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Sturm der Herzen

Sturm der Herzen

Titel: Sturm der Herzen
Autoren: Shirlee Busbee
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erinnerte sie sich empört. Und kein Mann will mich heiraten, ja? Ihre Lippen wurden schmal. Das werden wir ja sehen!
    In ihrem Kopf überschlugen sich die Pläne, wie sie Mr Marcus Sherbrook am besten zeigen könnte, wie sehr er sich in ihr getäuscht hatte und wie falsch seine Einschätzung war. Auf Denham Manor angekommen, warf sie dem Pferdeburschen, der aus den Ställen kam, die Zügel zu und schwang sich aus dem Sattel. Da sie nicht gerade jetzt, wo sie innerlich noch zu verletzt war, Tante Agatha oder ihrem Onkel Sir James begegnen wollte, schlug sie den Weg zum See ein, der an der Grenze zwischen Denham und dem benachbarten Landsitz von Lord Manning lag.
    Sie ging oft zu dem See, um spazieren zu gehen, besonders wenn sie wütend oder aufgewühlt war; etwas an der glatten blauen Wasserfläche und dem grünen Wald mit den hie und da kunstvoll arrangierten Blumenpflanzungen und Büschen, die dem Uferverlauf folgten, vermochte sie zu trösten und zu beruhigen.
    Sie trat aus dem Wald und bemerkte ein kleines Boot auf dem Wasser; da sie unglücklich war und daher im Augenblick bestimmt keine angenehme Gesellschaft, machte sie kehrt und wollte gerade wieder zwischen die Bäume treten, als eine Männerstimme ihren Namen rief.
    Sie erkannte Hugh Manning, Lord Mannings jüngsten Sohn, und winkte ihm halbherzig zu. Er ruderte in Richtung Ufer auf der Denham’schen Seite des Sees. Bis zum vergangenen Winter hatte sie Hugh praktisch nicht gekannt; er hatte seine Heimat noch vor dem Tod ihres Vaters verlassen und war nach Indien gesegelt, um eine Karriere bei der East India Trading Company zu beginnen. Seine Heimkehr nach England für einen längeren Aufenthalt, ehe er wieder an seinen Posten in Bombay zurückkehrte, hatte die ganze Gegend in Aufruhr versetzt. In den Wochen nach seiner Ankunft hatte es zahllose Gesellschaften und Partys zu seinen Ehren gegeben, bei denen alle gespannt seinen Erzählungen aus dem fernen, geheimnisvollen Land Indien lauschten. Isabel fand seine Gesellschaft angenehm, sodass sie sich - auch wegen der engen Freundschaft zwischen ihrem Onkel und Hughs Vater - rasch mit ihm anfreundete. Auch wenn Hugh beinahe schon dreißig war, war ihr der Umstand, dass er ein netter, charmanter junger Mann war, nicht entgangen und sie verstand gut, weshalb die Tochter des Squires ihn mit seiner braun gebrannten Haut, seinen blonden Haaren und den dunkelblauen Augen für sehr gut aussehend hielt.
    Seit Januar war Hugh durch England gereist und erst vor etwa einer Woche heimgekommen, um sich in den nächsten Tagen nach Indien einzuschiffen und zu seinem Posten in Bombay zurückzukehren. Isabel wusste, dass Lord Manning der Abreise kummervoll entgegensah; es würden vermutlich Jahre vergehen, ehe Hugh wieder nach England kommen konnte, sodass Lord Manning fürchtete, er würde seinen jüngsten Sohn am Ende gar nicht wiedersehen. Das hatte er letzte Woche gesagt, als er zum Dinner nach Denham Manor eingeladen war.
    Als er das Ufer erreichte, sprang Hugh leichtfüßig aus dem Boot. Nachdem er es weit genug an Land gezogen hatte, dass es nicht einfach abtreiben konnte, drehte er sich um und lächelte Isabel an.
    »Heute ist ein schöner Tag, nicht wahr?«, sagte er. Er schaute zum blauen Himmel hoch und fügte wehmütig hinzu: »Es gibt nichts, das sich mit einem Aprilhimmel in England vergleichen ließe. Ich denke, was mir in Indien am meisten fehlt, ist ein Himmel in genau diesem Blauton.« Er atmete tief ein. »Und der Geruch des englischen Frühlings - der Blütenduft von Osterglocken, Rosen und Flieder.«
    Sie fühlte sich noch so gekränkt von ihrem Zusammenstoß mit Marcus, dass Isabel eigentlich gar keine Gesellschaft wollte, aber als Hugh vorschlug, dass sie sich auf eine der steinernen Bänke in der Nähe setzen könnten, war sie einverstanden.
    Isabel brauchte nicht lange, um an seiner Miene und anhand seiner Bemerkungen zu erkennen, dass Hugh Manning beinahe ebenso unglücklich war wie sie. Eine steile Falte erschien zwischen ihren Brauen, und sie fragte: »Möchtest du nicht nach Indien zurückkehren? Ich dachte eigentlich, du freutest dich darauf.«
    Den Blick auf den See gerichtet antwortete er: »Ich würde lieber zur Armee und gegen die Franzosen kämpfen«, erklärte er. »Da der Krieg auf dem Kontinent nicht so gut verläuft, benötigt England alle kampfestüchtigen Männer, die zur Verfügung stehen.«
    Isabel starrte ihn verwundert an. »Mir war gar nicht bewusst, dass du zum Heer

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