Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
0393 - Staatsfeind nur für eine Nacht

0393 - Staatsfeind nur für eine Nacht

Titel: 0393 - Staatsfeind nur für eine Nacht
Autoren: Staatsfeind nur für eine Nacht
Ads
Joanne Witby schreckte aus dem Schlaf und starrte zu den geschlossenen Vorhängen, durch die trübes Novemberlicht ins Zimmer sickerte.
    »Ich muss geträumt haben«, murmelte sie, wischte mit der Hand den kalten Schweiß von der Stirn und zog fröstelnd die gelbe Schlafdecke bis an die Kinnspitze.
    »Hoffentlich hast du von mir geträumt«, sagte ein Mann mit scharfer Stimme.
    Das Girl zuckte zusammen und wandte sich zur Tür. Ein Mann stand da, ein Mann, sechs Fuß groß, mit einem schwarz glänzenden Mantel bekleidet. Von seinem zerbeulten Filzhut tropfte das Regenwasser auf die breiten, auswattierten Schultern. Die Arme des Besuchers steckten bis zu den Ellbogen in den Manteltaschen.
    »He, Täubchen, gib zu; dass mir die Überraschung gelungen ist«, zischte der Mann.
    »Wo kommst du her?«, fragte Joanne mit heiserer Stimme.
    »Ich habe einen Wächter niedergeschlagen und bin aus dem Knast abgerückt. Aber du hast noch nicht mit meiner Rückkehr gerechnet, wie ich sehe. Sonst wärst du schon irgendwo in New York untergetaucht. Du hast geglaubt, noch fünf Jahre Zeit zu haben, um zu verschwinden. Aus der Traum, Kindchen!«
    »Was hast du vor?«, fragte sie mit zitternder Stimme.
    »Abrechnen, mein Täubchen. Drei Jahre habe ich auf diesen Augenblick gewartet. Drei Jahre in der Gefängniszelle. Und dorthin bin ich nur gekommen, weil du mich vor Gericht verpfiffen hast, um mich endgültig loszuwerden.«
    »No, ich schwöre dir«, stammelte das Girl, »ich wollte…«
    »Schweig«, zischte der Mann wütend. »Jedes Wort deiner Aussage hast du dir überlegt. Du hast sogar mehr ausgeplaudert, als das Gericht wissen wollte. Dabei hattest du nur ein Ziel im Auge - mich hinter Gitter zu bringen.«
    »Ich schwöre dir…«
    »Dazu ist es zu spät, mein Täubchen«, schnitt er ihr das Wort ab und zog die rechte Hand aus der Tasche. In seiner Faust klebte ein Browning, auf dessen Mündung ein Schalldämpfer steckte.
    Das Girl starrte mit schreckgeweiteten Augen auf die Waffe, warf sich in die Kissen zurück und schlug die Hände vors Gesicht.
    Joanne Witbys Mund öffnete sich zu einem Schrei.
    Aber die Kugel war schneller.
    ***
    Hotel Beekman auf der Sixth Avenue, Kreuzung 55, Straße West gehörte seit zehn Jahren James Garney. Es war ein prächtiger Kasten mit fünfundzwanzig Stockwerken und über fünfhundert Zimmern. Garney war Junggeselle und führte mit den Einkünften von Hotel Beekman ein sorgenfreies Leben. Obwohl er bereits Mitte der fünfzig war, gab es eine Menge Girls und Ladys in New York, die davon träumten, ein Leben als Mrs. Garney in Luxus zu verbringen.
    Aber Garney war bisher mit allen Bewerberinnen, die ihn auf Partys oder in den Bars umschwärmten, mühelos fertig geworden. Er war dafür bekannt, Nerven wie Drahtseile zu besitzen.
    An diesem Morgen brachte ihn allerdings ein Anruf aus dem Gleichgewicht. Nach dem ersten Satz des Anrufes blieb Garney zunächst mal die Luft weg. Dann fing er sich und antwortete fast gelassen: »Ich nehme an, Sie haben einen ausgeprägten Sinn für Humor und suchen jemanden, den Sie mit Ihren Späßen erheitern wollen.«
    »Sparen Sie Ihre Bemerkungen, Garney«, erwiderte der Anrufer. »Ich habe Ihnen meine Bedingungen genannt. 250 000 Dollar, oder Ihr Laden fliegt in die Luft!«
    »Sie sind wahnsinnig. Keinen blanken Cent bekommen Sie von mir.«
    Während Garney bedächtig sprach, zog er einen Block heran und kritzelte die Worte aufs Papier: »Sofort prüfen, von welchem Anschluss angerufen wird.«
    Garney legte den Kugelschreiber in die Schale zurück und drückte auf einen Knopf, der in die Schreibtischplatte eingelassen war. Im Vorzimmer summte die Rufanlage.
    »Ich gebe Ihnen neunzig Minuten Zeit, sich die Summe bei Ihren Banken zu besorgen, Garney«, tönte die Stimme des Anrufers, »aber in gebrauchten, kleinen Scheinen. Kommen Sie nicht auf die Idee, mir komplette Serien anzubieten, um mich hereinzulegen. Und noch einen guten Rat gebe ich Ihnen: Lassen Sie die Polizei aus dem Spiel. Sonst ist Ihr Leben keinen Cent wert.«
    »Stopp, auf Ihren Bluff falle ich nicht herein«, knurrte der Hotelier und wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn. »Sie haben sich eine verflucht einfache Art ausgedacht, an eine Viertelmillion zu kommen. Aber nicht bei mir.«
    Noch immer war der Summton dfer Rufanlage im Vorzimmer zu hören. Garneys Finger lag noch immer auf dem Rufknopf. Ungeduldig starrte der Hotelbesitzer auf die Tür.
    »Sechs scharfe Bomben nennen Sie Bluff,

Weitere Kostenlose Bücher

Gesandter des Teufels
Gesandter des Teufels von Sara Douglass
Buerokrankheiten
Buerokrankheiten von Raymund Krauleidis