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0174 - Der Teufelsdiener

0174 - Der Teufelsdiener

Titel: 0174 - Der Teufelsdiener
Autoren: Werner Kurt Giesa
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Der Sänftenträger mit dem Buckel und der Geiernase gab einen zischenden Laut von sich. Seine Augen schienen Feuer zu sprühen. »Bei Luzifer«, flüsterte er fast unhörbar. »Die Rache der Hölle wird dich treffen, Dicker, so wahr ich Thomasius, der Magier, bin!«
    »Schweig Er!« knurrte der Riese mit der Peitsche. »Oder Er bekommt meine sieben Peitschenenden zu spüren!«
    Der Verwachsene schwieg, nur seine Lippen bewegten sich. Unablässig flössen Verwünschungen und Beschwörungen über sie, kaum hörbar, aber nichtsdestoweniger furchtbar.
    »Die Hölle wird dich fressen…!«
    ***
    Tausend Jahre später dröhnte die Stimme aus dem zitronengelben Lautsprecherwagen durch die Wilhelmshöher Allee. Die Musikeinlage war soeben verstummt, und der Wagen, der sich in etwa zweihundert Metern Abstand vor dem eigentümlichen Konvoi bewegte, erfüllte seine Aufgabe. »Meine Damen und Herren, liebe Mitbürger von Kassel-Wilhelmshöhe«, dröhnte die Stimme aus den auf dem Fahrzeugdach montierten Lautsprechern. »Öffnen Sie Ihre Fenster, kommen Sie auf die Balkons, kommen Sie herunter auf die Straße, und werden Sie Zeuge des letzten Abenteuers in einer computergesteuerten Welt! Erleben Sie mit, wie in wenigen Minuten eine Sänfte an Ihnen vorbeigetragen wird… Ein Erlebnis, von dem Sie noch Ihren Kindern und Enkeln erzählen können: Der Weltrekord im Sänftetragen, ausgerichtet von der Turngemeinde Wehlheiden! Sechs Leichtathleten der TGW wollen die Sänfte über eine Distanz von einhundertunddreißig Kilometern in einem Zeitraum von vierundzwanzig bis fünfundzwanzig Stunden rund um Kassel, nach Hannoversch Münden und wieder zurück tragen… Und Sie, meine Damen und Herren, sind bei diesem einmaligen Geschehen live und hautnah dabei! Beim Weltrekord im Sänfte tragen…«
    Die Stimme verstummte, und aus dem Lautsprecher dröhnte wieder Musik. Im rückwärtigen Teil des Wagens grinste Professor Zamorra, drehte sich vorsichtig um und sah durch die kleine Heckscheibe. Zweihundert Meter hinter ihnen flammte im samstäglichen City-Verkehr das gelbe Rundumlicht des vordersten Fahrzeugs auf, das einem Konvoi voranrollte, wie es ihn in der Geschichte der Menschheit noch nie gegeben hatte.
    Hinter dem blauen Morris Mini mit dem Rundumlicht kam die Sänfte. Vier Männer in roter Sportkleidung trugen sie; zwei weitere warteten im folgenden Versorgungswagen auf ihren Einsatz. Ein Notarztwagen folgte, danach das Kommandofahrzeug der Aktion, ein Verpflegungswagen und zum Schluß ein brauner Fiat als Absicherungsfahrzeug, ebenfalls mit pausenlos rotierendem gelbem Blinklicht.
    »Ich hätte nie geglaubt, daß die Show tatsächlich laufen würde«, murmelte der Professor. Auf dem Beifahrersitz des Lautsprecherwagens grinste Rolf Michael.
    »Aber es hat geklappt«, sagte er, »und jetzt hält uns nichts mehr auf…« Er schaltete das Musikband ab und griff wieder zum Mikrofon. Sie waren ein paar hundert Meter weitergekommen, es wurde Zeit für eine neuerliche Durchsage.
    »Meine Damen und Herren, sehen Sie aus Ihren Fenstern, und erleben Sie…«
    ***
    Vergangenheit:
    Der Verwachsene stolperte.
    Sofort sackte die Sänfte durch. Aus ihrem Innern erklang ein wütender Schrei. Der Sturz des Verwachsenen riß auch seinen Nebenmann zu Boden. Hart schlug die Sänfte auf, die ihren Namen in diesem Moment nicht mehr verdiente. Der seitliche Vorhang bauschte sich auf, und ein lebender Fußball kullerte keifend und schimpfend heraus; der fette Bursche, der sich tragen ließ. Überraschend geschickt fing er sich ab und richtete sein Augenmerk auf den Verwachsenen.
    »Schon wieder Er!« erklang die schrille Stimme des Dicken. »Er lernt es auch wohl nie, wie ein Mensch zu gehen! Helfen Ihm Seine Zaubertricks nichts?«
    Der Verwachsene hatte den Griff der Sänfte losgelassen. Langsam erhob er sich, während der Riese und die beiden hinteren Träger dem Fetten beim Aufstehen erheblich helfen mußten. Thomasius, der Magier, sah seinen Dienstherrn aus schmalen Augen finster an.
    »Das war Seine letzte Tat, verdammter Zauberer«, kreischte der Dicke. Er klatschte in die Hände.
    Blitzschnell schlug der Riese zu, nahm aber nicht die Peitsche, sondern die Faust und rührte keinen Finger, als der Magier lautlos zusammenbrach.
    Der Dicke wies auf den anderen vorderen Träger. »Er wird nun allein vorn tragen müssen, aber es ist ja nicht mehr weit.«
    Er bestieg, immer noch fluchend und wetternd, wieder seinen Platz in der Sänfte. Der Riese hob

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