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132 - Höllenfieber

132 - Höllenfieber

Titel: 132 - Höllenfieber
Autoren: A.F.Morland
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Der Mann keuchte durch die Dunkelheit, als wäre der Teufel hinter ihm her. Wütendes Hundegebell war zu hören. Mit langen Sätzen näherte sich der Mann einer alten, halb verfallenen Scheune, die nicht mehr benützt wurde.
    Das breite Holztor hing schief in den Angeln. Der Mann wollte es aufreißen, doch es klemmte - und das Hundegekläffe kam näher. Zorn verzerrte das Gesicht des Fremden.
    Er trat hastig zurück und starrte das Tor an. Seine Haare sträubten sich, und seine Gesichtshaut nahm eine unnatürlich graue Färbung an.
    Eine unheimliche, widernatürliche Aura ging von ihm aus. Er breitete die Arme aus, und seine Augen wurden leuchtendweiß. Die unsichtbare Kraft, die er gegen das Tor schickte, ließ dieses ächzen.
    Es bewegte sich, wackelte, knarrte, brach knirschend, und im nächsten Moment flog es auf. Der Mann verschwand in der finsteren Scheune, deren Dach in der Mitte eingesunken war und an einigen Stellen große Löcher aufwies, durch die man den Himmel sehen konnte.
    Mit einem weiten Sprung verschwand der Unbekannte hinter vergessenen Strohballen, die zu einem kleinen Turm aufgeschichtet waren. Er kauerte sich in die undurchdringliche Schwärze und regte sich nicht mehr.
    Abwarten…
    Draußen jagte ›Captain‹, der große deutsche Schäferhund, auf die Scheune zu. Das Tier hatte die Fährte aufgenommen und folgte ihr unbeirrt.
    Captain war ein Prachtexemplar, ein Hund von der edelsten Sorte - stark, schnell, intelligent, hervorragend abgerichtet, gehorsam. Er machte Bill Johnson, seinem Besitzer, viel Freude.
    Johnson sah in Captain nicht bloß ein Tier; für ihn war Captain ein echter Freund. Er wußte, daß man sich auf so manchen Menschen nicht so sehr verlassen konnte wie auf diesen Hund.
    Und jetzt war Captain hinter dem Fremden her, der in die verfallene Scheune geflüchtet war. Der Mann hätte damit rechnen müssen, daß ihn der Hund dort aufstöbern würde.
    Captain erreichte die Scheune in diesem Augenblick. Er blieb nicht stehen, sauste pfeilschnell hinein und verlangsamte erst drinnen das Tempo.
    Seine Nackenhaare sträubten sich. Er bellte nicht mehr, hielt den Kopf tief und schnüffelte aufgeregt. Er schien etwas zu wittern, das ihm nicht bekannt war, das ihn verunsicherte.
    Doch Captain war ein sehr mutiges Tier. Man konnte ihn mit Füßen treten, mit einem Stock auf ihn einschlagen -er ließ sich nicht in die Flucht jagen.
    Angst kannte Captain nicht.
    Der Fremde beobachtete den deutschen Schäferhund mit schmalen Augen. Er preßte die Kiefer zusammen und verfolgte jede Bewegung des Tiers sehr aufmerksam.
    Captain blieb stehen, hob den Kopf und knurrte leise in Richtung Strohballen. Er witterte den Unbekannten und die außergewöhnliche Gefahr, die von diesem ausging.
    Dennoch kehrte er nicht um. Langsam, mit schleichenden Schritten, bewegte sich der Hund an den Strohballen vorbei und dann direkt auf den Mann zu.
    Der Fremde richtete sich vorsichtig auf. Er ließ das Tier keine Sekunde aus den Augen. Captain fletschte die weißen Zähne. Er zog die Lefzen weit nach oben. Falten bildeten sich auf der Schnauze. Es war dem Tier anzusehen, wie erregt es war.
    Captain näherte sich dem Mann nicht weiter. Der Hund kannte seine Aufgabe. Er durfte den Fremden nur stellen, nicht angreifen. Zubeißen durfte er erst, wenn der Gestellte ihn entweder attackierte oder zu fliehen versuchte.
    Solange sich der Unbekannte nicht von der Stelle rührte, drohte ihm von Captain keine Gefahr, Aber der Mann blieb nicht stehen. Obwohl der Hund warnend knurrte, näherte er sich dem Tier mit winzigen Schritten, als wollte er testen, wie weit er bei dem Hund gehen durfte.
    Captain fing an zu bellen.
    »Still!« zischte der Unbekannte.
    Captain bellte sofort lauter, angriffslustiger.
    »Kusch, verfluchter Köter!« stieß der Mann zornig hervor.
    Captain regte sich immer mehr auf. Er bellte jetzt ganz laut, als wollte er seinen Herrn herbeirufen. Der Mann stand drei Schritte von dem Hund entfernt.
    Ein hämisches Grinsen verzerrte sein Gesicht, das in diesem Moment von fahlem Mondlicht beleuchtet wurde. Sein Antlitz war zerfurcht, wies viele Falten auf, die ihm jedoch nicht das Alter, sondern Wind und Wetter in die Bronzehaut gegraben hatten.
    Lackschwarz glänzte sein Haar. Er hatte einen runden Kopf mit einer weit vorspringenden Hakennase, wulstige Lippen und ein energisches Kinn.
    Seine Schultern waren breit, die Hüften schmal. Stark und gefährlich wirkte er in diesem Augenblick. Er erweckte den

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