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Unter der Haut (Hauptkommissar Leng ermittelt) (German Edition)

Unter der Haut (Hauptkommissar Leng ermittelt) (German Edition)

Titel: Unter der Haut (Hauptkommissar Leng ermittelt) (German Edition)
Autoren: Reimund J. Dierichs
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Prolog

    Die beiden Sechzehnjährigen saßen eng umschlungen am Rande der Steilklippe Es sah so aus, als ob sie sich gegenseitig wärmen wollten; doch das wäre selbst jetzt, kurz vor Mitternacht, nicht nötig gewesen, denn die Temperatur lag noch deutlich über zwanzig Grad.
    Ein fast voller Mond bildete sein fahles, verzerrtes Konterfei im Meer ab. Der Strand weit unter ihnen wirkte menschenleer, und das einzige Geräusch, welches zu den beiden jungen Leuten herauf drang, war das Klatschen der Wellen, wenn sie gegen die Felsen brandeten.
    „Ich habe ein Lied für dich komponiert“, flüsterte der Schmalere der beiden. Sein blondes Haar, welches im Mondlicht silbern schimmerte, reichte ihm bis auf die Schultern.
    „Für mich?“ Die Bemerkung löste Erstaunen aus, aber auch verhaltene Freude.
    „Ich werde es dir morgen auf der Violine vorspielen.“
    „Hast du einen Text dazu geschrieben?“
    Die Antwort war ein kaum wahrnehmbares Kopfnicken, dem ein paar schüchtern vorgetragenen Worte folgten:
    „Ich hoffe, du wirst es mögen. Es ist ein Liebeslied.“
    „Und deine Eltern?“
    „Werden morgen zusammen mit meiner Schwester einen ehemaligen Patienten meines Vaters besuchen, der sich am Rande von Monchique ein Haus gekauft hat und dort zusammen mit seiner Frau seinen Ruhestand verbringt.“
    „Hast du das Lied hier im Urlaub geschrieben?“
    Die Frage löste Heiterkeit aus.
    „Klar doch. Wenn ich es schon vor Wochen geschrieben hätte, wüsstest du es doch längst. Ich würde doch vor dir keine Geheimnisse haben. Weißt du, dass ich sehr glücklich bin, mit dir befreundet zu sein. Ich liebe dich. Und es ist wunderschön.“
    „Ich liebe dich auch. Sehr sogar.“
    Sie küssten sich.
    „Sven.“
    Die Stimme hatte etwas Schneidendes.
    „Sven.“
    Der Kopf des blonden Jungen drehte sich ruckartig nach hinten. Entsetzen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.
    „Vater?“
    „Was macht ihr hier?“
    „Wir…wir…“
    Als Sven sich Hilfe suchend umschaute, sah er, dass er allein war. Mit raschen Schritten kam sein Vater näher. Dann standen sie zu zweit oben auf den Klippen, heftig streitend. Ein Wort gab das andere. Nach einigen Minuten trat schließlich Ruhe ein, die aber schon bald darauf ein jähes Ende fand, als ein Schrei die Dunkelheit in etwas Bedrohliches verwandelte.
    Eine halbe Stunde später war der Strand ein einziges Chaos. Etliche Polizisten rannten hektisch in der Gegend herum, in dem vergeblichen Bemühen, eine Absperrung zu errichten. Das rotierende Blaulicht eines Krankenwagens ließ die Umstehenden wie Strangulationsopfer aussehen, die dem Tod gerade noch einmal entkommen waren. Für Sven jedoch kam jede Hilfe zu spät. Sein Körper war mit voller Wucht auf den Sand aufgeschlagen, sein Gesicht dabei von einem herum liegenden Stein von der Größe einer Faust zermalmt worden. Einer Gruppe von Jugendlichen, die sich keine zweihundert Meter entfernt zu einem Mitternachtsschwimmen getroffen hatte, blieb der furchtbare Anblick erspart. Der Tote lag auf dem Bauch, die Arme seltsam vom Körper abgespreizt, so als hätte er noch versucht, drohendes Unheil abzuwehren. Der rot gefärbte Sand deutete auf einen hohen Blutverlust hin.

    1

    „Na, Gott sei Dank.“
    Mathilde Schneider steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn zweimal um. Dann betrat sie den kleinen, ummauerten Hof, der sich hinter dem Haus befand. Ein wüstes Durcheinander herrschte hier. Linkerhand standen, aufgereiht wie eine Armee, vier Mülltonnen. Einer der Deckel stand halb offen, weil einer der Hausbewohner mal wieder zu faul gewesen war, einen Karton zu zerreißen.
    „Bestimmt die Lohausen aus dem dritten Stock. Die hat es immer eilig. Und den Gestank müssen wir dann alle ertragen.“
    Hinter den Mülltonnen stapelten sich, regensicher unter einem Wellblechdach abgestellt, eine alte defekte Waschmaschine, ein beigefarbener Sessel mit zerschlissener Sitzfläche, ein lädiertes Monopolyspiel aus DM-Zeiten, drei Hinterräder, zwei davon zerbeult, ein alter Lampenschirm sowie diverser Hausrat, der hier heimlich abgelegt worden war, weil sich niemand die Mühe gemacht hatte, den Sperrmüll anzurufen und sich auch nicht den eigenen Keller damit voll stopfen wollte.
    Rechts standen ein Dutzend Fahrräder, alle angekettet an einer Eisenstange, die in etwa vierzig Zentimetern Höhe in die Mauer eingelassen worden war. Die Lampe über der Hoftür, bestückt mit einer Vierzig-Watt-Glühbirne, warf nur wenig Licht in das Geviert,

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