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0029 - Das Ungeheuer aus dem Eis

0029 - Das Ungeheuer aus dem Eis

Titel: 0029 - Das Ungeheuer aus dem Eis
Autoren: A.F. Morland
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Plötzlich hörte Brown es ganz deutlich. Ein seltsames Schnauben und Stampfen war es. Ein Scharren und Fauchen.
    Das war der Tod.
    Clay Brown schlüpfte hastig in seine dicke Pelzjacke. Es drängte ihn aus dem Zelt. Er wollte den Tod sehen. Und er war sicher, daß er ihn sehen würde…
    ***
    Die anderen hörten nicht, wie er das Zelt verließ. Sie schnarchten weiter, hatten keine Ahnung, wie nahe ihnen das Ende gekommen war. Sie hatten sich zu weit vorgewagt, in das Reich des silbernen Dämons. Doch keiner wollte das wahrhaben. Sie taten das Ganze als lächerliche Sage ab. Keiner wollte glauben, daß es den silbernen Dämon wirklich gab.
    Es gab ihn.
    Schon damals, im Jahre 1924.
    Und es gibt ihn heute noch.
    Doch zurück zum Jahre 1924: Brown glitt aus dem Zelt. Er schloß es hinter sich wieder.
    Es hatte angefangen zu schneien.
    Der geisterhafte Wind jaulte über Eisklippen hinweg, peitschte die Schneeflocken in Browns bleiches Gesicht. Wie feine Nadelstiche schmerzte der Aufprall der winzigen Eiskristalle.
    Brown mummte sich fester ein.
    Er hob das Gewehr, das er mit nach draußen genommen hatte und ohne das er sich keinen Schritt in diese unwirtliche Nacht hinein zu tun gewagt hätte.
    Ängstlich schaute er sich um.
    Das Schnauben und Stampfen war jetzt nicht mehr zu vernehmen.
    Er dachte eine Sekunde an einen Eisbären, der sich an ihr Zelt zu nahe herangewagt hatte. Aber hätten da nicht die Schlittenhunde angeschlagen? Sie fürchteten diese zotteligen Riesen nicht. Sie verbellten sie tapfer, wenn sie ihnen zu nahe kamen.
    Doch im Moment lagen die Schlittenhunde zitternd und eng aneinandergepreßt im Schnee, wagten die Schnauzen nicht zu heben, schienen fürchterliche Angst zu haben.
    Die Kälte kroch unbarmherzig in Browns Felljacke.
    Er vermochte sich nicht zu erwärmen. Eiskalte Schauer rieselten über seinen Rücken, der sich mit Angstschweiß bedeckt hatte.
    Clay Brown stapfte mit unsicheren Schritten durch das Schneegestöber.
    Obwohl er befürchtete, es könne ihm etwas Grauenvolles zustoßen, war es ihm nicht möglich, umzukehren, ins Zelt zu kriechen, sich den anderen anzuvertrauen, ihnen seine Wahrnehmung mitzuteilen.
    Er war auf sich selbst angewiesen.
    Er fühlte sich schrecklich allein, hier draußen in der eisigen Wildnis.
    Allein mit seiner bebenden Angst, die ihn bei lebendigem Leibe aufzufressen versuchte.
    Da!
    Er hörte wieder diese unheimlichen Geräusche. Sie schienen sich vom Lager entfernt zu haben.
    Brown überlegte nicht lange, ob er diesen Geräuschen folgen sollte.
    Er ging ihnen einfach nach. Er mußte ihnen folgen. Und er begann zu begreifen, daß es dieses unbekannte Wesen darauf anlegte, ihn vom Lager wegzulocken.
    Er wußte das, aber er konnte sich nicht dagegen wehren.
    Zitternd stakte er durch den hartgefrorenen Schnee.
    Seine Augen waren auf den Boden geheftet. Er versuchte Spuren zu entdecken, doch dazu war es zu dunkel.
    Plötzlich erschreckte ihn ein silberner Schimmer. Ein Schimmer, der gleichermaßen am Himmel zu hängen schien wie auch über den Boden gekrochen kam.
    Browns Finger krampften sich um die Flinte. Er bezweifelte, daß er noch die Kraft haben würde, den Stecher der Waffe durchzuziehen.
    Trotzdem vermittelte ihm das Gewehr ein kleines Fünkchen Sicherheit, an dem er seinen angststarren Geist zu erwärmen versuchte.
    Was ist das? fragte sich Brown furchtsam. Was ist das für ein seltsamer Schimmer?
    Er stolperte darauf zu.
    Mit einemmal war ihm heiß und kalt zugleich. Er peitschte sich selbst zu größter Eile an, ohne zu wissen, warum er so atemlos auf diesen gespenstischen Schimmer zulief.
    Je näher er dem Schein kam, desto tiefer und drohender wurde seine Todesangst.
    Er begriff, daß sein Leben in dem Moment zu Ende gehen würde, wo er das Geheimnis dieses silbernen Scheins gelüftet hatte.
    Trotzdem blieb er nicht stehen.
    Von Umkehren war keine Rede.
    Das Licht zog ihn magisch an. Er keuchte durch das eiskalte Schneegestöber, die Flinte fest an die Hüfte gepreßt. Er war entschlossen auf alles zu schießen, was sich bewegte. Er war entschlossen, bis zum Umfallen um sein Leben zu kämpfen. Gleichzeitig machte ihm aber sein Unterbewußtsein klar, daß er jetzt schon ein lebender Leichnam war.
    Das war eine Tatsache, auch wenn er es nicht wahrhaben wollte.
    Jetzt hörte er wieder das Schnauben.
    Er war ihm näher gekommen.
    Eine dicke Schneekuppe trennte ihn noch von der nächtlichen Erscheinung, die ihn hierhergelockt hatte.
    Atemlos überkletterte

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