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...und was machen wir am Nachmittag? Satirisches über ein kleines Land

...und was machen wir am Nachmittag? Satirisches über ein kleines Land

Titel: ...und was machen wir am Nachmittag? Satirisches über ein kleines Land
Autoren: Ephraim Kishon
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SCHNELLKURS FÜR ANFÄNGER
    Kann man über ein Land lachen, das man liebt? Kann man ein Volk lieben, über das man lacht?
    Man kann.
    Wer professionell arbeiten will, darf sich von Gefühlen nicht beeinflussen lassen. Unser Finanzminister zum Beispiel hat mich sehr gern, aber das hindert ihn nicht daran, meine Steuererklärung auf Heller und Pfennig nachzurechnen. Auch ich habe ihn recht gern und spotte dennoch einmal pro Woche in meiner Kolumne über seine katastrophalen Schnitzer. Das hat mit Liebe rein gar nichts zu tun, wir tun beide schließlich nur unsere Pflicht.
    Oder nehmen wir ein ganz persönliches Beispiel: Es ist allgemein bekannt, daß ich ein Affenvater bin, der seinen dreiköpfigen Nachwuchs vergöttert. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, unzählige humoristische Geschichten gegen meine aufgeweckten kleinen Fratzen zu schreiben, die man hierzulande »Sabres« nennt. Diese treffende Bezeichnung für die in Israel Geborenen leitet sich von der orientalischen Frucht Sabre ab, die außen stachelig, aber innen ungenießbar ist.
    Das Ärgerliche ist, daß die drei Fratzen in meinem Land viel heimischer sind als ich. Sie sind mit der Sprache aufgewachsen, die ich im Schweiße meines Angesichts erlernt habe. 25 lange Jahre hatte ich in meiner ungarischen Muttersprache die erste Silbe eines Wortes betont, und nun mußte ich plötzlich die letzte betonen. Dennoch beherrsche ich das Hebräische natürlich besser als mein
    Nachwuchs und träume sogar auf hebräisch. Was mich daran stört, sind nur die ungarischen Untertitel.
    *
    Man kann den Staat Israel auf zweierlei Arten betrachten, aus der Nähe und aus der Ferne.
    Aus der Nähe gleicht er einem Sandhaufen, auf dem sich die unmöglichsten Geschöpfe verschiedenster Herkunft tummeln, schwitzend, schimpfend und streitend wegen jeder Kleinigkeit, mit schlampigen Lebensgewohnheiten und mühsam in Schach gehalten von einem bürokratischen Durcheinander, das sich Regierung nennt.
    Aus der Ferne aber sieht man eine einmalige Glanzleistung des 20. Jahrhunderts: ein zahlenmäßig kleines Volk, das trotz seiner absurden Plazierung auf der Landkarte eine musterhafte Demokratie aufgebaut hat. Ein blühendes Land, das sich trotz ständiger Kriegsbedrohung und massiver wirtschaftlicher Schwierigkeiten bewundernswert entwickelt, ein Land voll von historischen Sehenswürdigkeiten, ständig in seiner Existenz gefährdet und dennoch mit Menschen von überschäumender Lebenslust.
    Ja, so wirkt der 50 Jahre junge Staat Israel aus der Ferne auf mich. In diesem Buch betrachte ich meine geliebte Heimat jedoch lächelnd aus allernächster Nähe.
    *
    Israel ist ein besonderes Land voller Überraschungen. Schon seine Geburt war ein Wunder. Ein ungarischer Feuilletonist namens Theodor Herzl, ein großer Prophet und nebenbei ein gar nicht so schlechter Humorist, hatte unter dem Eindruck des Dreyfus-Prozesses beschlossen, den jüdischen Staat wiederzubeleben.
    Theodor Herzl war als Staatsgründer jedoch ein blutiger Anfänger und kannte nicht einmal das eherne biblische Gesetz, wonach ein gewiefter Prophet niemals ein genaues Datum nennt.
    Und so verkündete er im Jahre 1897 im Kongreßhaus zu Basel wörtlich: »In dieser historischen Versammlung habe ich den Grundstein für den jüdischen Staat gelegt. In 50 Jahren wird es ihn wirklich geben.«
    Leider hat er sich geirrt. Den Staat Israel gab es nämlich nicht 50, sondern erst 51 Jahre später. Und diesen peinlichen Patzer haben ihm Israels Historiker bis heute nicht verziehen.
    *
    Für mich jedenfalls ist Israel zur rechten Zeit geboren worden. Mit einer Million anderer Einwanderer strömte ich kurz nach der Staatsgründung in das Gelobte Land und wurde ein mehr oder weniger nützliches Mitglied dieser multinationalen Gesellschaft.
    Das israelische Volk hat die Verwirklichung seines jahrtausendealten Traumes dann auch so richtig ausgekostet, genauer gesagt zwei geschlagene Stunden lang, bis es von sieben bis an die Zähne bewaffneten arabischen Staaten recht unsanft geweckt wurde.
    Der neugeborene Staat hat überlebt und versucht, sich wie ein Erwachsener zu benehmen. Das war nicht gerade leicht, denn zu dieser Zeit waren ein Drittel der Bevölkerung Steuerbeamte und das zweite Drittel Verkehrspolizisten. Das dritte Drittel hatte sich noch nicht ent-
    Wir hatten keinerlei Ahnung, welche Staatsform Israel hatte. Waren wir jetzt Kommunisten, oder hatten wir noch einige ruhige Tage vor uns? Ein Teil der Bevölkerung war jedenfalls

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