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Zero Option: Thriller

Zero Option: Thriller

Titel: Zero Option: Thriller
Autoren: Tom Wood
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nach fünf Minuten keine Bedrohung gemeldet hatte, erhob er sich und stieg die Treppe hinunter bis ins untere Geschoss der Tiefgarage. Dann ließ er sich von einem der Hochgeschwindigkeitsaufzüge bis in den obersten Stock bringen. Er nahm einen anderen Fahrstuhl, fuhr hinab in den dritten Stock und kehrte über die Treppe ins Foyer zurück. Anschließend verließ er das Gebäude durch einen Nebenausgang.
    Er steuerte die nächstgelegene U-Bahn-Station an und fuhr eine halbe Stunde lang kreuz und quer durch das U-Bahn-Netz, bevor er schließlich an der Universität wieder ans Tageslicht kam. Nach einem angenehmen Spaziergang über das Universitätsgelände fuhr er mit einem Taxi zum Bulevardul Regina Elisabeta nahe dem Rathaus und ging von dort noch ein paar Schritte zum Eingang des Parcul Ci¸smigiu.
    Im Park war es still und friedlich. Nur wenige Menschen begegneten ihm auf dem Weg zum Rondul Român, wo er sich Zeit nahm, um die zwölf Steinbüsten von berühmten rumänischen Schriftstellern zu betrachten, während er seine Maßnahmen zum Schutz vor Beschattern abschloss. Diese Vorsichtsmaßnahmen waren ein ebenso wichtiger Bestandteil seiner Arbeit wie das eigentliche Attentat. Die erfolgreiche Auftragsabwicklung hing entscheidend davon ab, dass er unbemerkt blieb und keinerlei Spuren hinterließ. Fast jeder Mensch war in der Lage, einen anderen Menschen umzubringen, aber nur wenige kamen danach ungeschoren davon, und nur die allerwenigsten schafften das immer wieder.
    Jahrelang war Victor in völliger Anonymität seinem Geschäft nachgegangen. Als freiberuflicher Auftragskiller hatte er seine Opfer schnell, effizient und geräuschlos beseitigt. Keiner seiner Auftraggeber hatte gewusst, wer er war. Niemand hatte das gewusst. Er hatte in fast vollkommener Isolation gelebt – keine Freunde, keine Familie, niemand, der ihn hintergehen konnte, und niemand, der dazu benutzt werden konnte, ihn unter Druck zu setzen. Doch dabei war es nicht geblieben, und rückblickend musste er sich eingestehen, dass das unvermeidlich gewesen war. Er hätte schließlich am besten wissen müssen, dass niemand für immer unentdeckt bleiben konnte.
    Als Victor sich sicher sein konnte, dass ihm niemand gefolgt war, verließ er das Rondul Român und ging zur Mitte des Parks mit dem künstlichen See. Auf einer kunstvoll gearbeiteten Fußgängerbrücke blieb er stehen, holte den Aktenkoffer aus seinem Koffer, sah sich um, ob er auch wirklich nicht beobachtet wurde, und ließ den Aktenkoffer unauffällig ins Wasser gleiten. Das Gewehr wog ungefähr sechseinhalb Kilogramm und sank sofort bis auf den Grund.
    Victor verließ den Park durch den Südostausgang und bestieg einen Bus. Er setzte sich auf die Rückbank, und als niemand mehr in seiner Nähe saß, stieg er nach einem halben Dutzend Haltestellen wieder aus. Den Koffer ließ er neben seinem Sitz auf dem Fußboden stehen.
    Er dachte an den Mann, dem er das Leben gerettet hatte. Victors Auftragsbeschreibung hatte keinerlei Informationen über die Zielperson seiner Zielperson enthalten, nur, dass sie überleben musste. Ohne den Zwischenfall in der Hotellobby hätte Victor wohl kaum einen Gedanken an den Mann verschwendet. Aber jetzt kannte er seinen Namen, einen Namen, dem er nicht zum ersten Mal begegnet war. Die meisten von Victors Kollegen hätten ihn erkannt. Vladimir Kasakov war einer der größten Waffenhändler des Planeten, wenn nicht sogar der größte überhaupt. Er wurde international gesucht. Normalerweise machte Victor sich kaum Gedanken darüber, welches Motiv hinter seinen Aufträgen stecken mochte, aber jetzt fragte er sich unwillkürlich, warum sein Auftraggeber bei der CIA so scharf darauf war, diesem Mann das Leben zu retten.
    Es fing wieder an zu regnen, und Victor beschleunigte seine Schritte, passte sie denen der anderen Fußgänger an. Niemand interessierte sich für ihn. Oberflächlich betrachtet, das war ihm klar, wirkte er beinahe wie sie – Fleisch und Blut, Haut und Knochen –, aber genauso klar war ihm auch, dass damit das Ende der Ähnlichkeit erreicht war.
    Weißt du, was dich zu etwas Besonderem macht? , hatte einmal jemand zu ihm gesagt. Menschen wie du, wie ich, wir tragen dieses Etwas in uns, das die anderen nicht haben, und entweder wir packen es beim Kragen und fangen damit etwas an, oder wir lassen zu, dass es uns zerstört.
    Und genau das hatte er sein Leben lang getan. Er hatte dieses Etwas beim Kragen gepackt und etwas damit angefangen. Doch vor

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