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0853 - Tanz der Skelette

0853 - Tanz der Skelette

Titel: 0853 - Tanz der Skelette
Autoren: W.K. Giesa
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ihm ein gutes Gedächtnis gegeben, das auch im Alter von über 70 Jahren noch bestens funktionierte. Weit besser als sein Körper, der immer gebrechlicher wurde.
    Der junge Bursche, der da wie ein Wahnsinniger gegen seine Tür hämmerte, war Juan Pereira. Er war knapp über 20 Sommer jung, und er hatte vor fünf Jahren seine Eltern durch Mörderhand verloren. Vater Esteban wusste, dass Juan ein guter Mensch war, und ein fleißiger dazu.
    »Mal langsam, mein Sohn!«, mahnte er. »Die Tür hat dir nichts getan. Warum versuchst du, sie totzuschlagen?«
    »Der Friedhof«, keuchte Pereira. »Der Totenacker - etwas Furchtbares ist geschehen.«
    »Komm herein«, sagte Esteban. »Setz dich hin, trink einen Schluck, und dann erzählst du es mir bitte, ja?« Er zog Pereira am Arm ins Haus und dirigierte ihn in das kleine Wohnzimmer, das auch als Besprechungszimmer und Büro diente. Es gab Regale mit Büchern, keinen Fernseher, nur ein uraltes Radio und ein uraltes Telefon.
    Auch der Schreibtisch und die Sitzmöbel waren uralt. Man hatte den Eindruck, das Haus sei erbaut und eingerichtet worden, als Esteban Coronar das Licht der Welt erblickte, und seither habe sich nichts geändert.
    Vater Esteban zauberte eine Flasche Zuckerrohrschnaps und zwei Gläser aus dem Schreibtisch und schenkte ein. »Trink«, forderte er. »Du siehst danach aus, als würdest du einen kräftigen Schluck brauchen.«
    »Danke, Vater«, murmelte Juan und hob sein Glas. »Auf Euer Wohl.«
    »Auf Gottes Wohl«, erwiderte Esteban lächelnd und nippte an dem Getränk. Juan nahm einen wesentlich kräftigeren Schluck. Dann verzog er das Gesicht, hustete und schüttelte sich.
    Ein zweiter kräftiger Schluck mit den gleichen Nachwirkungen leerte das Glas. Vater Esteban schenkte nach.
    »Und jetzt erzähl, mein Sohn«, bat er.
    Erst zögernd und unsicher, dann geradezu sprudelnd erzählte Juan von dem, was er gesehen hatte. »Es ist furchtbar, Vater«, stieß er schließlich hervor. »Wie in einem Albtraum. Wer, bei Gott, tut so etwas? Wer verwüstet einen Totenacker, lässt den Verstorbenen nicht ihre verdiente Ruhe?«
    »Ein Teufel«, murmelte Vater Esteban. »Es muss ein Teufel sein.«
    Keine Sekunde lang zweifelte er an Juans Worten. Er hatte schon einige Male erlebt, dass Voodoo-Zauberer Zombies aus ihren Gräbern holten und sie anstelle der lebenden Menschen zur Arbeit schickten. Oder gemeinsam mit den Lebenden, wenn deren Anzahl und Kraft nicht ausreichte, um eine gute Ernte einzuholen. Es gab Legenden, nach denen Zombies zu Mördern gemacht wurden, doch einem Mörder-Zombie war der Pfarrer bislang noch nie begegnet.
    Seine Kirche leugnete den Voodoo. Aber Vater Esteban hatte Dinge gesehen, die die Zauberpriester zuwege brachten, und sich seine eigene Meinung gebildet. Eine Meinung, die er indessen für sich behielt, wenn er mit seinem Bischof sprach.
    Dabei glaubten die Voodoo-Anhänger doch auch an Gott, wenn auch in anderer Form. Für sie war er einer von vielen Göttern. Voodoo war eine Mischung aus der Religion der alten Völker und dem Christentum, ein Weg, den beide Seiten akzeptieren konnten. Die Christen hatten einst die Indios nicht missionieren können, also hatte man sich in gegenseitigem Einvernehmen arrangiert, statt sich die Köpfe einzuschlagen. Ein Weg, fand Vater Esteban, den man auch in an deren Ländern mit anderen Religionen gehen sollte. Man musste nur guten Willens sein - auf beiden Seiten.
    Aber leider regierte zu oft der Starrsinn und führte dazu, dass man sich lieber gegenseitig umbrachte, statt den gemeinsamen Weg zu finden.
    »Glaubt Ihr, es könnte Voodoo sein, Vater?«, murmelte Juan derweil. »Dass jemand die Toten aus den Gräbern holte, um sie…«
    »So viele Zombies? Die kann niemand brauchen, kann niemand lenken. Du denkst, dass deine Eltern Zombies wurden?«
    »Ich…« Pereira schluckte. Eine Weile sah er stumm an dem Pfarrer vorbei, dann wandte er sich ihm wieder zu. »Ich hoffe es, Vater. Vielleicht. Vielleicht hoffe ich es. Denn wenn sie als Zombies dienen, werden sie ihre Aufgabe erfüllen und wieder in ihr Grab zurückkehren.«
    Esteban Coronar befüllte ihm das Glas ein drittes Mal.
    »Trink aus«, sagte er. »Nimm die Flasche mit und geh nach Hause. Dort legst du dich hin und versuchst zu schlafen, Ruhe zu finden.«
    »Aber ich muss zur Arbeit.«
    »Niemand muss etwas müssen«, widersprach Vater Esteban. »Ich werde mit deinem Vorgesetzten reden. Er wird dir diesen Tag freigeben. Alles Weitere - überlass

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