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1603 - Der Geistertänzer

1603 - Der Geistertänzer

Titel: 1603 - Der Geistertänzer
Autoren: Jason Dark
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»Und du setzt nach wie vor darauf, dass dieser Tänzer erscheint?«
    Bill nickte. »Ja!«
    Das letzte Wort hatte sich hart angehört. Ich hielt lieber den Mund.
    Zudem würde die Eislaufhalle in wenigen Minuten geschlossen werden, die Sirene war bereits zweimal erklungen. Wenn wir sie zum dritten Mal hörten, wurde es höchste Eisenbahn.
    Wir hielten uns in einer Halle auf, in der sich die viereckige Eisfläche befand. An ihren Rändern konnten sich die Zuschauer gegen die Gitter lehnen und den Läufern zuschauen. Licht fiel von der Decke her auf das Eis. Dort oben brannten die starken Lampen, die die Fläche unter ihnen wie einen großen Spiegel aussehen ließ.
    Betreiber dieser Eissporthalle war die Stadt, und sie beschäftigte auch die Angestellten, die als Aufsichtspersonal ihren Dienst taten. Zwei der Männer waren bereits nach Hause gegangen, nur einer blieb bis zum Schluss, um später abzuschließen. Wir hatten mit dem Mann gesprochen. Er wusste also, dass wir nicht zu unserem Vergnügen erschienen waren.
    Ich hatte meinem Freund Bill einen Gefallen tun wollen. Es ging um einen geheimnisvollen Mann, der als Geistertänzer bezeichnet wurde.
    Jemand, der plötzlich da war, über das Eis huschte und sich dabei um keine Hindernisse kümmerte und wie eine Spukgestalt über das Eis glitt.
    Es war kein Mensch. Bei ihm sollte es sich um eine nebulöse Gestalt handeln, um einen Geist, der so aussah, wie man sich einen Geist vorstellt, was immer man davon halten sollte.
    Bill hatte davon erfahren, und auch in einigen Zeitungen waren Artikel über diese feinstoffliche Person geschrieben worden. Ich hatte sie ebenfalls gelesen, mich aber nicht weiter darum gekümmert, bis mein Freund Bill mich so gedrängt hatte, dass ich zusagt hatte, mir das Phänomen mit ihm aus der Nähe anzuschauen.
    Das tat ich jetzt. Nur von einem über das Eis huschenden Geistertänzer hatte wir bisher nichts gesehen. Der blieb nach wie vor Theorie.
    Es war alles anderes als warm in der Halle. Das musste auch so sein.
    Auch die Kälte draußen war streng. Sie hielt die Riesenstadt London mit ihren Bewohnern fest im Griff. Hinzu kam ein scharfer Nordwestwind, der in die ungeschützten Gesichter der Menschen biss, wenn sie sich im Freien aufhielten.
    Ich hatte bisher nicht gehört, dass diese Gestalt einem Menschen etwas angetan hatte. Sie war nur ein Phänomen, und darum musste ich mich kümmern, das war mein Job.
    Es war zugleich die erste Aufgabe im neuen Jahr. Den Jahreswechsel hatte ich gut hinter mich bringen können Diesmal in aller Ruhe, zusammen mit Suko und Shao. Glenda Perkins hatte auch dabei sein sollen, aber eine Darmgrippe hatte sie erwischt, und so hatte sie das Bett hüten müssen. Wir wann eben keine Supermenschen und Im Krankheiten ebenso anfällig wie andere Menschen auch.
    Und jetzt stand ich zusammen mit Bill hier am Rand der Eisbahn und wartete auf den Geistertänzer, der uns bisher nicht den Gefallen getan hatte, sich zu zeigen.
    Als ich mich räusperte, sagte Bill: »Ich weiß ja, was du denkst, aber ich sage dir, dass wir noch Glück haben werden. Er wird kommen, John, verlass dich drauf.«
    »Wenn du das sagst.«
    »Das habe ich im Gefühl.«
    Ich warf wieder einen Blick über die Eisfläche hinweg. Ein Läufer befand sich noch dort. Der Mann mit einer dunklen Wollmütze auf dem Kopf lief auf den Ausgang zu, wo die Bande unterbrochen war. Er setzte sich dort auf eine Bank und zog die Schlittschuhe aus.
    »Das war's wohl«, sagte ich.
    »Warte noch.«
    »Wie du willst. Aber den Drink gleich bezahlst du.«
    »Mach ich gern.«
    Bill und ich waren die einzigen Zuschauer in der großen Halle. Der letzte Läufer war auch verschwunden. Es gab keine Musik mehr, in der Halle herrschte eine schon bedrückende Stille, die mir so unnatürlich vorkam.
    Neben mir rieb Bill seine Hände. Er ließ den Blick über die Eisfläche gleiten, die so leer war wie meine Brieftasche am Monatsende. Ich dachte darüber nach, wie lange ich mir noch geben wollte. Mehr als fünf Minuten auf keinen Fall. Ich wollte Bill nicht düpieren. Ich kannte ihn gut genug und wusste, dass auch er sich ärgerte. Der Einsatz roch nach einem Flop, und das konnte Bill…
    »He, da ist was!«
    Bills Worte rissen mich aus meinen Gedanken, und ich hob augenblicklich den Kopf.
    Bill deutete schräg nach rechts. Er meinte damit das seitliche Ende der Eisbahn, wo es ebenfalls leer war. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten nicht mehr, denn plötzlich sah ich

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