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0278 - Amoklauf des Messerstechers

0278 - Amoklauf des Messerstechers

Titel: 0278 - Amoklauf des Messerstechers
Autoren: Jason Dark
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»Einen Augenblick, Mrs. Bexiga«, sagte ich mit leiser Stimme. »Wir müssen schließlich einen Grund haben, um einzugreifen zu können!«
    Ihre Augen wurden groß. In den Pupillen schimmerte das Tränenwasser. »Einen Grund?« flüsterte sie. »Ja, ist das denn nicht Grund genug, daß er so schreit? Pablo ist wahnsinnig, der…«
    »Wenn jede Frau, deren Mann schreit gleich die Polizei alarmiert, müßten wir die fünffache Menge an Beamten bezahlen.« erklärte ich ihr. »Das werden Sie doch einsehen.«
    »Ja, ja«, erwiderte sie sehr temperamentvoll und nickte heftig. »Das sehe ich ein. Aber bei uns ist es etwas anderes. Er hat das Testament.«
    »Welches Testament?« fragte Suko.
    »Das von El Diablo. Und eine Geschichte sagt, daß derjenige, der sein Testament bekommt, den Fluch löscht und diesen verdammten Teufel aus seinem nassen Grab holt.«
    »Und wer ist El Diablo?« wollte ich wissen.
    »Der Pirat der Hölle oder des Teufels. Der Mann mit dem Köpfermesser! Er hat vor 300 Jahren an der Küste von Mallorca sein Unwesen getrieben und ein mit Blut geschriebenes Testament hinterlassen. Und mein Mann Pablo hat es gefunden. Jetzt ist er besessen«, fügte sie heiser flüsternd hinzu und deutete auf ihr zerrissenes Kleid, dessen Stoff nur notdürftig von ihr vor der Brust zusammengehalten wurde. »Er hat mich angegriffen. Zuerst mit den Fäusten. Danach wollte er ein Messer nehmen Ich konnte aber fliehen und sah noch soeben, wie er dabei war, unseren kleinen Altar restlos zu zertrümmern. Ich sage Ihnen, Señores, der Teufel oder El Diablo sitzen bereits in ihm Pablo, mein Mann, ist ihm verfallen. So begreifen Sie doch endlich!«
    Mrs. Bexiga machte einen sehr überzeugenden Eindruck, und wir würden uns die Sache einmal ansehen. Über einen Alarmruf waren wir kurz vor Feierabend aufgeschreckt worden. Mrs. Bexiga hatte die Polizei angerufen, vom Teufel und seinen höllischen Kräften berichtet, so daß die Kollegen sofort schalteten und uns Bescheid gaben.
    Die Bexigas wohnten am Rande von Soho in einem gelben Mietshaus, nicht weit vom Yard Building entfernt.
    Wir waren sofort losgesaust, um uns die Sache einmal anzusehen. Da die uniformierten Beamten über unseren Einsatz informiert waren, hatten sie die Wohnung auch noch nicht betreten und überließen uns alles weitere. Momentan verhielt sich Pablo Bexiga ruhig, was sich leicht ändern konnte, wenn wir den Worten seiner Frau Glauben schenken wollten, denn wir selbst hatten ihn bisher noch nicht schreien gehört.
    Die Familie wohnte im letzten Stock. Über London lag bereits seit einigen Tagen eine widerliche Schwüle. Jeder Schritt, den man machte, war eigentlich schon zu viel, und auch meine Leinensachen klebten mir am Körper.
    Nach oben hin wurde das Haus schmaler, und unter das Dach führte nur eine Stiege, die an einer Seite ein Geländer besaß, das mir sehr brüchig erschien.
    »Haben Sie Angst?« fragte Mrs. Bexiga plötzlich.
    Ich wischte mit dem Handrücken Schweiß von der Stirn. »Wie kommen Sie darauf?«
    »Weil Sie nicht hochgehen.«
    »Das werden wir jetzt. Zunächst einmal mußten wir uns informieren, Señora.«
    Sie hob die Schultern. »Ich habe das Gefühl, daß Sie mir nicht glauben. Nur gut, daß unser Sohn das nicht mitbekommt.«
    »Ist er nicht hier?« fragte Suko.
    »Nein, er lebt in Spanien. Wir wollten ja auch wieder rüber, aber José meinte, daß wir uns noch zwei Jahre Zeit lassen sollten, weil er erst etwas aufbauen wollte.«
    Diese Familiengeschichten interessierten uns im Augenblick nicht.
    Wichtig war nicht der Sohn, sondern Pablo, der Vater. Und der sollte durchgedreht haben.
    Ich nickte meinem Freund zu. Suko verstand das Startzeichen und setzte sich ebenfalls in Bewegung. Zwar war die Treppe schmal, dennoch schafften wir es, nebeneinander die Stufen hochzugehen.
    Wenn sich jemand oben in der Wohnung aufhielt, hörte er unsere Schritte, denn das alte Treppenholz bog sich durch.
    Der Treppe folgte ein kleiner viereckiger Flur. Hier stand die Hitze wie eine Wand. Wenn ich durchatmete, hatte ich das Gefühl, die Luft trinken zu müssen, so schlimm war es. Wir schwitzten sehr, doch nun brach uns der Schweiß auch noch aus den allerletzten Poren.
    Der Name Bexiga stand auf der linken der beiden Türen. Sie war verschlossen. Da man nie wußte, was noch kommen konnte, nahmen Suko und ich zu beiden Seiten der Tür Aufstellung und horchten erst einmal.
    Im Raum war es fast ruhig.
    Einer nur sprach. Da sich Pablo Bexiga allein dort

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