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Zero Option: Thriller

Zero Option: Thriller

Titel: Zero Option: Thriller
Autoren: Tom Wood
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wäre sinnlos gewesen, erst noch die Zielperson zu ermorden, nur um anschließend verhaftet zu werden.
    Sobald das Fadenkreuz genau auf dem Fenster saß, justierte er an seinem Zielfernrohr die Vergrößerung und erkannte, dass sich das Sonnenlicht nicht etwa auf den Linsen eines Fernglases oder eines Teleskops spiegelte, sondern in einem Zielfernrohr, genau wie seinem.
    Unterdrücktes Mündungsfeuer verwandelte die Überraschung des Geschäftsmanns in tiefes Entsetzen, das keine Sekunde lang andauerte. Dann hatte die Kugel seinen Kopf erreicht.
    Rosafarbener Nebel hing in der Luft.

Kapitel 2
    Victor sah die Leiche aus seinem Blickfeld verschwinden und nahm das Auge vom Zielfernrohr, während das Schussgeräusch langsam verhallte. Der lang gestreckte Schalldämpfer seines Gewehrs hatte zwar den Mündungsknall unterdrückt, aber gegen den mächtigen Überschallknall, mit dem das Geschoss die Schallgrenze durchbrochen hatte, ließ sich nichts machen. Jeder, der etwas davon verstand, wusste jetzt, dass irgendwo ein Schuss abgefeuert worden war, aber ohne das dazugehörige Mündungsfeuer war er praktisch nicht zu orten. Hätte er Unterschallmunition verwendet, dann hätte er so gut wie gar kein Geräusch verursacht, aber in Bukarest war es windig, und auf eine Entfernung von fünfhundertfünfzig Metern hätten langsamere Projektile ein zu großes Risiko bedeutet.
    Das Fenster des Hotelzimmers hatte sich für seine Zwecke nicht weit genug öffnen lassen, darum hatte Victor den ganzen Fensterflügel abmontiert. Es war kalt im Zimmer, aber der Luftzug ließ die penetrant riechenden Pulverdämpfe schnell abziehen. Wenn er den Gewehrlauf zum Fenster hinausgestreckt hätte, hätte es zwar weniger Gestank hinterlassen, aber er wäre sehr viel leichter zu entdecken gewesen. So etwas machten nur Amateure.
    Schnell, aber ohne Hast schraubte Victor den Schalldämpfer vom Lauf und nahm das Gewehr auseinander. Die einzelnen Teile legte er in die dafür vorgesehenen Schaumstoffmulden eines ledernen Aktenkoffers. Das Ganze dauerte keine fünfzehn Sekunden. Mit einem Taschentuch hob er die heiße Patronenhülse vom Boden auf und steckte sie in eine Tasche. Anschließend schob er den Sessel, den er benutzt hatte, vom Fenster zurück an seinen ursprünglichen Platz. Mit dem Fuß beseitigte er die Druckstellen der Sesselbeine aus dem Teppich vor dem Fenster.
    Er setzte den Fensterflügel wieder ein und glättete mit einem kleinen Stück Schmirgelpapier die Schraubenköpfe. Dann blickte er sich um, suchte nach irgendwelchen Anzeichen für seine Anwesenheit. Es war ein modernes Hotelzimmer, ordentlich und sehr sauber. Neutrale Farben. Jede Menge Edelstahl und leichtes Holz. Völlig unpersönlich, aber nicht abstoßend. Er sah nichts, weswegen er sich Gedanken machen müsste. Das Bett hatte er genauso wenig benutzt wie die Toilette, er hatte nicht einmal den Wasserhahn angefasst. So schwer es gewesen war, der Anziehungskraft der luxuriösen, außerordentlich fein gewebten Bettwäsche zu widerstehen, aber das Zimmer war ein Arbeitsplatz, mehr nicht, und es wäre ein sinnloses Risiko gewesen, den gebotenen Komfort in Anspruch zu nehmen. Es war schlicht und einfach nicht Victors Stil, dort zu schlafen, wo er einen Auftrag auszuführen hatte.
    Erleichtert, dass er keine Spuren hinterlassen hatte, die ihn irgendwie mit dem Zimmer in Verbindung bringen konnten, legte Victor den Aktenkoffer in einen größeren Koffer, klappte ihn zu und verließ den Raum. Sein Herzschlag lag etwa zwei Schläge pro Minute über dem Ruhepuls. Wegen Fingerabdrücken brauchte er sich keine Gedanken zu machen. Er hatte seine Hände mit einer durchsichtigen Silikonlösung bestrichen, sodass sie keinerlei Fettspuren hinterlassen konnten.
    Um nicht von der Überwachungskamera neben dem Fahrstuhl erfasst zu werden, nahm er die Treppe ins Erdgeschoss und durchquerte das Foyer, ohne auf das dort herrschende Durcheinander zu achten. Den Kopf hielt er leicht gesenkt, damit die Kameras nur seine Stirn und seine Haare zu sehen bekamen.
    In der Nähe des Hoteleingangs redete ein großer, breitschultriger Mann, bekleidet mit einer Jeans und einer beigefarbenen Wildlederjacke, aufgeregt auf einen älteren Mann von ähnlicher Statur ein. Beide sahen osteuropäisch, slawisch aus – Russen oder womöglich auch Ukrainer. Der Ältere sah aus wie Ende vierzig und trug einen schönen schwarzen Nadelstreifenanzug, der sich perfekt an seinen großen, muskulösen Körper schmiegte. Sein kurz

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