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Vampire küssen besser

Vampire küssen besser

Titel: Vampire küssen besser
Autoren: Savannah Russe
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    Kapitel 1
    Onkel Sam will mich?
    I ch war Single. Seit nahezu hundertachtzig Jahren, um genau zu sein. Heiße Küsse, Liebesschwüre, lustvolles Stöhnen, Erschauern – all das hatte es für mich seit dem griechischen Aufstand gegen das Ottomanenreich nicht mehr gegeben. Von einer kurzen Trockenperiode konnte man da schon nicht mehr reden – im Kreis meiner Freundinnen verglich ich den Zustand deshalb auch eher mit der Sahara. Demnach sollte die Einsamkeit für mich eigentlich kein Thema mehr sein. Abgesehen davon lädt das Dasein als weiblicher Vampir nicht gerade zu langfristigen Beziehungen ein, denn selbst ein flüchtiges Abenteuer hat mitunter ernste Konsequenzen. Meine letzte Affäre hätte mich beinah umgebracht – im wahrsten Sinn des Wortes.
    Das, was mir diese ganze Mann-Frau-Kiste verleidet hat, spielte sich im Jahr 1824 ab. Zu der Zeit war ich eine dunkelhaarige Schönheit in Missolonghi, und die Beziehung, die ich hatte, besaß das Zeug zur ganz großen Liebe, eine, über die man nachher in Geschichtsbüchern gelesen hätte. Allerdings ist sie schlecht ausgegangen, sozusagen über Nacht. Na schön, »schlecht ausgegangen« ist wahrscheinlich untertrieben. Wenn ich ehrlich bin, ist sie tragisch ausgegangen.
    Und wenn wir schon bei der Wahrheit sind, dann möchte ich hier auch mal betonen, dass der große Dichter und Revolutionär George Gordon oder Lord Byron mitnichten an einem Fieber gestorben ist. Ich kann nicht fassen, dass die Öffentlichkeit diese Version geschluckt hat, aber die Leute haben ja auch Nixon geglaubt, als er sagte, er sei kein Schurke. In Wahrheit ist Byron an einem verunglückten Liebesbiss gestorben – einem vereiterten Biss, würden wohl die Mediziner sagen. Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen.
    Hand in Hand spazierten wir an dem Gasthaus entlang, in dem Byron für eine Weile sein Domizil aufgeschlagen hatte, und betraten einen Rosengarten, den der Besitzer des Gasthauses dem Sumpfland jener fliegenverseuchten Gegend abgerungen hatte. Es war nicht das erste Mal, dass wir uns dort ergingen, sollte aber das letzte Mal sein. Der helle Apriltag wich langsam nebelverhangener Abendröte, und die samtschwarze Nacht streckte die ersten Fühler aus. Eine leichte Brise fächelte das Laub auf, und die Luft war schwer vom Duft der Blüten.
    »Erzähl mir noch ein bisschen über London, George«, bat ich und wedelte mir Luft zu, was nicht nur in der warmen Außentemperatur begründet lag. »Fehlt dir die Stadt? Fällt es dir nicht schwer, so weit entfernt von den Festlichkeiten zu leben?« Unterdessen blieb ich dicht an seiner Seite, so dass mein Atem seine Wange gleich einem Blütenhauch streifte.
    »Festlichkeiten sind nur ein hübscher Zeitvertreib, der den Dichter vor seiner schrecklichen Einsamkeit bewahrt«, antwortete Byron unverbindlich und blickte über den Golf von Patras, der sich flach und still nach Westen erstreckte. Weit draußen hatte ein Schiff Anker geworfen. Über den silbrigen Wellen, die sich hier und da aufwarfen und das letzte Licht einfingen, konnte ich es gut erkennen. Ich weiß nicht, ob Byron auch dahin sah, glaube aber schon. Das Schiff trieb im Wasser, am Beginn einer langen Reise, und die Schatten seiner Masten dehnten sich in der sinkenden Sonne nach Osten.
    »Warum bist du denn dann fortgegangen?«, fragte ich.
    Als er antwortete, blieb sein Gesicht dem Golf zugekehrt. »Ich war es müde geworden, hinter einer Reihe künstlicher Palmen zu sitzen und einbestellten Musikanten zuzuhören, statt dem reinsaitigen Instrument meines Herzens zu lauschen. Ich wusste, dass es an der Zeit war aufzubrechen.«
    Ich betrachtete sein Profil, erkannte seine unendlich schwermütige Miene und konnte meinen Blick nicht von ihm wenden. Byron hatte eine breite Stirn, sinnliche Lippen und lange dunkle Wimpern über Augen mit Schlafzimmerblick. Wie die eines griechischen Gottes, waren seine Züge fein gemeißelt. Seine Bildnisse werden ihm nicht gerecht, denn auf ihnen macht er, wie ich finde, einen schwulen Eindruck. In Wahrheit war er männlich und testosterongeladen, tatkräftig und risikofreudig.
    Ich gebe zu, bei näherem Hinsehen entdeckte man die Staubflecken auf seiner Kleidung und einen Schmutzrand an seinem Kragen. Tiefe Falten breiteten sich von seinen Augenwinkeln aus, und seine Haut war fahl und trocken. Und wenn er müde war, schmerzte sein verkrüppelter Fuß, und sein Hinken wurde ausgeprägter. Er wirkte liederlich und verlebt, denn

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