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0871 - Zwischen den Wassern

0871 - Zwischen den Wassern

Titel: 0871 - Zwischen den Wassern
Autoren: W.K. Giesa
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»Hat es etwas mit Nessie zu tun?«, fragte Zamorra nachdenklich. Er meinte das »Ungeheuer von Loch Ness«, das immer wieder zur »Saure-Gurken-Zeit« von den Reportern ausgegraben wurde. Die Fotos zeigten stets ein undeutliches Etwas; meistens waren es uralte Aufnahmen von anno Bratkartoffel. Warum sollte man sich die Arbeit schwerer machen als nötig?
    Zamorra und Nicole waren Nessie vor über 20 Jahren begegnet. Damals war auch der Silbermond-Druide Gryf mit von der Partie gewesen, Lord Bryont Saris, Rhetts frühere Inkarnation, dagegen nicht. [1]
    Nessie war ein langlebiges Wesen, eine Mischung aus Saurier und Seeschlange. Zamorra wusste nicht genau, ob es gut oder böse war. Immerhin war es seit sehr langer Zeit sehr gut mit Gryf befreundet, und Zamorra hatte den Eindruck, dass Nessie menschlicher war als mancher Mensch.
    »Nessie? Ich weiß es nicht«, sagte Rhett nach kurzem Zögern. »Es könnte sein.«
    »Etwas hat sich verändert, sagtest du. Hast du eine Ahnung, was?«
    Rhett schüttelte den Kopf.
    »Kannst du mir deinen Geist öffnen?«, bat Nicole. »Vielleicht kann ich etwas darin entdecken. Ich werde mich nur um deinen seltsamen Eindruck kümmern. Den Rest taste ich nicht an.«
    »Ich kenne den Ehrenkodex von euch Telepathen«, sagte Rhett. »Von Gryf und Teri. Die beiden kenne ich ja schon lange. - Beziehungsweise mein Vorgänger in der Erbfolge kannte sie.«
    Nicole merkte, wie er seinen Geist öffnete. Sie drang vorsichtig ein und stellte fest, dass das Problem, mit welchem er sich herumschlug, diese Ahnung, sich ganz im Vordergrund befand. Sie nahm es auf und sondierte es, versuchte darin etwas zu erkennen und herauszulesen. Doch es gelang ihr nicht. Da speicherte sie das Problem bei sich und zog sich aus seinem Geist zurück.
    »Du kannst dich wieder abschotten«, sagte sie.
    »Und?«, fragte er. »Hast du etwas herausgefunden?«
    »Leider nicht. Ich muss eine Weile darüber nachdenken.«
    »Dann denken wir ja schon zu zweit«, sagte er. »Doppelt gemoppelt hält besser, oder wie sagt die Panzerhornschrexe?«
    »Gar nichts sagt sie«, brummte Zamorra. »Sie rülpst, und das nicht gerade leise. Dafür hat sie schließlich ihre Keuchmilz.«
    Rhett zuckte mit den Schultern. »Kann sich einer von euch vorstellen, wie scheußbar egal mir das ist?«
    Er nahm die zweite Toastscheibe von der Warmhalteplatte, bestrich sie mit Butter und legte einige Schinkenstreifen darüber. Dann schenkte er sich Tee nach.
    »Es geht doch nichts über ein vernünftiges Frühstück«, sagte er.
    »Frühstück?«, kritisierte Zamorra und teilte sich mit Nicole ein Baguette, mit Butter und Honig. »Das hier ist Frühstück, nicht dieses komische englische Zeugs.« Er griff zur Kaffeetasse.
    »England und Frankreich«, sagte Nicole. »Zwei Länder, von denen das eine Kultur besitzt und das andere nicht. Das mit der Kultur ist, wie jeder weiß, Frankreich.«
    »Ach ja«, seufzte Rhett. »Wann jemals hätte eine Frau Recht gehabt?«
    ***
    Gut eine Stunde später traf Zamorra seine Gefährtin draußen an der Garage.
    Er war hinausgegangen, um besser und vor allem in Ruhe nachdenken zu können. Drinnen beschäftigte sich der Jungdrache Fooly mit irgendwelchen Dingen. Sehr lautstark und mal in dieser, mal in jener Etage des Châteaus. Außerdem war der Hauslehrer eingetroffen, der sich bemühte, Sir Rhett etwas beizubringen. Wie immer wunderte er sich über das profunde Grundwissen, über das der Junge verfügte. Und wie immer fühlte er sich bei seinem Unterricht von Fooly gestört und scheuchte den Drachen mit Gebrüll aus dem Raum, der als Unterrichtszimmer eingerichtet worden war.
    »Dabei kann man doch nicht in Ruhe nachdenken«, murmelte Zamorra verdrossen und ging nach draußen. Dort sah er Nicole. Sie trug einen gehäkelten Tanga und sonst nichts. Zamorra fand das völlig ausreichend.
    Sie betrachtete den brandneuen Rolls-Royce Phantom, den sie aus Köln mitgebracht hatte. Der frühere Besitzer brauchte ihn nicht mehr, weil er von einer Hexe ermordet worden war, und ehe der Luxuswagen beschlagnahmt und zugunsten der Staatskasse versteigert wurde, hatte sie sich das Fahrzeug unter den Nagel gerissen. Sie hatte tatsächlich die Zulassung bekommen, und die nächste BMW-Niederlassung, seit einigen Jahren auch zuständig für Rolls-Royce und Mini, verpasste dem Wagen neue Schlösser und einen neuen Entsperrcode.
    »Du bist noch gar nicht richtig damit gefahren«, sagte Zamorra.
    »Irgendwie ist er mir unheimlich«, sagte sie.

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