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Svantevit: Radiks Geschichte - Historischer Roman (German Edition)

Svantevit: Radiks Geschichte - Historischer Roman (German Edition)

Titel: Svantevit: Radiks Geschichte - Historischer Roman (German Edition)
Autoren: Nikolai M. Jakobi
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KAPITEL I

    Rügen, anno 1155
    Die Jagd
    "Heh! – Heh! – Heh!" 
    Angetrieben von je einem Dutzend Ruderer schossen die beiden Boote über die See. Kraftvoll zogen die Männer die Riemen durch das dunkelgrün schimmernde Wasser und es war offensichtlich, dass sie mehr Spaß als Anstrengung empfanden – selbst bei dieser erbarmungslosen Hitze, die auch noch jetzt, fast zwei Monde nach dem längsten Tag des Jahres herrschte.
    Der Himmel war blau und fast völlig wolkenlos klar, nur weit im Osten versuchten ein paar vereinzelte Wolken, sich zu einer Formation zusammenzuschließen, die aus der Entfernung wie eine Ansammlung fetter, träger Gänse aussah. Daraus könnte ein Sommerregen werden; aber wohl nicht vor dem Abend.
    Die Sonne hatte den höchsten Punkt ihrer Bahn erreicht. Ihr Licht wurde von der See gespiegelt und reflektiert. Es brach sich tausendfach in den Wellen, die hier eher durch die in Küstennähe auflaufende Tiefenströme als durch den Wind verursacht wurden, der jetzt völlig zu ruhen schien.
    So grell glitzerten und blinkten die kleinen Wasserbäume, dass es selbst bei fast zugekniffenen Augen Schmerzen bereitete, in diese Pracht zu schauen, so als würde man für einen verbotenen Blick auf die Schätze der Meeresgötter bestraft werden.
    Die Ruderer hielten deshalb die Augen leicht geschlossen und blinzelten nur ab und zu, um sich zu orientieren. Aber das war eigentlich gar nicht notwendig, denn der Steuermann schaute und lenkte für sie.
    In voller Fahrt näherten sich die Boote dem Land. Vielmehr einem Stückchen Land mitten im Wasser, der Nordspitze der Halbinsel Hiddensee.
    Strahlend weiß wie ein sonnengebleichter Knochen ragte die Sandküste aus der See. Dahinter eine dunklere Erhebung mit zaghaftem Bewuchs aus Gras und Kiefern, die allen Stürmen zu trotzen vermögen.
    Auf dem hellen Sandstrand aber sah man dunkle Flecken, die sich ab und zu träge bewegten. Sie waren der Grund, warum die Männer die Strapazen auf sich nahmen und Ziel der gleich beginnenden Jagd – Robben.
    "Auf mein Kommando!", sagte der Steuermann im linken der beiden Boote.
    "Wie abgemacht!", bestätigte der andere.
    So dicht fuhren die beiden Boote nebenher, so nah beieinander tauchten die Riemen ein, dass es nur eine Frage der Zeit schien, bis sie sich berühren würden, was bei dieser Geschwindigkeit und der eingesetzten Kraft die Ruder zerbrechen und die Boote leckschlagen könnte. Doch das Geschick der Männer, verhinderte das scheinbar Unausweichliche.
    Sie hielten genau auf die Gruppe Robben zu, in der man jetzt die einzelnen Tiere unterscheiden konnte. In immer kürzeren Abständen hoben diese ihre Köpfe und schauten auf die heranschnellenden Boote. Jeden Augenblick könnten sie die Gefahr erkennen und sich unter lautem Zischen, Heulen und Pfeifen ins Wasser stürzen, um in den Fluten zu entkommen.
    "Jetzt!"
    Hart schlugen die Seitenruder herum und die Boote fuhren auseinander. Noch einmal wurden die Ruderer angetrieben, ihr Letztes zu geben, und das taten sie auch, denn sie wussten, dass es von ihrem Einsatz abhing, ob die Jagd erfolgreich sein würde.
    "Heh! – Heh! – Heh!"
    Die Schiffe glitten jetzt, in einiger Entfernung voneinander, fast parallel zur Küste, so dass sich ihr Abstand zu den Robben nur noch langsam verkürzte und sich diese weiterhin nicht bedroht sahen und zu flüchten versuchten.
    Doch dies sollte ihr Fehler sein, denn am Heck waren die Boote die ganze Fahrt über mit einem Seil verbunden, das, als sie sich voneinander trennten, ein Netz aus einem der Boote abgerollt hat, welches sich jetzt zwischen ihnen spannte.
    Als das Netz fast ganz abgewickelt war, gab es ein Zeichen zwischen den Bootsführern und sie wendeten wieder in Richtung Küste. Man brauchte nun nicht mehr direkt auf die Robben zuzuhalten, um sie aufzuscheuchen; in dieser unmittelbaren Nähe reichte es aus, dass die Steuermänner laut schrieen und mit Holzknüppeln gegen das Boot schlugen. Und schon stürzten sich die Tiere ins Wasser und in ihr sicheres Verderben.
    Das Netz reichte über zwanzig Manneslängen und war aus stabilen Hanfseilen gefertigt. Was sich einmal in ihm verfangen hatte, konnte nicht mehr entkommen.
    Die Robbengruppe, die jetzt brüllend und drängelnd das flache Wasser erreicht hatte und nun dem tieferen zustrebte, bestand aus etwa fünfzehn Tieren, unter ihnen fünf Jungtiere.
    Die beiden Boote fuhren ihnen langsam entgegen, immer bedacht, sie in der Mitte in Höhe des Netzes zu halten. Sobald eine

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