. Ich musste sie einfach vernichten. Es gab keinen anderen Weg, denn sie hätte sich nie geändert. Leb wohl, John, und auch du, Maxine…«
    Es waren seine letzten Worte. Mir saß ein Kloß in der Kehle, aber Maxine sprach. Sie schrie ein lautes »Danke« in den Wald hinein und beide sahen wir, dass sich zahlreiche Blätter bewegten und dabei raschelten, als wollten sie uns Beifall klatschen. Ich streckte Maxine meine Hand entgegen, die sie ergriff. Gemeinsam halfen wir uns auf die Beine. Danach lagen wir uns in den Armen und spürten beide, dass wir zitterten.
    »Und jetzt werden wir den Wald verlassen«, sagte die Tierärztin.
    »Genau. Carlotta wartet.«
    Nachdem wir die ersten Schritte gegangen waren, sagte Maxine: »Soll ich dir was sagen?«
    »Gern.«
    »Ich glaube, dass ich einen neuen Freund gefunden habe. Oder was meinst du?«
    »Das, meine liebe Maxine, kann ich nur unterstreichen…«
    ENDE

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